Berlin-Zehlendorf

Häftling flieht aus dem offenen Vollzug der JVA Düppel

| Lesedauer: 2 Minuten

Wieder ist ein verurteilter Straftäter aus einem Berliner Gefängnis geflohen. Ein 38-Jähriger sprang über einen Zaun der JVA Düppel in Berlin-Zehlendorf. Nach ihm wird gefahndet.

Exakt 111 Tage vor seiner regulären Haftentlassung hat ein 38 Jahre alter Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Düppel offenbar beschlossen, den Entlassungstermin eigenmächtig vorzuziehen.

Am Mittwochmorgen kletterte der wegen Drogendelikten einsitzende Abdelhak-Ben A. über den Zaun der Haftanstalt in Zehlendorf und verschwand.

Ausbrüche von Häftlingen sind für die Verantwortlichen der Justiz stets peinliche und zugleich auch ernste Vorfälle. In der für den Strafvollzug zuständigen Senatsjustizverwaltung löste dieser Fall hingegen vor allem Verwunderung aus, weniger über die Gründe als vielmehr über die Art der Flucht. „Es ist uns völlig unverständlich, warum der Mann über den Zaun geklettert ist, er hätte auch einfach durch das Tor gehen können“, erklärte Justizsprecherin Claudia Engfeld am Nachmittag die Besonderheiten der Flucht.

Drei Jahre Freiheitsstrafe verbüßt der 38-Jährige derzeit. Seit einem halben Jahr befindet er sich im offenen Vollzug, tagsüber darf er die JVA verlassen, um seiner Arbeit nachzugehen.

„Bislang hat das reibungslos geklappt, es gab keinerlei Probleme“, sagte die Justizsprecherin. Der Häftling habe sich jeden Morgen auf den Weg zur Arbeit gemacht und sei abends pünktlich wieder zurückgekehrt. Dass er am Mittwoch den beschwerlichen Weg über den Zaun statt den einfachen durch das Tor wählte, betrachtet die Sprecherin als Kurzschlusshandlung. Eine andere Erklärung, so Claudia Engfeld, habe sie derzeit nicht.

Polizei fahndet nach dem Flüchtigen

Der offene Vollzug ist bei Häftlingen die letzte Station vor der Entlassung. Vollzugslockerungen sind Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Vorbereitung auf die Freiheit. Ausbrüche aus Anstalten des offenen Vollzugs sind die absolute Ausnahme.

Häftlinge, die in den Genuss von Freigängen und Hafturlaub kommen, setzen gewöhnlich alles daran, diese Privilegien nicht zu gefährden. Denn die Konsequenzen sind bei den Insassen bekannt und gefürchtet: Bei schwerwiegenden Verstößen, zu denen auch eine Flucht gehört, geht es zurück in den geschlossenen Vollzug der JVA Tegel.

Ein ranghoher Polizeiführer sagte der Morgenpost: „Es ist schon sehr bemerkenswert, dass so jemand in den offenen Vollzug gehen darf.“ Die Polizei sucht ihn mit einer stadtweiten Fahndungsaktion.

Erst vor einem Monat waren zwei Häftlinge spektakulär aus dem Gefängnis Moabit ausgebrochen. Einer der Ausbrecher, ein mutmaßlicher Mörder, wurde noch nicht gefasst. Der andere, ein 25 Jahre alter Betrüger, wurde in einem Berliner Hotel festgenommen.

( hhn )