Fashion Week

Modemesse Bread & Butter geht auf Weltreise

Im Winter Barcelona, im Sommer Berlin, im Herbst Seoul. Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller will die Modemesse neu ausrichten und präsentierte nun sein Konzept. Die Schau soll durch die Welt ziehen.

Foto: Amin Akhtar

„Breaking News“ auf der Eröffnung der Bread & Butter am Dienstagabend. So nannte Chef Karl-Heinz Müller seine Neuigkeiten, die er gegen halb zehn, kurz vor dem organisierten Public Viewing des deutschen WM-Spiels auf dem Tempelhofer Feld, verkündete. Seine Messe - wird international. „Ich habe gute Nachrichten mitgebracht", sagte Karl-Heinz Müller - und bestätigte damit Gerüchte, die bereits Tage zuvor von spanischen Medien geschürt worden waren.

Die Bread & Butter wird nach Barcelona gehen. Vom 8. bis 10. Januar 2015 wird sie in Spanien stattfinden - im Juli 2015 nach Berlin zurückkehren, um im September einen weiteren außerdeutschen Zwischenstopp einzulegen. In Seoul. In einem siebenminütigen Film präsentierte Müller "die neue Agenda", wie er sie nannte.

Bereits bei der letzten Fashion Werk in Berlin gab es Gerüchte um einen Umzug. Die Rede war neben Barcelona und Seoul auch von Sao Paulo und Istanbul. Zwischen 2005 und 2007 fanden die Winter-Editionen in Barcelona, die Sommer-Schauen in Berlin statt. 2008 wechselte die Schau dann komplett nach Spanien. 2009 kehrte die Bread & Butter furios nach Berlin zurück und startete in eine neue Ära auf dem Flughafen Tempelhof.

Müller hat einen Vertrag für zehn Jahre bis 2019 mit Verlängerungsoption unterschrieben, den er kurzfristig mit Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) persönlich ausgehandelt hatte. Die Miethöhe für die 61.000 Quadratmeter, die Müller zwei Monate im Jahr blockt, ist geheim. Spekuliert wurde über 1,6 Millionen Euro pro Jahr.

Das Internet verändert die Regeln des Modehandels

Nach Zeiten des rasanten Wachstums, prall gefüllter Hangars und bis zu 100.000 Fach-Besuchern, Ausstellern, Bloggern und Journalisten haben Umwälzungen im Modemarkt auch die Bread&Butter getroffen. Im vergangenen Jahr musste Müller schon Ausstellungsflächen frei lassen. Der Handel über das Internet stellt das Modell der klassischen Trade Show in Frage. Große Marken wie Adidas sind nicht mehr vertreten, weil sie statt auf Messen für Fachhändler ihre Marke lieber in großen Flagship-Stores in den Innenstädten und Einkaufszentren verkaufen.

Müller wollte auf die Entwicklung reagieren und schlug vergangenes Jahr vor, die Bread & Butter, die wegen hipper Partys und Events einen Kultstatus genießt, auch für das normale Publikum zu öffnen. Mit Zugang zum Endkunden wollte Müller seine Messe zu einer Handelsplattform ausbauen, die auch online funktionieren würde. Aber seine Kunden, die Aussteller verweigerten die Gefolgschaft. Sie sehen keinen Sinn darin, eine Messe, bei der nicht direkt verkauft, sondern nur die neue Ware präsentiert wird, für ihre eigenen Kunden zu öffnen. Müller muss also weiter nach neuen Ideen suchen. Darunter war auch der Plan, einen Ableger in Südkorea und eventuell Istanbul aufzuziehen.

Die Tempelhof-Projekt GmbH, die den Flughafen im Auftrag des Landes verwaltet, hat noch keine Informationen über einen möglichen Wechsel der Winter Bread & Butter nach Barcelona. Die Verträge gelten in jedem Fall weiter, müssten von Müller aufgelöst werden.

Der Regierende Bürgermeister hatte sich stets als Freund von Müller gegeben, war auf seinen Partys und protegierte den Messe-Macher. Jetzt scheint Eiszeit einzukehren. Wowereit sagte seinen Messe-Rundgang am Morgen ab. Womöglich wollte Wowereit nicht noch Honneurs geben, ehe am Abend Müller den Teil-Wegzug verkündet. Offiziell kommentieren wollte ein Senatssprecher den Vorgang nicht. Zu Müllers Plänen werde der Senat Stellung nehmen, wenn sie denn am Abend öffentlich werden.

Bread & Butter liegt im Streit mit der Messe Berlin

Mit Berlin lag Müller, obwohl er sich stets als Fan der Stadt darstellt, schon länger über Kreuz. Vor allem missfiel ihm, dass die zu 99 Prozent landeseigene Messe GmbH offensiv bei ihm Aussteller für eine eigene Veranstaltung abgeworben hatte. Der Konflikt schaffte es bis vor die Gerichte. Die Opposition reagierte bereits alarmiert. Für den Modestandort Berlin sei diese Entwicklung nicht gut, sagte die Fraktionschefin der Grünen, Ramona Pop: „Das gibt Anlass zu Befürchtungen, dass die Modestadt Berlin vielleicht doch nur ein Strohfeuer war.“

Die Bread & Butter ist tatsächlich neben den eher als Präsentationsfläche dienenden Modenschauen der Premium der wichtigstes Marktplatz in Berlin, hier wurde und wird Bestell-Umsatz erzielt. Pop sieht eine neue Diskussion über die Nutzung des Terminalgebäudes in Tempelhof voraus. Denn ein Abschied auf Raten der Modemesse könne niemand wollen.

Wowereit war schon 2009 kritisiert worden, die dauerhafte Vermietung zweimal pro Jahr an Bread & Butter verhindere andere Nutzungskonzepte für Hangars und Gebäude.

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