Berliner Schulen

Schokoriegel statt Mittagessen – Oberschüler wollen keine Kantinen

Berlins Oberschüler versorgen sich lieber im Supermarkt oder beim Bäcker, statt in der Schulkantine Mittag zu essen. Caterer müssen deshalb immer mehr Verträge mit weiterführenden Schulen kündigen.

Foto: Christian Charisius / picture alliance / dpa

Wer den ganzen Tag zur Schule geht, der braucht unbedingt ein Mittagessen. Doch Berlins Oberschüler meiden die Schulkantinen. Während die meisten Grundschüler regelmäßig dort Mittag essen, greifen die Älteren lieber zu Riegeln, Kuchen oder belegten Brötchen. Viele versorgen sich in der Mittagspause beim Bäcker, in einem Lebensmittelmarkt oder bei McDonald’s statt in der Schule.

Die Caterer sehen sich nun gezwungen, immer mehr Verträge mit weiterführenden Schulen zu kündigen. Rolf Hoppe, Sprecher des Verbandes der Schulcaterer sagt, dass es sich nicht rechnet, wenn weniger als 50 Schüler pro Einrichtung am Mittagessen teilnehmen. „Wir benötigen mindestens 100 Esser.“ Man könne natürlich auch für weniger Schüler kochen, dann würde die Mahlzeit aber deutlich teurer werden.

Eltern sehen diese Entwicklung mit Sorge. Laut Berliner Schulgesetz ist das Essensangebot ein wichtiger Teil der Ganztagsbetreuung. Immerhin sind mehr als zwei Drittel der weiterführenden Schulen bereits Ganztagsschulen, die Essensversorgung jedoch wird immer problematischer.

Umfrage: Preis des Essens nicht entscheidend

Michael Jäger von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung nennt drei Gründe dafür, dass Oberschüler nicht gern am Mittagessen teilnehmen. „Das Angebot spricht Jugendliche nicht an, häufig fehlt es auch an genug Zeit zum Essen und an Räumen, in denen sich die Schüler gern aufhalten“, sagt er. Der Preis des Essens spiele hingegen keine so große Rolle. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich auch eine Umfrage des Landeselternausschusses.

Laut Hoppe vom Catererverband hängt außerdem viel davon ab, ob und wie es den Schulen gelingt, das Mittagessen in ihr pädagogisches Konzept zu integrieren. Ein gutes Beispiel sei die Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule. Dort würden alle Schüler mittags essen. Der Leiter dieser Moabiter Schule, Andreas Hanika, berichtet, dass jede Klasse zusammen mit ihrem Lehrer zum Mittagessen geht. „Das ist wie in der Familie, die Schüler können sich selbst bedienen, jede Gruppe hat eine halbe Stunde Zeit und einen Extraraum zum Essen.“ Oft würden in dieser Pause auch wichtige Gespräche geführt. „Seitdem wir gemeinsam essen, benötigen wir keine Streitschlichter mehr an der Schule“, sagt Hanika. Außerdem könne der Caterer mit 47 Euro pro Monat einen günstigen Preis anbieten, weil so viele Schüler am Essen teilnehmen würden. Für Kinder mit Berlinpass seien es monatlich sogar nur 14,50 Euro.

Was passieren muss, damit Oberschüler mittags essen gehen, darüber können Eltern und Jugendliche am heutigen Mittwoch mit Caterern, Schulleitern sowie Vertretern der Bildungsverwaltung und einzelner Bezirke diskutieren. Die Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums Tiergarten an der Altonaer Straße 26 beginnt um 17 Uhr.