Bauprojekt

Am Steglitzer Kreisel dreht sich nichts mehr

Das Hochhaus an der Schloßstraße soll eigentlich von Asbest befreit werden. Doch die Arbeiten ruhen. Auch die Verkaufsverhandlungen zwischen dem Liegenschaftsfonds und dem Investor wurden gestoppt.

Foto: CG Immobilien GmbH

Pleiten, Pech und Pannen – die fast 50-jährige Skandalgeschichte des Steglitzer Kreisels geht weiter. Seit dem ersten Spatenstich 1969 wird kaum etwas in der Bauchronik ausgelassen: Ausufernde Baukosten, Insolvenzen, Besitzerwechsel, Betrugsverdacht, schließlich der Asbestfund und die Räumung im Jahr 2007 bringen das Bürohochhaus an der Steglitzer Schloßstraße immer wieder in die Öffentlichkeit.

Jetzt kommt ein neues Kapitel dazu: Die Baufirma, die nach einem Streit vor der Vergabekammer den Zuschlag für die Asbestsanierung eingeklagt und erhalten hat, meldete kurz nach der Auftragsvergabe Insolvenz an. Damit herrscht derzeit Stillstand auf der Baustelle.

Stillstand gibt es auch bei den Verkaufsverhandlungen zwischen dem Liegenschaftsfonds und dem Investor. Der Kaufinteressent, die CG-Immobiliengruppe, hatte bereits seine Pläne für mehr als 200 Apartments im Kreisel öffentlich vorgestellt. Doch beim Liegenschaftsfonds wird bezweifelt, dass der Käufer das Projekt finanziell stemmen kann. Damit verzögert sich nicht nur die Asbestsanierung, sondern auch der Wohnungsneubau.

Die Finanzierung des Projektes ist geklärt

Bereits vor mehr als einem Jahr hat die CG-Gruppe, ein Projektentwickler auf dem Immobilienmarkt mit Sitz in Berlin, ihr Interesse am Kauf des 120 Meter hohen Gebäudes bekundet. Die unterschriebene Absichtserklärung (Letter of Intent) räumte dem Unternehmen eine Frist von vier Monaten ein, um den Ankauf zu prüfen. Ist das Projekt technisch und finanziell machbar? Diese Frage wurde vorab geklärt. Die CG-Gruppe entschied sich für das Projekt und klärte die Finanzierung. Das ehemalige Bürohaus sollte in ein Apartmenthaus umgebaut werden. Noch im März dieses Jahres hieß es, dass die Verhandlungen über den Verkauf des Gebäudes kurz vor dem Abschluss stünden.

Davon ist jetzt keine Rede mehr. Der Liegenschaftsfonds erklärt die Gespräche mit der CG-Gruppe für vorläufig beendet. „Das ist ein komplexes Bauvorhaben“, sagt die Geschäftsführerin Birgit Möhring ausweichend. Deshalb sei es wichtig, dass ein Investor gefunden werde, der die Gesamtmaßnahme finanziell stemmen könne. Schließlich wolle man nicht, dass eine Bauruine entstehe. Im Moment gebe es auch noch andere Investoren, die am Erwerb des Gebäudes Interesse haben. Eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der CG-Gruppe schließt Birgit Möhring aber nicht aus.

Auf den Abbruch der Gespräche reagiert das Immobilienunternehmen mit Erstaunen. „Die Finanzierung ist mit Unterstützung eines örtlichen Kreditinstituts gesichert“, sagt Christoph Gröner, einer der Geschäftsführer der CG-Gruppe. Außerdem gebe es keinen Zweifel, dass sein Unternehmen die Aufgabe lösen könne. Schließlich habe man allein in Berlin bereits mehr als 700 Wohnungen fertiggestellt, 300 weitere sind im Bau.

Nur der Hochhausturm ist noch Eigentum des Landes

Gröner hat aber aus seiner Sicht allen Grund entspannt zu bleiben: Die CG-Gruppe hat bereits den Sockel des Gebäudeensembles erworben, der vorher dem Projektentwickler Becker & Kries gehörte. Nur der Hochhausturm ist noch Eigentum des Landes. „Mit ist nicht klar, wie ein anderer den Turm umbauen will, ohne den Sockel zu nutzen“, sagt Gröner. Dabei gehe es nicht nur um Fluchtwege und die Tiefgarage, sondern konkret um die Stellplätze, die zum Sockel und damit der CG-Gruppe gehören. Deshalb sehe er auch keinen Druck für Verhandlungen mit dem Land und warte ab. Natürlich freue er sich, wenn die Gespräche wieder aufgenommen werden.

Die Querelen führen dazu, dass alle bereits geplanten Daten nicht eingehalten werden können. Eigentlich sollte die Asbestsanierung bereits Mitte 2015 abgeschlossen sein. „Wir gehen jetzt von Herbst 2016 aus“, sagt Katja Cwejn, Pressesprecherin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die im Auftrag des Landes das Gebäude verwaltet. Sie bestätigt, dass das Bauunternehmen, das für die Asbestsanierung zuständig war, kurz nach der Auftragsübernahme in die Insolvenz gegangen ist. Jetzt sei der Auftrag erneut ausgeschrieben worden, sagt Katja Cwejn.

Die Sanierung wurde neu ausgeschrieben

Die Bewerbungsfrist ist seit Kurzem abgelaufen, die neue Auftragsvergabe steht bevor. Seit Februar 2013 laufen die vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung des Hochhauses. Im Mai 2014 begann die eigentliche Asbestsanierung, die aufgrund der Pleite der Baufirma schon wieder kurz darauf abgebrochen werden musste. Die Arbeiten sollen jetzt so schnell es geht fortgesetzt werden.

Nach der Asbestsanierung, für die das Land Berlin etwa 30 Millionen Euro geplant hatte, steht der Wiederaufbau des Turms an. Die CG-Gruppe will das Gebäude für knapp 180 Millionen Euro in ein Wohn- und Geschäftshaus umbauen. Insgesamt sollen 248 Eigentumswohnungen entstehen, davon befinden sich 66 im Sockelgeschoss und haben einen angeschlossenen Garten. Weitere 182 Wohnungen mit einer Größe bis zu 250 Quadratmetern und einem Blick über Berlin verteilen sich im Turm. Für die Eigentümer stehen fast 400 Parkplätze in einer Tiefgarage zur Verfügung, noch einmal knapp 1000 Stellplätze gibt es in einem Parkhaus. Geschäfte, Praxen und das Hotel bleiben auch nach dem Umbau im Sockel des Gebäudeensembles.