Berlin-Neukölln

Betrunkener Mercedes-Fahrer rast auf Flucht in mehrere Autos

Erst fuhr er betrunken Auto, dann wurde er noch leichtsinniger: Ein Mann wollte sich in Neukölln nicht von der Polizei kontrollieren lassen - und gab Vollgas. Seine Flucht endete mit einem Crash.

Foto: Thomas Schröder

Ein betrunkener Autofahrer ist in der Nacht zu Freitag in mehrere geparkte Fahrzeuge gerast und hat dabei in Neukölln eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Der Mann hatte in der Elsenstraße in Treptow mit einem Mercedes einen Škoda gerammt und war danach mit dem Wagen vor der Polizei geflüchtet, als Beamte ihn kontrollieren wollten. Der anschließende Versuch, den Beamten nach einer halsbrecherischen Flucht und zwei weiteren Kollisionen zu Fuß doch noch zu entkommen, scheiterte. Der 25-Jährige konnte schließlich in der Straße Kiehlufer gestellt werden.

Ein Zeuge hatte gegen 0.30 Uhr einen lauten Knall gehört und sah einen Mercedes in Schlangenlinien durch die Elsenstraße fahren. Dann hielt der Wagen an einer Einfahrt an. Als die von dem Zeugen alarmierten Polizisten eintrafen, sahen sie den Wagen rückwärts aus der Einfahrt herausfahren. Dann blieb das Fahrzeug nach Polizeiangaben mitten auf der Straße stehen.

Karambolage auf der Teupitzer Straße

Als sich die Funkstreife näherte, fuhr der 25-Jährige plötzlich wieder los, schaltete das Licht aus und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Süden. Der Funkwagen verfolgte den Wagen, der erneut durch eine unsichere Fahrweise auffiel. In der Teupitzer Straße rammte der junge Mercedes-Fahrer erst einen geparkten Ford, schleuderte unkontrolliert über die Fahrbahn und stieß dann am Fahrbahnrand gegen einen Toyota. Die Wucht der Kollisionen führte dazu, dass auch ein Citroën, ein Fiat und ein weiterer Toyota erheblich beschädigt wurden.

Der Fahrer stieg scheinbar unverletzt aus dem Auto aus und flüchtete zu Fuß durch die Teupitzer Straße. Die Beamten des Polizeiabschnitts konnten den Unfallverursacher jedoch bereits kurz darauf am Kiehlufer stellen und vorläufig festnehmen.

Der 25-Jährige, der nach Morgenpost-Informationen polnischer Staatsbürger ist, hatte Verletzungen am Bein erlitten und wurde zunächst ambulant von Rettungssanitätern behandelt. Weil der Mann offensichtlich betrunken war, musste er „pusten“. Der Atemalkoholtest ergab 1,8 Promille, das Ergebnis einer später durchgeführten Blutprobe lag am Freitag noch nicht vor. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der 25-Jährige deutlich mehr als 1,1 Promille Blutalkoholgehalt hatte und damit komplett fahruntüchtig war, erscheint hoch.

25-Jähriger ohne Führerschein

Außerdem prüft die Polizei derzeit, ob der Mann überhaupt einen Führerschein besitzt. Nach der Festnahme konnte der 25-Jährige keine Fahrerlaubnis vorweisen. Die Ermittlungen dauern an. Fest steht nach Angaben einer Polizeisprecherin bereits, dass der Unfallfahrer nicht der Halter des Mercedes ist. Gegen den Mann wird nun wegen Unfallflucht und Gefährdung des Straßenverkehrs ermittelt. Falls sich herausstellt, dass er keinen Führerschein besitzt, wird er sich zudem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen. Nach der Blutentnahme kam der 25-Jährige frei.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass der in der Elsenstraße von dem Zeugen bemerkte Knall durch eine Karambolage mit einem geparkten Škoda verursacht wurde. Somit hat der 25-Jährige bei seiner chaotischen Fahrt insgesamt an sechs geparkten Autos und am geliehenen Mercedes schwere Blechschäden verursacht.

Zweiter Fall in Hohenschönhausen

Gerade eine gute Stunde zuvor hatte bereits ein 20 Jahre alter Autofahrer bei einem Verkehrsunfall in Hohenschönhausen fünf geparkte Autos demoliert. Der Polizei zufolge hatte auch dieser Autofahrer versucht, sich vom Unfallort zu entfernen. Der mutmaßlich angetrunkene Mann hatte nach Angaben der Polizei in einer Kurve die Kontrolle über seinen Wagen verloren und musste schließlich schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, war der 20-Jährige kurz vor Mitternacht im Ortsteil Fennpfuhl mit einem Opel durch die Franz-Jacob-Straße in Richtung Storkower Straße gefahren. In einer Kurve war der Wagen nach Angaben von Zeugen gegen 23.40 Uhr von der Fahrbahn abgekommen und in die am Fahrbahnrand stehenden Autos gerast. Laut Polizei wurden dabei ein Ford, ein Renault, ein Seat, ein Smart sowie ein Rover zum Teil erheblich beschädigt. Die Zeugen hatten zudem angegeben, dass der Opel mit sehr hohem Tempo gefahren wurde.

Der 20-Jährige war nach dem Unfall ausgestiegen und anschließend weggelaufen. Doch weit kam der junge Mann nicht. Nach Angaben der Polizei sei er nach etwa 600 Metern gestürzt und danach liegen geblieben. Von den Zeugen alarmierte Rettungskräfte der Feuerwehr fuhren ihn zur Behandlung ins Klinikum am Friedrichshain. Zuvor hatte der angetrunken wirkende Mann einen freiwilligen Alkoholtest verweigert. Polizeibeamte entdeckten in dem Wagen des 20-Jährigen mehrere leere Bierflaschen.

Der Unfallfahrer hatte auf Befragen ausgesagt, dass er einen technischen Defekt vermuten würde. Die Polizei beschlagnahmte daraufhin den Unfallwagen, um ein technisches Gutachten zu erstellen.