Vier große Einkaufsgalerien, viele Schuh- und Sportartikelgeschäfte – die Schloßstraße in Steglitz ist eine der beliebtesten Einkaufsstraßen in Berlin. Das ist besonders am Wochenende oder verkaufsoffenen Sonntagen zu beobachten. Der Verkehr staut sich dann nicht nur in der Geschäftsstraße, sondern auch in den angrenzenden Wohngebieten.
Das Kuriose daran ist: Auf der parallel verlaufenden Stadtautobahn A103, die die Schloßstraße entlasten sollte, rollt der Verkehr meist problemlos. Während die Autofahrer in engen Wohnstraßen Parkplätze suchen, sind die Parkhäuser an der Schloßstraße leer.
Das muss sich ändern, fordert nicht nur die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf. Auch Karsten Groot hat sich mit seinen Mitstreitern der Kiezinitiative Steglitz (KiS e.V.) Gedanken gemacht, wie die Wohnsituation in den Kiezen rund um die Schloßstraße verbessert werden kann.
Herausgekommen ist ein Konzept mit verschiedenen Vorschlägen zur Beruhigung des Verkehrs:
Zwei neue Sackgassen
Die wichtigste Forderung ist, einen Teil der Schloßstraße für den Durchgangsverkehr zu sperren. Sie soll im Abschnitt zwischen der Schildhornstraße und Tiburtiusbrücke bis zur Grunewald und Albrechtstraße nur noch für Busse, Taxen, Rettungswagen, Lieferverkehr und Anwohner frei sein. Zugleich ist geplant, die Ahornstraße und die Hubertusstraße als Sackgasse an der Schloßstraße enden zu lassen, damit diese Straßen nicht mehr für Schleichwege genutzt werden können.
Die ehemaligen Straßeneinmündungen könnten mit Bänken oder Grün umgestaltet werden. „Eine Sperrung der Schloßstraße geht nur mit einem vernünftigen Parkleitsystem“, sagt Karsten Groot. So solle der Verkehr über die Stadtautobahn, also die Westangente, und die Tiburtiusbrücke fließen, die Parkhäuser am Steglitzer Kreisel, an den Einkaufszentren „Das Schloss“ und „Boulevard Berlin“ sowie am Forum Steglitz sollten mehr genutzt werden.
Zu befürchten sei, so Karsten Groot, dass durch die Sperrung der Schloßstraße die Lepsiusstraße verstärkt als Ausweichstraße genutzt wird. „Um der Lepsiusstraße die Attraktivität zu nehmen, sollte Tempo 30 zwischen Grunewaldstraße und Schildhornstraße angeordnet werden“, sagt der ehemalige Stadtkämmerer und heutige Pensionär. Außerdem müsste die Möglichkeit zum Abbiegen von der Schildhornstraße und Grunewaldstraße in die Lepsiusstraße zeitlich begrenzt werden.
„Dass sich die Anwohner die Sperrung der Schloßstraße für den Durchgangsverkehr wünschen, ist nachvollziehbar“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dennoch hält sie die Sperrung für unrealistisch. Da etwa 20.000 Fahrzeuge pro Tag durch die Schloßstraße fahren, würde das nur einen „kleinräumigen Verlagerungseffekt“ nach sich ziehen. Daher findet sie es „äußerst fraglich“, ob eine Sperrung ein gangbarer Weg ist.
Schloßstraße war immer eine Durchfahrtsstraße
In einem ersten Gespräch zwischen der Kiezinitiative und der Verkehrslenkung Berlin, die der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstellt ist, konnten sich beide Seiten darauf verständigen, zunächst eine Verkehrszählung durchzuführen. So soll festgestellt werden, wie viele Fahrzeuge aktuell tatsächlich die Schloßstraße zur Durchfahrt nutzen und wie sich der Verkehr nach einer Sperrung verteilen könnte.
Die Schloßstraße war schon immer eine Durchfahrtsstraße. Vor etwa 80 Jahren war sie Teil der Reichsstraße 1 – der heutigen Bundesstraße 1. Mit Eröffnung der parallel verlaufenden Westtangente im Jahr 1968 wurde der Verlauf der B 1 auf die neue Stadtautobahn verlegt, sie sollte nun zur Hauptverkehrsachse werden. Das ist jedoch nie geschehen. Die Erklärung liegt für Norbert Buchta, Chef der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, auf der Hand: „Selbst mit Stau ist man durch die Schloßstraße schneller als über die Westtangente.“
Als „sehr innovativ, aber derzeit nicht machbar“ bezeichnet er die Vorschläge der Kiezinitiative. Aber es sei eine Vision, die darauf ziele, dass etwas geschehen müsse. Persönlich könnte er sich gut vorstellen, dass die Schloßstraße eines Tages den Fußgängern und auch wieder der Straßenbahn vorbehalten bleibt. Das sehe er aber eher in einer Perspektive von zehn bis 15 Jahren. Im Moment ist für Norbert Buchta das Parkleitsystem das wichtigste Instrument, um die Verkehrsströme besser zu kanalisieren.
Bezirk darf nicht entscheiden
Bereits 2009 wurde noch unter Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) ein Verkehrskonzept entwickelt, das die Schloßstraße und die Kieze entlasten soll. „Das haben wir gestoppt und gar nicht den Bezirksverordneten vorgelegt“, sagt Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU).
Denn darin seien so „umfängliche Veränderungen der Verkehrsführung vorgesehen“, die er zum einen nicht hätte verantworten wollen und die zum anderen nur eine Verdrängung des Verkehrs zur Folge gehabt hätte. Er halte nichts von der Idee und sehe auch wenige Chancen, dass das Vorhaben umgesetzt werden könnte, so Kopp. Denn die Schloßstraße sei eine wichtige Hauptstraße. Letzten Endes liege die Entscheidung ohnehin nicht beim Bezirk.
Die Kiezinitiative will jetzt alle Vorschläge, die es je zur Verbesserung der Situation rund um die Schloßstraße gegeben hat, bündeln und ein Gesamtkonzept vorlegen. Auch die SPD fordert vom Bezirksamt ein Verkehrskonzept für den Bereich zwischen der A103 und dem Breitenbachplatz sowie Walther-Schreiber-Platz und dem Botanischen Garten. „Wenn es dann wirklich gewünscht ist, die Schloßstraße zu sperren, werden wir prüfen, ob es verkehrsrechtlich machbar ist“, sagt Petra Rohland.



