Kommentar

Das neue Schulfach darf keine Mogelpackung sein

Regina Köhler

Das neue Schulfach Gesellschaftswissenschaft darf nicht dazu führen, dass Berliner Schulen nach Gusto entscheiden, was die Kinder lernen, sagt Regina Köhler.

Für Berlins Fünft- und Sechstklässler soll es das Fach Geschichte künftig nicht mehr geben. Stattdessen haben sie vielleicht schon bald das Fach Gesellschaftswissenschaften. Historische, geografische und politische Fakten sollen auf diese Weise vernetzt werden und die Schüler sollen lernen, Zusammenhänge herzustellen.

Das ist sinnvoll, denn mit Faktenwissen allein kommt man nicht weit, das ist oft schnell wieder vergessen. Was nützen einem Schüler Jahreszahlen, die er herunterbeten kann, wenn er nicht in der Lage ist, die Geschehnisse hinter den Zahlen zu bewerten, wenn er Ursachen und Wirkungen nicht erkennen und beurteilen kann? Historische Zusammenhänge haben nun einmal Auswirkungen auf die Politik und umgekehrt. Geschichte und Politik wiederum werden auch von Geografie bestimmt und legen Grenzen fest.

Das neue Konzept darf allerdings auf keinen Fall dazu führen, dass die Schulen nach Gusto entscheiden, ob die Kinder mehr Geschichte oder Erdkunde lernen und wie viel politische Bildung sie bekommen. Die Anzahl der jeweiligen Stunden muss genau festgelegt werden. Es dürfen nicht weniger werden als bisher, sonst wird das Ganze schnell zur Mogelpackung. Zu fragen bleibt auch, ob die Lehrer so ausgebildet sind, dass sie fächerübergreifend unterrichten können.