Verdacht

Berliner Feuerwehrmann betrieb Escort-Service mit Teenagern

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Michael Behrendt und Andreas Gandzior

Beamte des Landeskriminalamts haben einen 49 Jahre alten Berliner Feuerwehrmann festgenommen. Ihm werden sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Menschenhandel und Zuhälterei vorgeworfen.

Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) und Staatsanwälte haben am Donnerstagmorgen einen Berliner Feuerwehrmann verhaftet und sowohl seine Privaträume als auch seinen Arbeitsplatz durchsucht. Ihm wird sexueller Missbrauch von Jugendlichen, Menschenhandel, Zuhälterei sowie Förderung der Prostitution Minderjähriger vorgeworfen. Die Einsatzkräfte beschlagnahmten Unterlagen, Computer und Telefone, am Abend wurde er einem Haftrichter vorgeführt.

Der 49 Jahre alte Mann, der nach Informationen dieser Zeitung seinen Dienst auf der Feuerwache Zehlendorf versieht, soll sich in den vergangenen Jahren einen Escort-Service aufgebaut haben. Dabei halfen ihm den Ermittlungen zufolge vor allem die sozialen Netzwerke. So antwortete er auf Kleinanzeigen von jugendlichen Mädchen, die einen Neben- oder Ferienjob suchten. Der Beschuldigte soll zudem selbst aktiv Anzeigen geschaltet haben, in denen er entsprechende Jobs anbot.

Sein eigentliches Ziel war es jedoch lediglich, diese Opfer später an zahlungswillige Kunden zu vermitteln. Bevor es allerdings zu den ersten Kontakten mit diesen Freiern kam, soll der Feuerwehrmann die Mädchen selbst sexuell missbraucht haben. Bislang nachweisbar ist ihm das Betreiben des Escort-Services in den Jahren 2013 und 2014.

Intensive Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft identifizierten inzwischen drei Opfer im Alter von 13, 15 und 16 Jahren. Zumindest das älteste Mädchen soll damals bereits für ihn gearbeitet haben. Einem Ermittler zufolge waren die beiden anderen Jugendlichen jedenfalls schon in sein Visier geraten und es gab Kontakte. Ob die beiden bereits ebenfalls zu diesem Zeitpunkt schon sexuellen Kontakt mit ihm hatten und vermittelt wurden, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Fahndung nach Freiern

Beim Landeskriminalamt werden nun sämtliche Daten aus den Computern, Telefonen und schriftlichen Unterlagen ausgewertet. Davon erhoffen sich die Ermittler nicht nur die Identifizierung weiterer Opfer, sondern auch Aufschluss über das Netzwerk des mutmaßlichen Täters als auch über seinen Kundenstamm. Denn sollte diesen Kunden der organisierte sexuelle Kontakt zu Minderjährigen oder gar Kindern nachgewiesen werden können, sieht der Gesetzgeber Haftstrafen vor. „Die Regelung von Sexualstraftaten ist sehr kompliziert“, so ein Ermittler. „Die Strafandrohung für den Missbrauch einer Zehnjährigen ist weitaus höher als bei beispielsweise einer 17-Jährigen.“

Bei der Berliner Feuerwehr reagierte man geschockt auf die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden. „Der Kollege wurde natürlich sofort suspendiert“, so ein Sprecher. „Wir sind völlig entsetzt und überrascht.“ Weitere Angaben wollte der Feuerwehrsprecher nicht machen und verwies darauf, dass es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Nicht zum ersten Mal haben sich Straftäter die sozialen Netzwerke ausgesucht, um an Opfer für ihre geschäftlichen Interessen zu kommen. So hatte die Berliner Staatsanwaltschaft vor knapp drei Jahren gegen einen Angehörigen der Hells Angels ermittelt, weil er im Internet jugendliche Mädchen kontaktiert und später zur Prostitution gezwungen haben soll. Die Beweise reichten am Ende nicht aus, zu einer Verurteilung kam es nicht.

Seiten für Kinder sperren

Ein szenekundiger Beamter sieht gerade in den sozialen Netzwerken eine immense Gefahr für Jugendliche und ein regelrechtes Jagdrevier für Pädophile und andere Kriminelle. „Die Angesprochenen können sich keinen echten Überblick über die wahre Identität ihres Kommunikationspartners machen“, so der Spezialist. „Eine 16-Jährige denkt beispielsweise, es mit einem Gleichaltrigen zu tun zu haben und wird bei dem ersten vereinbarten Treffen von einem erwachsenen Mann überrascht.“

Um diese Gefahr zu minimieren helfe nur Aufklärung und ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Eltern. „Diese müssen auf ihre Kinder achten und sie auf die lauernden Gefahren hinweisen“, berichtet der Polizist. Dazu gehöre aber auch, sich selbst mit der Thematik und der nötigen Prävention zu beschäftigen.

Zwar sei es schwierig, die Gefahren in den sogenannten „social networks“ zu minimieren, jedoch könne der Zugriff von Kindern auf bestimmte Themenkomplexe verhindert werden. „Es gibt Software-Programme, die generell verhindern, dass Jugendliche von ihrem Computer aus zu Seiten beispielsweise mit pornografischem Material gelangen“, berichtet der szenekundige Beamte weiter. Gleiches gelte für Seiten mit Nazi-Propaganda oder Anlaufstellen von extremistischen Islamisten. Es gebe – gerade im Internet – zahlreiche Hilfestellungen zum Schutz der Kinder im Netz. „Wenn sich die Eltern dafür allerdings nicht interessieren und das Internetverhalten der Kinder unkontrolliert lassen, haben es die Täter leicht, ihre Opfer zu finden.“