Kommentar

So eine WM-Feier kann es nur in Berlin geben

Eine WM-Feier wie die vom Dienstag kann nur in Berlin stattfinden. Weil nur in Berlin und nur vor dem Brandenburger Tor solche historischen Bilder entstehen können, meint Felix Müller.

Foto: Reto Klar

Es sind die Bilder, die von Tagen wie diesem bleiben. Der Flug LH 2014, ein riesiger Jumbo der Lufthansa, der über der Stadt schwebt wie ein Raumschiff aus einer anderen Galaxie. Der Schleifen fliegt in einem fast wolkenlosen Himmel, und die Menschen in den Büros an die Fenster holt. Jemand hat „Football’s coming home“ von den Lightning Seeds auf YouTube herausgesucht, die perfekte Hymne für solche seltenen Gelegenheiten: Fußball kommt nach Hause. Und dieses Zuhause ist Berlin.

Das mag seltsam klingen. Der in Berlin gepflegte Fußball erreicht, verglichen mit den deutschen Spitzenklubs, selbst in guten Zeiten bestenfalls mittelmäßiges Niveau und ist von weltmeisterlicher Qualität so weit entfernt wie das Estadio do Maracanã vom hiesigen Olympiastadion. Keiner der Nationalspieler spielt in Berlin. Wäre es also nicht sinnvoller gewesen, die Party in München steigen zu lassen, das den Großteil der Stammspieler gestellt hat? Oder wenigstens in Frankfurt, wo der Deutsche Fußball-Bund seine Zentrale hat?

Die Antwort lautet so schlicht wie einleuchtend: auf gar keinen Fall. Denn es geht hier nicht nur um irgendeine Fußballfete nach einem Turniersieg. Es geht um ein Freudenfest historischen Ausmaßes. Die Zahlenfolge ’54, ’74, ’90 und ’14 zeigt uns, wie selten ein Sieg bei Fußball-Weltmeisterschaften ist. Und es reicht ein flüchtiger Blick in die Stadt, um die Euphorie zu erkennen, die der Triumph von Rio de Janeiro ausgelöst hat.

Die WM-Party in Berlin im Video

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Diese Bilder: Berlin von Tegel bis ins Zentrum ein schwarz-rot-goldenes Meer. Wie Schweinsteiger, cäsarenhaft eingehüllt in eine Deutschlandflagge, eine Polonaise am Brandenburger Tor anführt. Wie Kevin Großkreutz, erstaunlicherweise nur ein Alster in der Hand, vom Oberdeck des Busses in die Menge grinst. Und wie unsere Helden sich im Überschwang wohl etwas hämisch lustig machen über die unterlegenen „Gauchos“ – was in diesem Zustand freilich eine lässliche Sünde ist.

Kein anderer Ort wäre für diese Bilder geeigneter gewesen als Berlin. Und in Berlin gibt es keinen anderen Ort dafür als das Brandenburger Tor. Wenn das Land etwas Großes zu feiern hat, dann an der Straße des 17. Juni, die so etwas ist wie die Hauptschlagader zum deutschen Herzen. Das Tempelhofer Feld kann mit der symbolischen Kraft dieser Magistrale nicht konkurrieren, es hat keine Wahrzeichen wie die Siegessäule oder das Brandenburger Tor. Ein Tag wie dieser kommt aber ohne Wahrzeichen nicht aus. Weil es die Bilder sind, die von ihm bleiben.

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