Onlineplattform

Hier können die Berliner ihre Meinung zu Olympia abgeben

Die Meinung der Berliner ist gefragt: Naturschützer und Landessportbund haben eine Internetplattform zu Olympia gestartet. Beide Verbände haben sich gegen eine Zusammenarbeit mit dem Senat entschieden.

Der Bund für Naturschutz (BUND) und der Berliner Landessportbund (LSB) haben am Dienstag ein Diskussionsforum zur möglichen Austragung Olympischer Spiele gestartet. Auf der Internetplattform olympia-diskutieren.de haben Interessierte die Möglichkeit, ihre Meinung zu acht Fragen rund um das Thema Olympia zu formulieren oder eigene Fragen zu stellen. „Es ist ein Experiment“, sagte BUND-Geschäftsführer Tilmann Heuser am Dienstag. „Wir wollen vernünftig über die Frage Olympia diskutieren.“

Während der LSB eine mögliche Berliner Bewerbung unterstützt, ist der BUND deutlich skeptischer. Zunächst müssen aus Sicht des Umweltverbandes eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, bevor er eine Bewerbung unterstützt.

Neben der grundsätzlichen Frage nach Pro oder Contra Olympia können Interessierte ihre Meinung zur Reformfähigkeit des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der Frage der Nachhaltigkeit oder dem vom Senat vorgelegten vorläufigen Sportstättenkonzept äußern. Alle Argumente können bewertet und kommentiert werden. Anfang November wollen LSB und BUND die Ergebnisse auswerten und dann in die Diskussion mit dem Senat eintreten – wenn Berlin den Zuschlag erhält.

Fernab politischer Meinungsmache

Bewusst haben sich die beiden Verbände gegen eine Zusammenarbeit mit dem Senat entschieden. So soll möglichst fernab politischer Meinungsmache eine gesamtgesellschaftliche Diskussion ermöglicht werden. „Sollte sich der Deutsche Olympische Sportbund für eine Bewerbung mit Berlin für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 oder 2028 aussprechen, steht eines fest: Am Ende entscheiden die Berliner über eine mögliche Bewerbung“, sagte Landesportbundchef Klaus Böger.

Es sei ein Alarmzeichen für das IOC, dass in der vergangenen Woche mit Oslo die letzte Hauptstadt einer westlich orientierten Demokratie sich von der Bewerbung für Olympische Winterspiele zurückgezogen hat. Auch München hatte eine Bewerbung für Winterspiele schließlich abgelehnt, weil sich eine Mehrheit der Bevölkerung dagegen ausgesprochen hatte. Für die Ablehnung werden vor allem der Gigantismus der vergangenen Jahre und die rigiden Vorgaben des IOC verantwortlich gemacht. Die Austragung sportlicher Großereignisse wie der Olympischen Spiele oder der Fußballweltmeisterschaft kosten die Austragungsorte viel Geld, häufig bleiben Investitionsruinen zurück, weil die Sportstätten danach nicht mehr genutzt werden. Für die Austragung der übernächsten Winterspiele stehen jetzt noch Peking und die kasachische Stadt Almaty bereit.

Das IOC will auf die zunehmende Ablehnung demokratischer Austragungsorte reagieren und Ende des Jahres eine Reformagenda beschließen. Dann sollen auch Faktoren wie Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit bei der Vergabe der Spiele berücksichtigt werden.

Entscheidung im Herbst

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) prüft derzeit, sich für die Austragung der Olympischen Spiele 2024 oder 2028 zu bewerben. Berlin und Hamburg haben nach der Aufforderung des DOSB ihr Interesse bekundet, Fragen zu Machbarkeit und vorhandenen Kapazitäten beantwortet. Ende des Jahres will der Sportverband entscheiden, mit welcher Stadt er ins Rennen für die Sommerspiele geht.

Nach den Berliner Plänen sollen möglichst viele Wettkämpfe im Stadtgebiet stattfinden. Dazu sollen vor allem der Olympiapark und das Sportforum Hohenschönhausen saniert werden. Weitere Wettkampforte sind das Messegelände, das Flughafengelände in Tegel, die Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof, die O2 World und der Jahnsportpark.

Vorbild für das Berliner Konzept sind die Spiele in London 2012, wo auf den Bau zahlreicher stationärer Sportstätten verzichtet wurde. Mahnendes Beispiel in Berlin für eine Fehlplanung ist das Schwimmbad am Olympiastadion, wo die Tribünen praktisch seit dem Ende der Olympischen Spiele 1936 nicht mehr benötigt werden, dringend sanierungsbedürftig sind und permanent instand gesetzt werden müssen. In Tegel könnten den Senatsplänen zufolge Teile der Reitveranstaltungen, Fechten und der Moderne Fünfkampf in provisorisch errichteten Sportstätten stattfinden. Für das Schwimmen soll ein Schwimmbecken gebaut werden, dessen Tribünen danach wieder verschwinden, das Bad könnte von den Bäderbetrieben übernommen werden.

Der größte Sanierungsbedarf entsteht nach den Senatsplänen im Jahnsportpark und im Sportforum Hohenschönhausen. Dort sollen die bestehenden Sportstätten olympiatauglich saniert werden. In Hohenschönhausen könnten nach Angaben des Berliner Sportstaatssekretärs Andreas Statzkowski „zwei bis drei neue Hallen“ dauerhaft dazukommen, in denen Handball, Badminton und Turnen stattfinden könnte. Die Hangars in Tempelhof sind nach Auffassung der Planer für die Tennis-, Beachvolleyball- und Boxwettkämpfe geeignet. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll barrierefrei umgebaut und zu einem dauerhaften Zentrum paralympischen Sports ausgebaut werden.

Unterstützung des Senats

Während sich im Abgeordnetenhaus SPD und CDU für eine Bewerbung ausgesprochen haben, sind die Oppositionsfraktionen skeptisch. Die Linkspartei knüpft ihre Zustimmung wie der BUND an – allerdings kaum zu erfüllende – Bedingungen. Die Grünen wollen am Wochenende auf einem Parteitag ihre Haltung zu Olympia diskutieren.