Hochschulen

Immer mehr Menschen studieren in Berlin

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Andrea Huber

Ansturm auf Berlins Universitäten: Weil sich immer mehr Studenten an Berliner Hochschulen einschreiben wollen, wird die Zahl der Studienplätze erhöht. Auch die Zahl der Fächer ohne Numerus clausus (NC) steigt.

Zum Wintersemester haben die Technische Universität (TU) und die Freie Universität (FU) die Zahl ihrer Studienplätze erhöht – und bieten zugleich mehr Fächer ohne Zulassungsbeschränkung an. Damit reagieren sie auf die anhaltend hohe Nachfrage.

So etwa setzt die TU ihren Kurs der Öffnung konsequent fort. Rund 6800 neue Studierende nehmen zum Wintersemester ihr Studium in einem der mehr als 110 Bachelor- und Masterstudiengänge auf. Die Zahl der Studienanfänger liegt damit um rund 18 Prozent über der des Vorjahres.

Aktuell gibt es auf dem Charlottenburger Campus 14 grundständige Studiengänge ohne Numerus clausus (NC), im Vorjahr waren es erst acht. In den zulassungsbeschränkten Studiengängen ist die Zahl der Studienplätze deutlich ausgebaut worden. „Mir ist es sehr wichtig, dass wir so viele Studienmöglichkeiten anbieten, wie es möglich und sinnvoll ist“, sagt TU-Präsident Professor Christian Thomsen. Das gestiegene Interesse am Studienangebot bekräftige die TU in ihrem Kurs. Am stärksten nachgefragt waren dort die Fächer Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur und Maschinenbau.

Die FU verzeichnete rund 29.000 Bewerber für die 3526 Plätze in zulassungsbeschränkten Bachelor- und Staatsexamensstudiengängen. Insgesamt gibt es an der FU rund 4700 Erstsemester, ein Plus im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Fächer ohne NC stieg von zwei auf nunmehr 23.

Psychologie, Jura und BWL besonders begehrt

Besonders auffällig ist an der FU die Konzentration der Bewerber auf drei Fächer, denn mehr als ein Drittel von ihnen interessierten sich für Psychologie, Rechtswissenschaft oder Betriebswirtschaftslehre. FU-Präsident Professor Peter-André Alt sieht die Fokussierung auf wenige Fächer problematisch: „Wir erhöhen in besonders stark nachgefragten Fächern die Aufnahmekapazitäten. Wir tun das allerdings mit Augenmaß, weil wir auch die Notwendigkeit sehen, weniger nachgefragte, aber für die Zukunft unseres Landes unabdingbare Fächer wie Physik und Informatik attraktiv zu halten.“ Starkes Interesse gab es zudem für die 2159 Masterstudienplätze an der Freien Universität (ohne Lehramtsmaster), für die sich knapp 7700 Bewerber meldeten.

Auch an der Humboldt-Universität (HU) beginnt am Montag die Vorlesungszeit: Hier gingen mehr als 45.000 Anträge ein, zur Verfügung stehen knapp 5500 Studienplätze in Fächern mit Zulassungsbeschränkung und 2101 Studienplätze in NC-freien Studiengängen. „Gemessen an den Bewerbungen je Studienplatz galt das größte Interesse den Studiengängen Psychologie, Grundschulpädagogik, Betriebswirtschaftslehre und Erziehungswissenschaften“, berichtet Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung. Ähnlich wie an der FU sind absolut gesehen auch an der Humboldt-Universität Psychologie, BWL und Jura besonders populär. „Die nach wie vor guten Berufsaussichten in diesen Fächern“, vermutet Baron als Ursache.

Interesse auf andere Studienfächer lenken

Warum sich Abiturienten seit einigen Jahren verstärkt für Psychologie, Rechtswissenschaften und BWL interessieren, darüber kann FU-Präsident Alt nur spekulieren, nennt aber breit gefächerte Beschäftigungsmöglichkeiten als möglichen Grund. „Zugleich scheinen mir das gesellschaftliche Ansehen dieser Fächer und ein gewisses Bestreben der Abiturienten, sich möglichst wenig von der großen Masse abzuheben, eine wichtige Rolle zu spielen“, sagt Alt. Gesellschaft, Politik und Wissenschaft müssten die Frage beantworten, „ob und wie Nachfrage und Angebot langfristig zum Wohle unseres Gemeinwesens gesteuert werden können.“ Um das Interesse künftiger Studierenden auf andere Studienfächer zu lenken, hat die FU beispielsweise Online-Studienfachwahl-Assistenten für zahlreiche Fächer entwickelt. HU-Vizepräsident Professor Michael Kämper-van den Boogaart betont, wie wichtig auch Fächer sind, die nur eine kleinere Zahl von Bewerbern anziehen: „Diese Fächer sind sowohl in der Lehre wie in der Forschung für eine moderne Volluniversität wie die Humboldt unverzichtbar.“

Ein sehr begehrtes Studienfach bleibt die Medizin: Zum Wintersemester wurden an der Charité 330 Studierende immatrikuliert, für die es mehr als 4500 Bewerber gab. Dazu meldet die Charité 48 Erstsemester in der Zahnmedizin sowie 64 neue Studierende, die einen Bachelor in Gesundheitswissenschaften anstreben. Einen erneuten Ansturm erlebte auch die Universität der Künste mit 6228 Bewerbern. Rund 800 neue Studierende starten hier ins Wintersemester.