Zum 30. Mal veranstaltet Karl-Heinz Müller die Bread & Butter auf der Fashion Week. Mit ihm sprach Alexandra Kilian.

Berliner Morgenpost: Herr Müller, reden wir mal nicht über Mode. Ein Vorschlag?

Karl-Heinz Müller: Wir könnten über Lebensmittel reden. Eigentlich bin ich ja Feinkosthändler.

Ach. Schließen Sie sich mit Roland Mary zusammen? Der plant doch auch ein solches Geschäft.

Roland Mary ist ja auch Saarländer, wie ich. Er ist im Nachbarort aufgewachsen – damals haben wir uns noch nicht gekannt. Aber nun sind wir seit vielen Jahren eng befreundet und teilen unsere Leidenschaften. Ein Geschäft können wir dennoch nicht zusammen machen, ich habe leider noch keine Zeit dafür, obwohl Feinkost auch meine Leidenschaft ist. Sonnabendfrüh stehe ich auf und gehe zum Obst- und Gemüseladen, zu Butter Lindner, zum Bäcker – und dann gehe ich nach Hause und mache Frühstück für die Familie.

Wie viel Zeit bleibt dafür, bei der ganzen Fashion Week-Vorbereitung?

Auf ein besonderes Catering-Konzept habe ich bei der Bread & Butter immer Wert gelegt. Insofern kann ich meine Leidenschaft noch ein wenig ausleben. Aber es gibt natürlich vieles mehr zu tun. Wie zum Beispiel den Einkauf für unsere 14 oz.-Läden.

Und den für die Bread & Butter selbst. Was ist dieses Jahr neu?

Es wird die 30. Veranstaltung sein und wie immer ein Festival werden. Dafür sind wir schließlich auch bekannt. Die coolsten Bands, die besten Partys. Aber: Bislang war die Bread & Butter ausschließlich für den Fachbesucher zugänglich. Ab Sommer 2014 werden wir uns, wie schon im letzten Juni mit der „Bread & Butter Connect“ vorbereitet, mit den Konsumenten, mit den Marken und mit der Presse „connecten“, also verbinden. Damit sind wir die erste Modemesse, die sich für den Konsumenten öffnen wird. Berlin wird Kopf stehen. Wir rechnen mit 100.000 zusätzlichen Besuchern aus dem Konsumentenbereich. Alle lieben Berlin, sie ist im Bereich Lifestyle die heißeste Stadt in Europa, vielleicht sogar in der Welt. Die nächste Bread & Butter wird vom 8.-12. Juli 2014 stattfinden. An den letzten beiden Tagen, also am 11. und 12. Juli 2014 ist die Bread & Butter dann auch für den Konsumenten geöffnet. Ich denke, da haben viele drauf gewartet.

Warum jetzt schon die Ankündigung und erst im Sommer die Umsetzung?

Na, da ist eine ziemliche Vorbereitung notwendig. Es ist natürlich entscheidend, dass sich die Marken und Designer darauf einstellen können.

Und wie packt man den Consumer?

Mit der „Campagne Connect“ vom letzten Juli haben wir schon präventiv gearbeitet. Damit haben wir bereits aufgezeigt, dass wir alle Marktteilnehmer miteinander in Kontakt bringen wollen, also die Marke, den Händler, den Konsumenten und schließlich die Presse. Nahezu alle verfügen mittlerweile über Websites, E-Mail oder über Social Media, wie Facebook, Instagram et cetera. So werden alle erfahren, was während der Bread & Butter passiert, auch der Konsument. Und wie gesagt, der Berlin-Bonus wird ebenfalls eine große Rolle spielen.

Dann scheint sich die Bread & Butter ja doch in Berlin zu zementieren. Was ist dran an Gerüchten um einen Wegzug?

Berlin ist und bleibt die Stadt der Bread & Butter. Berlin und Bread & Butter gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Das Geschäft mit der Modewirtschaft in Berlin ist eng mit der Bread & Butter verbunden. Als wir seinerzeit mangels geeigneter Location für einige Jahre nach Barcelona gegangen sind, hat man doch sehr deutlich gesehen, was die Berliner Fashion Week ohne Bread & Butter bedeutet. Übrig blieb noch ein regionaler, unbedeutender Fashion Event. Mit unserer Location, dem stillgelegten Flughafen Tempelhof sind wir unschlagbar. Da kann kein Messegelände auf der ganzen Welt mithalten. Unsere neueste Kampagne bringt es zum Ausdruck: „Ich bin ein Berliner“, heißt sie. Keine Stadt ist so herrlich entspannt, so liberal und so urban, aber dennoch trendweisend. Selbstverständlich könnten wir auch sonstwo hingehen, vielleicht sogar auf den Mond.

Oder doch Istanbul?
Naja, ich weiß natürlich von den Gerüchten, da ist aber nichts dran. Wir gehen nicht nach Istanbul. Trotzdem, Europa ist gemessen an der Weltbevölkerung natürlich klein und überschaubar. Die Bread & Butter hat natürlich das Potenzial, zu expandieren und zu exportieren. Wir sind die einzige richtige Marke im Bereich Modemessen in der Welt. Wir können uns schon vorstellen, neue Märkte zu erschließen. Dafür eruieren wir gerade das Thema Korea. Seoul ist ein wichtiger Hub in Asien – fashionbegeistert, technikversiert und: Koreaner mögen alle.



Klingt nach konkreten Korea-Plänen.

Ja, wir sind dabei. Aber auch in anderen Ländern schauen wir momentan. Südamerika zum Beispiel, wenn sich da die Zölle lockern, kann ich mir das vorstellen.

Sind Sie während der Fashion Week eigentlich bei irgendeiner der anderen Veranstaltungen?

Nein. Dazu habe ich keine Zeit. Ich war früher schon mal bei einer Schau, aber ich habe ja auch meine Kunden und Gäste, denen ich mich widmen will. Ich sehe die Entwicklung in Berlin, die Inflation von Modemessen sehr skeptisch. Als wir 2003 nach Berlin gegangen sind, mussten wir uns sehr hart durchsetzen. Das textile Establishment aus Düsseldorf und Köln, aber auch die Fachpresse hat unseren damaligen Schritt mit Hohn und Spott begleitet. Man hat keinen Pfennig auf Berlin gesetzt. Alle haben irgendwelche Statistiken und Analysen präsentiert, die beweisen sollten, dass Berlin nicht funktionieren kann. Wir haben uns nicht darum geschert. Wir haben immer an die Kraft von Berlin geglaubt, an die Stadt, an die Menschen hier und nicht zuletzt an Klaus Wowereit. Jetzt kommen sie alle, aus dem Rheinland, aus München, aus Frankfurt. Klar, dass mir das nicht gefällt. Ich mag das Establishment nicht, ich mag keine besserwisserischen Spießer, keine Bedenkenträger. Und ich mag es nicht, wenn sich Leute an die Leistung von anderen hängen. Die Bread & Butter und die Premium haben aus Berlin eine Modehauptstadt gemacht. Gut war auch, dass Mercedes gekommen ist. Der Rest sind Trittbrettfahrer, die sich ins gemachte Nest setzen. Sie machen Berlin beliebig.

Sprechen Sie mit den Trittbrettfahrern?

Kein guter Koch würde sein Rezept verraten. Ich kenne auch die meisten nicht. Aber es gibt geschätzte Kollegen, mit denen ich umgehe. Mein Freund Michael Michalsky hat sehr viel für Berlin getan. Bei ihm bin ich regelmäßig zu Gast. Auch er hat von Anfang an an Berlin geglaubt. Wie auch Anita Tillmann von der Premium. Aber trotzdem hat sie ihren und ich meinen Laden.

Läden, meinen Sie wohl. Gibt es inzwischen eigentlich eine Karl-Heinz-Müller-Karte von Berlin?

Nein. Haben wir nicht.

Auf Facebook sind Sie auch nicht, trotz der ganzen „Connect“-Geschichte...

Stimmt, dort bin ich nicht. Bread & Butter ist aber sehr gut vernetzt. Ich möchte privat Ruhe haben. Freunde haben meine Mobilnummer.

Mit ihnen teilen Sie dann sicher auch andere Leidenschaften wie die Feinkost?

Ja. Und ich bin seit frühester Jugend ein begeisterter Fan von Lego. Vor Weihnachten habe ich gerade einen Riesenkran gebaut, zehn Stunden lang, über Nacht. Bei Lego bin ich sogar schon VIP-Kunde. Und irgendwann möchte ich auch mal ein Haus für meine Familie bauen. Ich habe sogar schon damit angefangen. Aber nur als Modell, maßstabsgetreu – und natürlich aus Lego.

Idee für einen Messestand aus Lego?

Ja, warum nicht? Ich hätte nichts gegen Lego auf der Bread & Butter.