Rekord

Berlins Flughäfen fertigen an einem Tag 107.000 Passagiere ab

Die beiden Airports der Stadt steuern auf einen Fluggastrekord zu. Seit Jahresbeginn wurden fast 21 Millionen Passagiere abgefertigt – so viele wie noch nie zuvor. Und der Trend hält an.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlins Flughafenchef Hartmut Mehdorn erlebt gerade ein Wechselbad der Gefühle. Anders als in vielen anderen europäischen Metropolen hält in der deutschen Hauptstadt der Boom im zivilen Flugverkehr unvermindert an. Gerade erst konnte der staatliche Airport-Betreiber, die von Mehdorn geführte Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), ein neues Allzeithoch vermelden: Demnach wurden am 26. September, dem Freitag während der Internationalen Schienenfahrzeugmesse Innotrans, insgesamt 107.505 Fluggäste an den Flughäfen Tegel und Schönefeld abgefertigt, so viele wie noch nie an einem Tag.

Allein in Tegel starteten und landeten an diesem Tag mehr als 82.000 Passagiere, das waren gut 3000 mehr als am bisherigen Spitzentag im Vorjahr (78.761 Fluggäste am 27. September 2013). Auch der September insgesamt war für die Flughafengesellschaft ein Spitzenmonat: 2.685.433 Passagiere starteten oder landeten in Tegel oder Schönefeld. Das ist ein Zuwachs von 5,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Schönefeld wurden im September 688.699 Fluggäste registriert (plus 8,6 Prozent), in Tegel waren es gar 1.996.734 Passagiere (plus 4,8 Prozent). Das im Herbst 1974 eröffnete sechseckige Hauptterminal in Tegel war dabei einst für sechs Millionen Passagiere im gesamten Jahr konzipiert.

6,1 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahr

Auch übers Jahr gesehen liegen die beiden Hauptstadt-Airports voll auf Rekordkurs. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden in Tegel und Schönefeld mehr als 21 Millionen Passagiere abgefertigt, ein sattes Plus von 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit gilt unter Verkehrsexperten bereits als sicher, dass der bisherige Rekord aus dem Vorjahr von 26,3 Millionen Fluggästen 2014 deutlich übertroffen werden wird. Das sorgt bei der gescholtenen Berliner Flughafengesellschaft – trotz der im Vergleich zu Frankfurt am Main oder München vergleichsweise sehr niedrigen Start- und Landegebühren – für kräftige Einnahmen. Das freut natürlich auch den Flughafenchef.

Doch der anhaltende Wachstumstrend im Berliner Luftverkehrsmarkt dürfte zugleich dessen Sorgen erheblich verstärken. Denn der neue, immer noch in Bau befindliche Großflughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld ist gerade einmal für eine Kapazität von 27 Millionen Passagieren im Jahr ausgelegt, diese Grenze werden Tegel und Schönefeld wohl bereits in diesem Jahr überschreiten. Damit ist der BER, so dieser denn wie von der FBB-Spitze erhofft, im Herbst 2016 endlich in Betrieb geht, bereits bei seiner Eröffnung zu klein.

Am BER mangelt es an Check-In-Schaltern

Mehdorn geht sogar davon aus, dass am BER wegen zahlreicher Fehlplanungen zunächst nur 21 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden können. So mangelt es im Terminalgebäude an Check-in-Schaltern, auch die unterirdische Gepäckanlage ist zu klein. Zwar sollen weitere vier Bänder zur Kofferausgabe nachträglich eingebaut werden, ob sie im Alltagsbetrieb ausreichen, ist offen. Mehdorn will deshalb die alte Abflughalle in Schönefeld für eine längere Übergangszeit weiterbetreiben. Dort sollen speziell Flugzeuge von Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet andocken. Dem entgegen stehen jedoch Pläne der Bundesregierung, die das Terminal bis zur Fertigstellung eines Neubaus unbedingt als Regierungsflughafen nutzen will. Bislang gibt es in diesem Konflikt noch keine Lösung. Mehdorn wurde vom Flughafen-Aufsichtsrat daher beauftragt, weitere Alternativen zur raschen Kapazitätserweiterung zu prüfen.