Druckluft aus der U5

Bau der Kanzler-U-Bahn sorgt erneut für Staufalle

Erst bricht Erde ein, jetzt sprengt Luft die Fahrbahndecke. Der Verkehr auf der Straße Unter den Linden wird erneut beeinträchtigt. Der U-Bahn-Bau wird zum Problemfall – und die Ursachen sind unklar.

Foto: Massimo Rodari

Die Baustelle wird zur Staustelle. Unter der Erde geht es bei den Tunnelbauarbeiten für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 seit Monaten nicht weiter. Jetzt sorgt entweichende Druckluft aus der Tunnelvortriebsmaschine „Bärlinde“ seit Sonnabend für erhebliche Verkehrsbehinderungen auf der Straße Unter den Linden in Mitte. Und das nicht zum ersten Mal. Seit dem Beginn des umstrittenen Großprojektes unter der Erde haben Autofahrer, Fußgänger und angrenzende Geschäftsleute das Nachsehen.

Seit Sonnabend nun müssen sie sich erneut in Geduld üben. Ein Riss in der Fahrbahndecke bremst seit zwei Tagen den Verkehr auf dem Boulevard streckenweise aus. An der Ecke Schadowstraße platzte am Sonnabend plötzlich die Straße auf. Vermutlich hatte zu viel Druckluft aus der Tunnelvortriebsmaschine den Asphalt über eine Strecke von mehreren Metern aufplatzen lassen.

Unter den Linden suchen Experten nach möglichen größeren Schäden. Die Sperrung des Abschnitts zwischen Schadow- und Wilhelmstraße bleibe bis auf weiteres bestehen, teilten die Bau-Projektleiter am Montag mit. „Es laufen Bohrungen, um zu untersuchen, ob es im Erdreich zu Verschiebungen gekommen ist“, sagte eine Projektsprecherin am Montag. Erst wenn die Untersuchungsergebnisse vorlägen, könne über das Ende der Straßensperrung entschieden werden, hieß es weiter. Zudem werde mit dem Bezirk und den Behörden abgestimmt, ob und wann der betroffene Fahrbahnbelag saniert werden müsse.

Auch die Busse der Linie 100 und der Flughafenbus TXL werden über die Neustädtische Kirchstraße und Dorotheenstraße umgeleitet.

Ständig unter Druck

„Die Abbaukammer der Tunnelvortriebsmaschine steht unter ständigem Druck, um den Wasser- und Erddruck von außen auszugleichen“, erklärt Heike Müller, Sprecherin der Projektgesellschaft U5, einem 100-prozentigem Tochterunternehmen der BVG. „Es entweicht immer Luft aus der Kammer, warum nun an dieser Stelle in so konzentriertem Maße, das muss jetzt geklärt werden.“ Würde in der Abbaukammer kein Druck erzeugt werden, könne sie nicht betreten werden, heißt es. Noch am Sonntag haben Experten an dieser Stelle Probebohrungen gemacht, um den Schaden genauestens zu untersuchen.

Das aber nicht zum ersten Mal. Erst Mitte August dieses Jahres gab es auf der U5-Baustelle einen Erd- und Wassereinbruch. Tonnenweise waren Sand und Wasser in den U-Bahntunnel eingedrungen. Exakt an dieser Stelle musste die Polizei mit rot-weißem Flatterband und Warnbarken anrücken und den Boulevard zwischen Schadow- und Wilhelmstraße sperren. Da man Hohlräume unter der Fahrbahndecke nicht ausschließen konnte, durften Fahrzeuge diesen Streckenabschnitt aus Sicherheitsgründen nicht passieren. Bauarbeiter hatten festgestellt, dass es in der Nähe des U-Bahnhofes Brandenburger Tor einen Erdeinbruch gegeben hatte. Aber auch Mitte Oktober hatten die Experten die Ursachen noch nicht feststellen können.

Erdeinbruch im August

Nach dem Erdeinbruch im August wurden die Arbeiten wie geplant fortgesetzt. Die Nachläufer von „Bärlinde“, Aggregate, Pumpen und Werkstatteinrichtungen, wurden auseinandergebaut und zum Marx-Engels-Forum gebracht. Dort sollte mit den Arbeiten für die zweite Röhre begonnen werden. Auch die Maschine, mit der der nötige Druck unter Tage erzeugt wird, war bereits abgebaut. Sie musste für die Untersuchungen der Experten aber zurück zur Stelle der Havarie gebracht werden. Dort befinden sich seit August auch der Kopf des 700 Tonnen schweren und 70 Meter langen Bohrers. Solange die Untersuchungen dort nicht abgeschlossen sind, wird es mit den Tunnelarbeiten nicht weitergehen.

Mit den Vorkommnissen am Sonnabend sind die Arbeiten für den Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor erneut ins Stocken geraten – und wohl weitere Verzögerungen mit sich bringen. Denn geplant war, dass sich „Bärlinde“ ab November für den Bau des zweiten, 1,6 Kilometer langen Tunnels, durch das Erdreich bohrt. Ursprünglich sollte die Röhre im Frühjahr fertig sein.

BVG: Wir liegen im Zeitplan

Weil sich der Start für die zweite Tunnelröhre verzögert, hat die BVG andere Arbeiten vorgezogen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. „Wir liegen trotz der jüngsten Vorfälle im Zeitplan“, sagt Heike Müller. „An den künftigen drei neuen U-Bahnstationen Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden arbeiten wir und dort verlaufen die Bauarbeiten auch planmäßig.“ Sollte nicht noch mehr Unvorhergesehenes „Bärlinde“ ausbremsen, ist der Abschluss des Bauprojektes für 2019 terminiert.

Die U5 soll dann mit der U55 zusammengeführt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 525 Millionen Euro, rund 80 Prozent trägt der Bund. Am Sonntagabend lagen noch keine näheren Erkenntnisse für die Risse in der Asphaltdecke vor. Bis zu einem endgültigen Ergebnis können nach Angaben der Sprecherin der Projektgesellschaft noch mehrere Tage vergehen.