S-Bahn-Sanierung

Berliner S-Bahn-Fahrer haben keine Lust auf den Bus

Die S-Bahn-Sanierung reicht jetzt bis zum Ostbahnhof. Drei Wochen fahren keine Züge. Den Fahrgästen sind die Ersatzbusse zu langsam. Dafür wird der Regionalexpress zur neuen Stadtbahn.

Foto: Krauthöfer / Jörg

8 Uhr morgens, S-Bahnhof Alexanderplatz. Noch ist es dort ruhig. Nur vereinzelt bleiben die Menschen vor dem abgesperrten Zugang zu den S-Bahngleisen stehen und schauen etwas verwirrt drein. Hilfe bekommen sie von drei Bahnmitarbeitern, die Auskunft zur Sperrung des zweiten Teilabschnitts der Berliner Stadtbahn erteilen. „Die meisten wollen wissen, wo es zu den Bussen des Schienenersatzverkehrs geht und wie man jetzt zur Friedrichstraße kommt“, sagt ein Mitarbeiter des Info-Teams.

Während die Strecke vom Zoologischen Garten bis zur Friedrichstraße wieder befahrbar ist, müssen sich die Fahrgäste nun für die Weiterfahrt zum Ostbahnhof auf alternative Routen einstellen. Vom 4. bis zum 25. August 2014 ist die täglich von 160.000 Menschen genutzte Stadtbahn-Trasse gesperrt, damit auch dort die Gleise komplett erneuert werden können. Ausweichmöglichkeiten sind Regionalzüge, Schienenersatzverkehr (SEV), U- und Ringbahn.

Gegen 9.30 Uhr wird es voller, die Reaktionen der Fahrgäste werden differenzierter – von Entsetzen und Genervtsein bis zu Ahnungslosigkeit und purer Gelassenheit ist alles dabei. „Was soll das denn?“, schreit ein Fahrgast wutentbrannt, als er vor dem abgesperrten S-Bahn-Zugang steht. Sogleich bekommt er Hilfe von einem Bahnmitarbeiter, der ihm sachlich die U5 Richtung Tierpark mit Umstieg in Lichtenberg empfiehlt, um zum gewünschten Zielort Mahlsdorf zu gelangen.

„Super nervig und einfach eine Katastrophe“, findet das alles eine Friedrichshainerin, die gerade aus dem Urlaub zurückkommt und nach Bellevue möchte. Von der erneuten Sperrung hat sie nichts gewusst und sucht jetzt hektisch die Bushaltestelle des Ersatzverkehrs. Während am nördlichen Gleisaufgang die anfangs beschriebenen drei Bahnmitarbeiter stehen, gibt es am südlichen Ende des S-Bahnhofs niemanden, den sie nach der Haltestelle hätte fragen können. Die einzigen Wegweiser sind aufgeklebte Fußabdrücke, die vom Bahnhof in Richtung SEV-Haltestelle weisen.

Ersatzverkehr zu langsam

Diese liegt nämlich nicht direkt an der Station, sondern an der Grunerstraße, gegenüber dem Einkaufszentrum Alexa. Dort stehen jedoch nur wenige Fahrgäste und warten auf den Bus zur Friedrichstraße, der im Drei-Minutentakt fährt. Der Grund für die leeren Busse könnte ihre relativ lange Fahrtzeit sein. Sie brauchen zehn Minuten im Vergleich zu normalerweise vier Minuten mit der S-Bahn. Da bevorzugen die meisten Passagiere doch die schnelleren Regionalzüge. Diese verkehren sieben Mal pro Stunde nach Ost und West, die Bahn hat hier zwei zusätzliche Züge eingesetzt.

Am Alexanderplatz sind Bahnsteige und Züge gut gefüllt. „Meine App hat mir einfach die kürzeste Route angezeigt“, sagt Elina Schäfer, als sie auf die Regionalbahn wartet. Die Stuttgarterin möchte für ihre Rückreise zum Hauptbahnhof und wusste durch die Aushänge und Durchsagen während ihres Aufenthalts in Berlin gut Bescheid über die erneute S-Bahn-Sperrung. Sie hat daher von vornherein mehr Zeit eingeplant und nimmt den Umweg gelassen. Emma und Lonita stehen zwar am Gleis für den Regionalexpress zum Ostbahnhof, wussten aber nichts von der neuen Baustelle. „Wir wollen einfach gerne zum Badeschiff in Treptow“, sagen die beiden Australierinnen. Dafür müssen sie jetzt mehrmals umsteigen.

Am Bahnhof Friedrichstraße sind um 10 Uhr noch nicht sehr viele Fahrgäste unterwegs. Die normalen S-Bahngleise gehen jetzt beide in Richtung Westen, im Bahnhof sind an den Aufgängen Hinweisschilder aufgestellt – nur Servicepersonal ist nirgends in Sicht. Einzig am Gleis der Regionalzüge steht ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn zur Information. Elfriede Kaltenriner aus Linz an der Donau hat „überhaupt kein Problem“ mit der Umstellung. „Da ich im Urlaub bin und Zeit habe, macht es sogar ein bisschen Spaß“, sagt die Österreicherin. Und das obwohl sie für ihren Weg vom Hotel am Hauptbahnhof zur Jannowitzbrücke zwei Mal umsteigen und ein Stück laufen muss.

„Ziemlich genervt“ dagegen ist Seda Özel aus Tempelhof. „Ich wusste eigentlich Bescheid, habe die Sperrung jedoch vergessen“, sagt sie, die ebenfalls zur Jannowitzbrücke möchte und sich überlegt, ob sie nicht doch den Schienenersatzverkehr benutzen soll.

Nächste Baustelle betrifft die U2

Die SEV-Haltestelle befindet sich am Reichstagsufer, an der nördlichen Seite des Bahnhofs. Dort warten zwar vier Busse hintereinander auf ihren Einsatz, genutzt werden sie jedoch auch hier sehr wenig. Zurück am Alexanderplatz ist um 10.30 Uhr deutlich mehr los. Wegen des größeren Andrangs stehen in der Passage jetzt zusätzlich zwei „Scouts“ als Anlaufstelle für Hilfesuchende. Auch auf den Gleisen und in den Zügen des Regionalverkehrs ist es sehr voll. Patrick Sniegocki und seine Freundin Michelle Schüttel warten auf den Regio-Express, um nach Charlottenburg zu kommen. „Wir wollen uns das Schloss dort anschauen und danach auf den Kurfürstendamm shoppen gehen“, sagen die Touristen aus Hannover. Sie wussten von der Baustelle und finden die Regionalbahn sogar „bequemer als die S-Bahn“.

Unbequem wird es gegen Ende der S-Bahn-Sperrung für Nutzer der Bahnlinie U2. Vom 20. bis 25. August ist die Strecke zwischen Wittenbergplatz und Bismarckstraße wegen einer Decken- und Gleissanierung unterbrochen. Der Teilabschnitt bleibt dann vom 25. August bis Mitte Dezember wochentags weiter gesperrt, nur sonnabends und sonntags wird die Linie durchgefahren. Während der Bauzeiten wird jeweils Schienenersatzverkehr mit Bussen bestehen.