Kugelbomben-Prozess

Polizist identifiziert Täter im „Kugelbomben-Prozess“

Vor Gericht identifizierte ein Polizist im sogenannten „Kugelbomben-Prozess“ die Täter. Die drei Angeklagten müssen sich nach einer Attacke mit einem Sprengkörper wegen versuchten Mordes verantworten.

Der Beamte wirkte überzeugend. Sachlich schilderte er, was er beobachtet hatte. Und er erkannte auf Nachfrage des Schwurgerichtsvorsitzenden Ralph Ehestädt auch sofort die drei Angeklagten: „Ja, das sind sie auf jeden Fall.“ Der Polizeiobermeister konnte sich auch erinnern, dass einer von ihnen damals „lange Haare hatte und einen Bart“, ein anderer „war völlig in Schwarz gekleidet“.

Es war der dritte Tag im Prozess gegen drei Männer, die sich im Moabiter Kriminalgericht wegen versuchten Mordes verantworten müssen. Sie sollen dabei gewesen sein, als am 12. Juni 2010 rund 20.000 Menschen unter dem Motto „Die Krise heißt Kapitalismus“ durch die Innenstadt zogen. Begleitet von Polizeibeamten, die im Laufe der Demonstration mehrfach mit sogenannten „Polen-Böllern“ beworfen wurden. Gegen 14 Uhr sollen dann die Angeklagten einen Feuerwerkskörper gezündet haben, der noch weitaus lauter und sprengkräftiger war. Es handelte sich um eine in der Bundesrepublik nicht zugelassene Kugelbombe der Marke „white lotus“ .

14 Polizisten wurden von der detonierenden Kugelbombe verletzt, zwei Beamte mussten im Krankenhaus behandelt werden. Gerichtsmediziner stellten fest, dass die beiden Polizisten letztlich noch Glück hatten. Ohne Schutzkleidung wären sie vermutlich lebensgefährlich verletzt worden. Daher auch die Anklage wegen versuchten Mordes.

„Sie haben sich anders benommen als die anderen“

Der Polizeiobermeister, der am Donnerstag als Zeuge aussagte, war am 12. Juni 2010 in Zivil, beobachtete die Demonstration. Er erinnere sich noch, so der Zeuge, dass „an meiner linken Schulter vorbei ein Gegenstand flog“. Er sei sofort davon ausgegangen, dass es sich erneut um einen Knallkörper handeln könnte und habe sich „umgedreht, um zu sehen, wer ihn geworfen hat“. Dabei seien ihm sofort drei junge Männer aufgefallen, die höchstens fünf Meter entfernt gestanden hätten.

„Sie haben sich anders benommen als die anderen“, erinnerte er sich. „Sie wirkten wie in kindlicher freudiger Erwartung, dass da gleich etwas passiert.“ Einer von ihnen habe ein Feuerzeug gehalten. Kurz darauf gab es ein weiße Qualmwolke und einen mächtigen Knall. Die meisten Demonstranten hätten sich erschrocken, so der Polizeiobermeister. Ganz anders die drei Männer; sie seien zu einer Hauswand geschlendert, hätten geraucht und das Treiben lässig beobachtet.

Der Polizeiobermeister und ein Kollege hatten die drei Verdächtigen anschließend verfolgt und dabei fast immer auch im Blick behalten. Etwa zwei Stunden lang. Eine kurze Unterbrechung gab es am Rosenthaler Platz. Er habe sie aber sofort wieder entdeckt, sagte der Zeuge. Er weiß auch noch, dass sich in der Nähe des Neptunbrunnens am Alexanderplatz einer der jungen Männer ins Gebüsch verzog. Damals dachte er zunächst, dass der Mann dort seine Notdurft verrichten wolle. Ermittler fanden jedoch kurz darauf an dieser Stelle Pyroartikel, die dort offenkundig entsorgt wurden.

Die drei Männer – die nun die Angeklagten sind – wurden vorläufig festgenommen. Bei Durchsuchungen ihrer Wohnungen fanden sich diverse Pyroartikel, darunter auch Kugelbomben der Marke „white lotus“. Ebenso eine Videoaufzeichnung, die das Zünden einer Kugelbombe zeigt. Einer der Angeklagten soll nach seiner Einberufung bei einem Gespräch mit einem Bundeswehroffizier sich selbst und einen Mitangeklagten belastet haben. Ob dieses Teilgeständnis verwertbar ist, wird vom Schwurgericht geprüft. Der Prozess wird fortgesetzt.