Kommentar

Mauerkreuze gestohlen - Zynischer geht es nicht

Die Asyl-Aktivisten haben den Flüchtlingen in Berlin keinen Dienst erwiesen. Denn wer Rechtsbruch begeht, weckt kein Verständnis und schadet all denen, die legal Hilfe suchen, sagt Jochim Stoltenberg.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Es gibt in diesem Land offensichtlich nichts mehr, was vor Moral, Würde und selbst Totenehrung Halt macht. In München wird die teuflische Torinschrift „Arbeit macht frei“ am ehemaligen KZ- Dachau gestohlen, in Berlin am Spreeufer vor dem Reichstag die weißen Gedenkkreuze zur Mahnung an die Toten an der Mauer. In Berlin immerhin ist bekannt, wer für diese zynische Geschmacklosigkeit verantwortlich ist. Und die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Es darf in diesem Fall, wie in so vielen anderen, keine reine Formsache bleiben. Richter lassen dann hoffentlich das juristische Signal folgen, das dieser Entwürdigung gerecht wird.

Mit den Namen der Toten auf den gestohlenen Kreuzen ein politisches Happening zu veranstalten und dies auch noch ins Internet zu stellen, ist eine Verachtung aller menschlichen Gefühle. Das betrifft vor allem die Angehörigen der Toten. Aber zugleich die ganze Gesellschaft, die sich dieser Tage des Endes des Unrechtsregimes erinnert, das für die Opfer verantwortlich ist.

Auch denen, denen angeblich geholfen werden soll, haben die Aktivisten einen Tort angetan. Wer Rechtsbruch begeht – ob durch Diebstahl von Kreuzen oder Schulbesetzung –, weckt kein Verständnis. Er schadet all den Flüchtlingen, die legal um Hilfe in ihrer unverschuldeten Not nachsuchen.