Kriminalität

Immer mehr Diebstähle in Berliner Bussen und Bahnen

Fahrgäste werden in Berliner Bussen und Bahnen immer öfter bestohlen. Die Zahl der Anzeigen stieg im vergangenen Jahr um 32 Prozent. Die Diebe haben meist ein leichtes Spiel.

Foto: Reto Klar

Fahrgäste in Bussen und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind immer häufiger Opfer von dreisten Dieben. 5512 Mal erstatteten BVG-Fahrgäste im vergangenen Jahr Anzeige nach einem Taschendiebstahl. Das ist ein deutliches Plus von fast 32 Prozent gegenüber dem Jahr 2012. Statistisch gesehen sind das mehr als 15 Taschendiebstähle pro Tag in Bahnhöfen und Verkehrsmitteln der BVG.

Die Anzahl sogenannter einfacher Diebstähle, dazu zählt etwa das komplette Entwenden einer Handtasche oder eines Rucksacks, stieg im selben Zeitraum von 1599 auf 1914 – ein Zuwachs von fast 20 Prozent. Bei fast allen anderen Kriminalitätsdelikten gab es hingegen einen spürbaren Rückgang, vor allem die Anzahl schwerer Gewalttaten ist im Nahverkehr weiter rückläufig. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht hervor, den das landeseigene Verkehrsunternehmen jetzt veröffentlicht hat.

Die BVG erklärt die Zunahme von Diebstählen in ihren Verkehrsmitteln mit einem allgemeinen Trend in Berlin, der vor allem durch stetig steigenden Touristenzahlen hervorgerufen werde.

Starker Anstieg von Diebstählen

In der Tat weist die Kriminalitätsstatistik der Berliner Polizei für die gesamte Stadt einen starken Anstieg von Diebstählen aus. Mehr als 600 pro Tag wurden im Vorjahr registriert. Die Entwicklung bei den Taschendiebstählen – insgesamt 20.794 Fälle im Jahr 2013 – bezeichnete Polizeipräsident Klaus Kandt zu Jahresbeginn sogar als „gravierend“. Die Verfolgung der Straftäter sei schwierig, weil es sich meist um international agierende Banden handele, die häufig auch noch Kinder und Jugendliche einsetzen würden.

Dass die Taschendiebe gerade in Bussen und Bahnen sowie in den Bahnhöfen aktiv werden, verwundert Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb wenig. „Volle Verkehrsmittel sind für sie geradezu ein Eldorado“, sagte er der Berliner Morgenpost. Besonders im Berufsverkehr und auf einigen besonders stark nachgefragten Linien stoße die BVG immer häufiger an ihre Kapazitätsgrenzen. „Es wäre schön, wenn die Verkehrsbetriebe auf diesen Linien mehr Busse und Bahnen einsetzen könnten, damit die Fahrgäste nicht so gedrängt stehen müssen“, sagte Wieseke. Ansonsten helfe nur der alte Vorsatz: „Mensch, pass auf!“

„Wir wissen, dass das ein Problem ist“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz zu den häufigen Taschendiebstählen. Deshalb gebe es bereits seit Längerem gemeinsame Aktionen mit der Berliner Polizei, bei denen die BVG-Nutzer für die besonderen Gefahren sensibilisiert werden sollen. Den Vorwurf des Fahrgastverbandes, überfüllte Züge würden den Dieben das Handwerk erleichtern, wies die BVG jedoch zurück. Die Praxis zeige vielmehr, dass viele Diebstähle sich abends und nachts ereignen würden, wenn Busse und Bahnen nur wenig besetzt seien.

Fahrgäste machen es Dieben oft leicht

Ein Problem ist nach Ansicht von Experten, dass viele Fahrgäste mit ihrem Verhalten den Dieben die Arbeit erleichtern. Dazu gehöre etwa, das Smartphone oder den Tablet-Computer auch in den Verkehrsmitteln stets offen herumzutragen. Hinzu kämen neue Tätermaschen. So waren in letzter Zeit mehrfach junge Eltern Opfer von Dieben. Im Zweifel bleiben die Mütter lieber bei ihrem Kind, als dass sie die Täter verfolgen.

Laut BVG-Sicherheitsbericht wurden 2013 insgesamt 14.362 Straftaten in ihren Bahnhöfen und den Verkehrsmitteln registriert, rund 1150 mehr als im Jahr zuvor. Ohne Taschendiebstähle verzeichnen die Verkehrsbetriebe jedoch einen Kriminalitätsrückgang um rund sechs Prozent. Folgerichtig spricht der Sicherheitschef der BVG, Ingo Tederahn, von einer „sehr guten Sicherheitslage“, die es zu bewahren und auszubauen gilt. Erreicht worden sei dies vor allem durch einen konsequenten Mix aus moderner Technik und gut geschulten Mitarbeitern.

Die BVG hatte zuletzt vor allem den Einsatz von Überwachungskameras stark ausgebaut. Alle 173 U-Bahnhöfe sowie alle U-Bahn-Züge werden nun mit Hilfe von Kameras kontrolliert, zudem sind 85 Prozent der Busse und 59 der Straßenbahnen mit Videotechnik ausgestattet. Der Fahrgastverband warnt jedoch vor einer Überbewertung der Technik. „Videobilder helfen bei der Aufklärung von Straftaten, verhindern können sie diese aber meist nicht“, sagte Wieseke.