Verwahrlosung

Geschäftsleute fordern Sicherheitsdienst am Bahnhof Zoo

Geschäftsleute rund um den Bahnhof Zoo wollen einen privaten Wachschutz engagieren, weil die Fälle von Vandalismus und Aggression im Umfeld immer mehr steigen. Die Polizei lehnt das ab.

Foto: Schoening Berlin / pA/DPA/Arco Images

Aggressivität und Vandalismus im Umfeld des Bahnhofs Zoo nehmen nach Auskunft der AG City zu. Erste Hilferufe seien von der Galerie C/O Berlin, dem Betreiber der Eventpassage im Yva-Bogen an der Kantstraße und dem Hotel und Hostel Aletto gekommen, teilte die Arbeitsgemeinschaft mit. Weil sich auch die Diebstähle häuften und der Alkohol- und Drogenkonsum am Zoo zunehme, hatte die AG City die Anrainer Anfang des Monats an einen Tisch geholt. Gemeinschaftlich soll jetzt ein privater Sicherheitsdienst beauftragt werden, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Probleme mit Obdachlosen

„Wir sind jetzt das dritte Jahr hier“, sagte Dana Albrecht, Bereichsleiterin der Eventpassage. „Die Tendenz, dass es unangenehm wird, steigt.“ Es rieche in den Ecken. Man habe zunehmend Probleme mit Obdachlosen. „Meine Mitarbeiter werden angegriffen. Wir werden im laufenden Geschäft bestohlen, uns werden Mikrofone vom Podium geklaut.“ Die Sicherheit der Beschäftigten sei gefährdet. „Wir organisieren Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse. Das ist geschäftsschädigend, was hier passiert.“ Wenn ein Sicherheitsdienst engagiert sei, so hofft Dana Albrecht, „dann sehen die Leute, dass sie hier nicht mehr tun und lassen können, was sie wollen“. Es dürfe jedoch niemandem Gewalt angetan werden, „es muss alles im seriösen Bereich laufen“.

Obdachlose halten sich auch am Amerika-Haus auf, in das die Galerie C/O einzieht. Das Gebäude werde als Toilette benutzt, sagte Sprecher Mirko Nowak. „Das ist nicht erfreulich für uns.“ Durch die Baustelle am Gebäude sei die Situation unübersichtlich, es gebe viele Winkel und Ecken. Einzelne Obdachlose versuchten auch, sich im Hotel Aletto unter das Publikum zu mischen, zu frühstücken und durch das Haus zu gehen. Viele Schulklassen übernachten im Aletto. Die Geschäftsführung befürchtet, dass die Jugendlichen ihren Eltern davon erzählen, und die sich an den Reiseveranstalter wenden.

Der Bahnhof Zoo ist seit vielen Jahren ein sozialer Brennpunkt. Die Bahnhofsmission mit bis zu 600 Gästen täglich sei eine der größten Einrichtungen in Deutschland, sagte deren Leiter Dieter Puhl. „Wohnungslose sind oft suchtmittelkrank, also sehr hilflos. Viele sind außerdem psychisch beeinträchtigt.“ Die Zahl der Obdachlosen steige. Die Anrainer am Bahnhof Zoo, die „oft zu Recht unter uns stöhnen“, wollten jedoch keine Verdrängung, so Puhl, „sondern bieten Unterstützung an“. Unter den Wohnungslosen gebe es viele, „die sehr sorgfältig mit ihrem Umfeld umgehen“, sagte der Leiter der Bahnhofsmission. „Aber es gibt immer einen bestimmten Prozentsatz von Menschen, die dazu nicht mehr in der Lage sind.“

Die Deutsche Bahn AG unterstütze die Stadtmission. Ihm sei wichtig, dass der geplante Sicherheitsdienst soziale Kompetenzen habe, und es nicht um Verdrängung gehe. „Wir müssen im ständigen Dialog mit den Anrainern sein“, sagte Dieter Puhl. „Und das sind wir.“ Die Polizei kennt die Sorgen der Geschäftsleute. „Wir beobachten, dass die örtliche Trinker- und Bettlerszene am Bahnhof wieder zunimmt“, sagte Andreas Suhr, Leiter des Polizeiabschnitts 25. Auffällig seien auch obdachlose Osteuropäer. „Wenn sie angetrunken sind, kommt es relativ schnell zu Körperverletzungen. Bei Polizeieinsätzen leisten sie oft Widerstand.“

Diebstahl von Alkohol

Im Bahnhofsumfeld gebe es Drogenhandel und die Stricher-Szene. Es komme auch deshalb zu Raubdelikten, weil einige Drogenabhängige ihre Sucht durch Diebstahl finanzieren. In den nahe gelegenen Lebensmittelgeschäften habe der Diebstahl von alkoholischen Getränken zugenommen. „Hinzu kommt, dass die Vermüllung steigt.“ Die Polizei könne durch ihre Einsätze diese Probleme nicht lösen.

„Wir arbeiten eng mit der Bahnhofsmission zusammen“, sagte Polizeioberrat Suhr. Er schlage eine gemeinsame Streife von Streetworkern und Polizei vor. Die Zahl der Beschwerden über Obdachlose steige derzeit auch, so der Abschnittsleiter, weil sich die City West durch viele Neubauten verändere. „Die Forderung nach einem privaten Sicherheitsdienst halte ich für gefährlich“, sagte Andreas Suhr. „Ich bin dagegen.“

Es gebe viele Obdachlose, „die sich am Bahnhof aufhalten, aber sonst nichts tun“. Er befürchte, so Suhr, „dass Leute weggejagt werden, die man nicht wegjagen muss“. Er hofft, dass die Installation der neuen Bahnbrückenbeleuchtung der Hardenbergstraße zu einer Verbesserung beitragen werde. Darauf setzt auch die AG City.

„Die Wartungs- und Betriebskosten für die Bahnbrückenbeleuchtung werden auch durch die Anrainer für zehn Jahre übernommen. Ein zusätzlicher Sicherheitsdienst wäre eine gute Investition für die Zukunft“, so Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City. Aus Sicht der Deutschen Bahn „ist der Zoo einer der Hotspots in Berlin, in dem sich die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Stadt mit am stärksten spiegeln“, sagte Sprecher Burkhard Ahlert. Die Bahn arbeite eng mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und der Polizei zusammen, sie sei auch bei den Treffen der AG City vertreten. Der Bahnhof Zoo, so Ahlert, „ist aber definitiv nicht gefährlich“.