Tag des offenen Denkmals

So geheimnisvoll ist Berlin - Diese acht Bauten zeigen es

Denkmäler sind unser kulturelles Erbe, vielen droht jedoch der Abriss. Am Tag des offenen Denkmals können die Berliner sonst meist verborgene Orte besuchen. Auch diese acht Bauten in sind dabei.

Ein lauter Knall, eine riesige Staubwolke und die 76-jährige Geschichte der Deutschlandhalle ist beendet. So wie die Deutschlandhalle werden in Berlin immer wieder historisch bedeutsame Gebäude gesprengt – obwohl sie unter Denkmalschutz standen. So wie der im Dezember 2011 abgeräumten Deutschlandhalle ging es beispielsweise auch dem 1960 am Breitscheidplatz errichteten und in den Jahren 2009 bis 2013 komplett abgerissenen Schimmelpfeng-Haus, das jahrzehntelang die Kantstraße überbrückte.

Andere steinerne Zeitzeugen, wie etwa die seit 1991 unter Denkmalschutz stehende East Side Gallery an der Berliner Mauer, stehen zwar noch. Allerdings weist das 1,3 Kilometer lange, 1990 von 118 Künstlern bemalte Teilstück der Mauer inzwischen einige bis zu 40 Meter breite Lücken auf, weil es gleich mehreren Bauvorhaben an der Spree im Wege stand. Der Tag des offenen Denkmals will deshalb auch in diesem Jahr nicht nur nette Ausflugsziele zur kostenlosen Besichtigung bieten, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Bewusstsein schaffen

Mit dem Denkmaltag, der in Berlin am zweiten Wochenende im September und bundesweit am zweiten Sonntag im September begangen wird, ist ein ernstes Anliegen verknüpft. Die Öffentlichkeit soll für „die Bedeutung des kulturellen Erbes“ sensibilisiert werden und das „Interesse für die Belange der Denkmalpflege“ geweckt werden, schreiben die Initiatoren von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in ihrem Vorwort zum Programm.

Denn dass gebaute Zeugnisse unserer Geschichte erhalten bleiben müssen, darüber sind sich die meisten Menschen durchaus einig. Schwieriger dagegen ist jedoch, Konsens darüber zu finden, was für die Zukunft bewahrt werden soll – oder aber Platz machen muss für moderne Gebäude.

Was hat einen Denkmalwert

Wie weit die Auffassungen über den Denkmalwert eines Bauwerks oder auch einer Platz- oder Gartenanlage auseinandergehen, dafür gibt es gerade in einer Stadt wie Berlin, die 28 Jahre lang räumlich, politisch und gesellschaftlich geteilt war, zahlreiche Beispiele. Besonders emotional wurde nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten um den Palast der Republik, den bedeutendsten Repräsentationsbau der DDR, gestritten.

Sollte man „Erichs Lampenladen“, eröffnet 1976, als Zeugnis eines untergegangenen Staates bewahren, obwohl dieser asbestverseucht war und zudem einer historischen Rekonstruktion der verloren gegangenen Stadtmitte im Wege stand? Die Abrissbefürworter setzten sich schließlich durch und in den Jahren 2006 bis 2008 wurde das Gebäude abgetragen. An seiner Stelle entsteht derzeit das Humboldtforum, dass an drei Seiten mit den rekonstruierten barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses verkleidet wird.

Besonders schwer haben es derzeit generell Gebäude, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden – egal ob im ehemaligen Ost- oder Westteil der Stadt. Die architektonische Nachkriegsmoderne hat, besonders bei der älteren Generation, offenbar nur wenige Freunde. Das mag daran liegen, dass ihre nüchterne Sachlichkeit dem Geschmack vieler heute nicht mehr entspricht.

Netzwerke für den Erhalt

Inzwischen wehren sich jedoch immer mehr und vor allem junge Menschen gegen den Abriss weiterer Häuser dieser Baujahre. Sie mischen sich etwa im Netzwerk „Plattform Nachwuchsarchitekten“ bei den Hochhausplanungen am Alexanderplatz ein, für die weitere Bürogebäude aus DDR-Zeiten abgerissen werden müssten. Die Streiter für den Erhalt dieser Häuser haben mittlerweile mächtige Verbündete – die Hauseigentümer. Die haben ihre Häuser zum Großteil längst durchsaniert und gut vermietet und daher überhaupt kein Interesse an deren Abriss.

Doch nicht immer hat der Eigentümer Interesse am Erhalt. Die Wohnanlage, die der Architekt Oswald Mathias Ungers von 1979 bis 1983 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) am Lützowplatz errichtete, ist etwa den Plänen eines stärker verdichteten Hotel-, Büro- und Wohnneubaus zum Opfer gefallen. Proteste der Mieter gegen den Abriss der erst 30 Jahre alten Gebäude blieben genauso erfolglos wie eine Initiative von Berliner Architekten, die das Ensemble unter Denkmalschutz stellen lassen wollten. Dennoch waren die Proteste nicht gänzlich vergeblich: Das Landesdenkmalamt prüft gerade die Denkmalwürdigkeit der Kreuzberger IBA-Bauten (siehe Interview).

Wie die Denkmäler konserviert werden sollen

Doch nicht nur die Frage, ob, sondern auch wie ein Gebäude erhalten und konserviert werden soll, muss diskutiert werden. So reichen empörte Bürger Petitionen ein, weil das Jagdschloss Glienicke im Ortsteil Wannsee, das bei einem Feuer 2003 in großen Teilen zerstört wurde, ab 2005 zwar denkmalgerecht wieder aufgebaut wurde – allerdings samt dem in den 60er-Jahren von Max Taut eingebauten Glaserker, für den die zuvor existierende neobarocke Fassade auf der Gartenseite des Schlosses zerstört worden war. Nach langen Diskussionen wurden die Sanierungsarbeiten mit anderthalbjähriger Verspätung Ende Oktober 2012 dann doch abgeschlossen – mit dem Taut’schen Glaserker.

Die Antwort auf die Frage, wie und was unter Schutz gestellt werden soll, muss jede Generation aufs Neue für sich beantworten. Der Initiative vieler privater Förderer ist es schließlich auch zu verdanken, dass weitgehend unbekannte historische Gebäude im gesamten Stadtgebiet nicht verfallen, sondern liebevoll restauriert die Zeiten überdauern. Die 300 teilnehmenden Denkmalstätten, die am 13. und 14. September präsentiert werden, geben davon ein eindrucksvolles Zeugnis – und die Gelegenheit, sich mit der gebauten Geschichte unserer Stadt auseinanderzusetzen.

Das sind unser acht ganz besonderen Denkmäler:

Charlottenburg: Renaissance-Theater - Art-déco-Charme im Tortenformat

Kreuzberg: Das kleinste Haus am Ort - Geschichten auf 48 Quadratmetern

Treptow: Windkanal Adlershof - Betonröhre als Science-Fiction-Kulisse

Dahlem: Ehemalige Königliche Gärtnerlehranstalt - Historische Duftrosen und Beete

Dahlem: Ordenshaus der Freimaurer - Einblicke in die geheime Bruderschaft

Wilmersdorf: Ahmadiyya-Moschee - Exotisch wie das indische Taj Mahal

Mitte: Tieranatomisches Theater - Königliche Forschung für Rind und Ross

Lichtenberg: Das Stadtbad - Expressionismus mit bröckelndem Charme