Zweite Bauphase

Sanierung der Stadtbahn - Ab Montag wieder Sperrungen

Die Sanierung der Stadtbahn ist zur Hälfte geschafft. Ab Montag verkehren die S-Bahn-Züge wieder zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten. Dafür wird nun die östliche Trasse gesperrt.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Es kann nur besser werden, zumindest was das Wetter betrifft. „Wir wurden von nichts verschont“, sagt Ulrich Burkhardt. Der Ingenieur der Deutschen Bahn leitet die Sanierung der Berliner Stadtbahn, und in den letzten Wochen war das eine Tortur. Meteorologen wiesen Berlin als das Bundesland mit den höchsten Temperaturen im Monat Juli aus: 20,7 Grad Celsius im Durchschnitt. „Hitze – und dann Starkregen. Mein höchster Respekt gilt den Mitarbeitern“, lobt Burkhardt.

Immerhin ist die Hälfte jetzt geschafft. Nun kommen die Arbeiten auf der Strecke zwischen Zoologischer Garten und Friedrichstraße zum Abschluss, ab Montag verkehren die Züge dann wieder wie gewohnt. Sämtliche Gleise wurden erneuert, rund 17.500 Dübel gewechselt, tonnenweise neue Schallabsorber verlegt. Das 17-Millionen-Euro-Projekt liegt im Zeitplan. Denn: „Die Risiken im Vorfeld waren bekannt“, sagt Burkhardt, „auch die Hitze.“ Weil die Gleise beim Schweißen nicht wärmer als 26 Grad sein dürfen, wurde diese Tätigkeit in die Abendstunden verlegt. Ebenfalls zufrieden sind die Verantwortlichen mit den Dübeln, mit denen die Schienen auf der Fahrbahn befestigt sind. Die Prognose, dass die Hälfte – insgesamt rund 35.000 – verschlissen ist, hat sich bisher als richtig erwiesen.

Nächste Sperrung ab Montag

Doch eine Verschnaufpause gibt es nicht, die zweite Bauphase steht an. Ab Montagmorgen, 4 Uhr, ist der Abschnitt Ostbahnhof–Friedrichstraße gesperrt. Betroffen sind weiterhin die Linien S5, S7 und S75. „Im Prinzip werden exakt die gleichen Arbeiten absolviert wie in der ersten Phase“, sagt Burkhardt. Einzige Änderung im Plan: Der Pflanzenbewuchs an den Bahnhöfen wird entfernt. Von Hand, ohne Chemikalien, wie Burkhardt betont. Mit Ende sämtlicher Maßnahmen werden alle Bahnhöfe auf der Strecke gründlich gereinigt. Außer nigelnagelneuen Gleisen soll nichts an die Bauarbeiten erinnern.

Doch bis dahin dauert es noch drei Wochen. Und für die Fahrgäste der S-Bahn bedeutet auch der zweite Bauabschnitt einige Einschränkungen. Die Stadtbahn-Trasse gehört zu den meistgenutzten der Stadt, 160.000 Menschen sind hier täglich unterwegs. Die S-Bahn empfiehlt als Umfahrungsmöglichkeiten die Ringbahn sowie die U-Bahnlinien U5 und U2 (siehe Grafik). Dazu wird ein Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen eingerichtet. Er benötigt zwischen Ostbahnhof und Friedrichstraße in beiden Richtungen jeweils 20 Minuten (die S-Bahn acht). Die Fahrzeuge halten nah an den jeweiligen Bahnhöfen, einen zusätzlichen Stopp gibt es außerdem in der Lichtenberger Straße beziehungsweise in der Holzmarktstraße, wo auch die Linien 248 und N40 Station machen. Aufpassen müssen Fahrgäste am Hackeschen Markt: Weil der Bahnhof nicht direkt vom SEV angefahren werden kann, befindet sich die Haltestelle 350 Meter weiter südlich, an der Kreuzung Spandauer Straße/Karl-Liebknecht-Straße.

Auf der Schiene sollen Regionalzüge für Entlastung sorgen, die Bahn setzt zwei zusätzliche Züge pro Stunde ein. Dem Fahrgastverband Igeb ist das nicht genug. „Man hätte die Regionalbahnlinien 21 und 22, die aus dem Raum Potsdam normalerweise bis Friedrichstraße fahren, bis Ostbahnhof verlängern und auch tagsüber fahren lassen müssen – mit Halt am Alexanderplatz“, kritisiert Sprecher Jens Wieseke. „Das hätte für mehr Entspannung gesorgt.“ Doch dafür, so die Bahn, stehen nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung.

Genügend Züge für Herthas Saisonstart

Die soll es am 23. August geben. Dann eröffnet Hertha BSC seine neue Bundesligasaison mit einem Heimspiel. Mindestens 50.000 Zuschauer werden dabei sein. In diesem Zeitraum bauen auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG): Die von vielen Fans genutzte U2 wird zwischen Wittenbergplatz und Bismarckstraße unterbrochen sein. Die S-Bahn setzt ab Friedrichstraße drei zusätzliche Züge pro Stunde ein, mit Stopps am Zoo, in Charlottenburg und am Olympiastadion.

Wer lieber sportlich zum Fußball pilgern möchte, kann auch auf das Rad steigen. Die Leihräder von „Call a Bike“ sind während der gesamten Sperrung für die ersten 30 Minuten umsonst. Das müsste ambitionierten Radlern sogar für die elf Kilometer lange Route Friedrichstraße–Olympiastadion reichen. Es darf nur nicht wieder zu heiß werden.