Hochschulen

In Berlin sind so viele Studenten wie nie eingeschrieben

Derzeit studieren rund 171.000 Menschen an Berliner Hochschulen. Ein Grund für den Rekord liegt darin, dass immer mehr Studenten es nicht schaffen, ihr Studium innerhalb der Regelzeit abzuschließen.

Foto: gb_fd_bs mkx nie fpt / picture alliance / dpa

Die Zahl der Studenten an den Berliner Universitäten und Hochschulen ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Im laufenden Wintersemester 2014/2015 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 171.274 Studenten in Berlin eingeschrieben.

Das waren rund 5000 mehr als vor einem Jahr. Mit dem Plus von 3,2 Prozent rangiert die Hauptstadt auf dem Niveau des deutschen Durchschnitts. Im ganzen Land stieg die Zahl der Studierenden um 3,1 Prozent auf 2,7 Millionen. Einzelne Bundesländer wie Niedersachsen meldeten ein Wachstum gar von 8,5 Prozent, während in allen ostdeutschen Ländern außer Berlin die Studentenzahlen sanken. In Brandenburg ging die Zahl um 1,3 Prozent zurück.

Ansturm hält seit Jahren an

Für Berlin ist ein solcher Trend aber nicht in Sicht. Besonders deutlich wird die Folge des seit Jahren anhaltenden Ansturms auf die Berliner Hochschulen in der längerfristigen Perspektive. Seit 2004 ist die Zahl der Studenten in der Stadt um 30.000 gestiegen. Das entspricht einer kompletten Hochschule von der Größe der Freien Universität.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wertet die gestiegenen Studierendenzahlen als "eine gute Nachricht". Das Angebot erhöhe die Chancen für Berliner Landeskinder, einen Studienplatz in ihrer Heimatstadt zu bekommen. Scheeres hebt auch die Rolle der Hauptstadt als "Geberland" bei den Studienplätzen hervor.

Denn in Berlin legen jedes Jahr rund 17.000 Jugendliche das Abitur ab. Die Stadt bietet aber rund 30.000 Anfängern die Chance, ein Studium aufzunehmen. Weil Berlin somit den anderen Bundesländern einen Teil der Hochschulbildung abnimmt, gibt es im Senat Versuche, diese Leistungen in den Verhandlungen um den bundesstaatlichen Finanzausgleich berücksichtigen zu lassen.

Bei dem nun erreichten Stand an Studienplätzen wird es wohl in absehbarer Zeit bleiben. Die Senatorin geht perspektivisch von einem "Abflachen des Anstiegs" aus: "Wir haben es nicht auf eine Rekordjagd abgesehen." Die großen Berliner Universitäten hatten ihre Kapazitäten schon in den letzten Jahren hochgefahren und dafür in der Laufzeit der Hochschulverträge zwischen 2010 und 2013 vom Land mehr Geld bekommen. Auch der Hochschulpakt der Länder mit dem Bund brachte zusätzliche Mittel für weitere Studienplätze.

Für die Humboldt Universität (HU) führt Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung, die steigenden Studierendenzahlen auch auf die Verlängerung der Studiendauer zurück. Immer mehr Studenten schafften es nicht, ihr Studium in der Regelzeit abzuschließen. Die HU nehme seit einigen Jahren immer 7500 bis 8000 Anfänger auf, aber die Studenten blieben länger an der Hochschule. Dass in nächster Zeit Plätze leer bleiben könnten, sieht Baron angesichts von 45.000 Bewerbungen nicht.

Für die Technische Universität erwartet Vizepräsident Hans-Ulrich Heiß eher ein "leichtes demografisches Loch". Aber derzeit sei die TU "voll bis oben hin". Schon in diesem Jahr sei die Zahl der Bewerber gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben. Das findet der Informatiker nicht schlimm. Er verweist auf die bundespolitisch zu führende Debatte, ob Deutschland einen so hohen Akademikergrad von 50 Prozent eines Jahrgangs haben wolle, während es in Ausbildungsberufen an Bewerbern mangele.

Qualität der Lehre sichern

Die Wissenschaftssenatorin verweist auf den Bedarf an den ausgebildeten Akademikern. "Nehmen wir nur die technischen Berufe und auch Lehrämter", sagt Scheeres. Sie hebt auch die wirtschaftlichen Effekte hervor, die die vielen Studenten für Berlin bringen. Tatsächlich beschäftigen allein die aus den großen Hochschulen der Region ausgegründeten mehr als 700 Firmen inzwischen 17.000 Menschen und setzen laut der jüngsten Gründungsbefragung 1,7 Milliarden Euro jährlich um.

Scheeres bekräftigt das Ziel, die Qualität der Lehre zu sichern und Spitzenleistungen in der Forschung zu erzielen. Darum habe das Land die Zahlungen in den Hochschulverträgen erhöht, die Hochschulen erhielten bis 2017 rund 122 Millionen Euro mehr als 2013. Studentenvertreter forderten am Mittwoch, der Bund solle sich an der Regelfinanzierung von Hochschulen beteiligen.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.