Gesellschaftswissenschaft

Neues Schulfach für Berliner Fünft- und Sechstklässler ab 2015

| Lesedauer: 3 Minuten
Regina Köhler

Für die Schüler der fünften und sechsten Klassen wird in Berlin ein neues Fach eingeführt: Gesellschaftswissenschaften. Darin sollen Geschichte, Politische Bildung und Geografie gebündelt werden.

Bildungsexperten und Lehrkräfte aus Berlin und Brandenburg sind gerade dabei, neue Rahmenlehrpläne für die Grundschule und die Sekundarstufe I zu entwickeln.

Geplant ist unter anderem, für die Schüler der fünften und sechsten Klassen ein neues Fach einzuführen: Gesellschaftswissenschaften. In diesem Fach sollen Geschichte, Politische Bildung und Geografie gebündelt werden. Es soll vom Schuljahr 2015/16 an unterrichtet werden.

Thorsten Metter, Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), dazu: „Aufbauend auf den Sachunterricht, der mehrere Perspektiven verbindet, schließt in den Klassen 5 und 6 das Fach Naturwissenschaften an.

Analog dazu werden die gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven im neuen Fach Gesellschaftswissenschaften zusammengefasst.“ Relevante Themen, die in der Realität komplex sind, könnten dann im Unterricht in ihrer Komplexität und integrativ behandelt werden. Metter betonte, dass nichts gekürzt werden soll. „Die Stundentafel für das neue Fach ist die der drei einzelnen Fächer.“

>> Kommentar: Das neue Schulfach darf keine Mogelpackung sein

Auch Robert Rauh, Geschichtslehrer am Barnim-Gymnasium und Lehrer des Jahres 2013, hält das für die Klassen fünf und sechs geplante Fach Gesellschaftswissenschaften für sinnvoll. „Es gibt Überschneidungen in diesen drei Fächern, deshalb bietet es sich an, sie zu vernetzen.“ In anderen Bundesländern werde das bereits erfolgreich praktiziert.

Für Rauh ist die Zusammenfassung der Fächer Biologie, Physik und Chemie zum Fach Naturwissenschaft ein gutes Beispiel. „Auch hier hat sich die Vernetzung der Fächer als sinnvoll erweisen“, sagte er. Dabei käme kein Fach zu kurz, da festgelegt sei, welches Thema wann in welchem Fach und in welchem Umfang behandelt werden muss. Kollegen, die zunächst skeptisch gewesen seien, wären inzwischen von diesem Vorgehen überzeugt, so Rauh.

Geschichte soll nach neuer Methode unterrichtet werden

Für problematisch hält der Geschichtslehrer allerdings den Vorstoß der Experten, das Fach Geschichte in den Klassen sieben und acht nicht mehr chronologisch, sondern nach der so genannten Längsschnittmethode zu unterrichten. Dabei werden historische Themen epochenübergreifend über größere Zeiträume beobachtet. „Damit könnte historisches Grundwissen verloren gehen“, befürchtet Rauh. Diese Methode sei eher für die Oberstufe geeignet. „Die Schüler brauchen erst einmal Basiswissen, um einen historischen Gegenstand im gesamtgesellschaftlichen Kontext untersuchen und beurteilen zu können.“

Ziel der Bildungsverwaltung ist es, wie es im Koalitionsvertrag steht, die Rahmenlehrpläne zu entschlacken und zu modernisieren. Nicht nur im Fach Geschichte, sondern in insgesamt 28 Fächern. Genau das forderte auch Robert Rauh. „Es geht darum, weniger Inhalte, dafür aber mehr Kompetenzen zu vermitteln“, sagte er. Für das Fach Geschichte bedeute das, dass die Schüler weniger auswendig pauken, sondern lernen sollen, Wissen anzuwenden, um Prozesse angemessen zu beurteilen.

Die neuen Lehrpläne gelten für die Klassen 1 bis 10, außerdem gibt es einen Basislehrplan für Sprach- und Medienbildung und für das Fach Theater. Gewaltprävention und Demokratieerziehung sollen fächerübergreifend stattfinden. Die Bildungsverwaltung will die neuen Lehrpläne Ende November auf ihrer Webseite veröffentlichen. Wie Sprecher Thorsten Metter sagte, sollen die Pläne dann möglichst breit diskutiert werden. Per Rückmeldungsbogen haben Interessierte Gelegenheit, die Pläne zu kommentieren.

Gabriele Anders-Neufang, Schulleiterin der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule Pankow, spricht sich ebenfalls für den übergreifenden Unterricht aus. „Wir wollen kein Schubladenwissen vermitteln“, sagte sie. „Wir fassen sogar Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften zusammen, so oft es geht.“ Alle Fächer einzubeziehen eigne sich nicht für jedes Projekt, aber doch für viele Themen. Es brauche allerdings Lehrer, die dieses Konzept mittragen.