Dienstwagen

Klaus Wowereits Audi A8 ist der größte Abgassünder

Der gepanzerte Audi A8 L 4.0 TFSI quattro Security schluckt offiziell fast elf Liter Superbenzin auf 100 Kilometer und bläst 257 Gramm CO2 in die Luft. So viel wie kein anderes Auto im Senatsfuhrpark.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin taugt bisher nur begrenzt als Vorbild. Auf dem Weg zu einer elektro-mobilen Stadt sind die Behörden bislang nur wenig vorangekommen. Lediglich 26 Elektrofahrzeuge tun derzeit Dienst in den Fuhrparks von Verwaltungen, Parlament, Feuerwehr und Polizei. Das entspricht 0,61 Prozent der gesamten Flotte von 4235 Kraftfahrzeugen, die unter dem Management der Senatsinnenverwaltung unterwegs sind.

Über weitere Fahrzeuge in Bezirken und nachgeordneten Einrichtungen konnte Innenstaatssekretär Bernd Krömer auf Anfrage der Grünen-Abgeordneten Silke Gebel keine Angaben machen.

Zehn der 16 Elektrofahrzeuge hat die Polizei im Einsatz, bei deren 2535 Wagen sind das 0,39 Prozent. Auch Hybridfahrzeuge findet man nur selten im öffentlichen Einsatz auf Berlins Straßen. 24 nutzt die Polizei, fünf rollen als personengebundene Dienstwagen im Fuhrpark des Landes. Insgesamt nutzen Berlins Behörden 32 Autos, die sowohl elektrisch als auch konventionell angetrieben werden können. 49 Behördenfahrzeuge sind gasbetrieben.

Der Senat möchte es nicht bei dieser mangelhaften Präsenz elektrisch betriebener Fahrzeuge in seinen Fuhrparks belassen. Im Rahmen des bundesweiten Vorhabens „Internationales Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg“ widmet sich ein Projekt dem Ziel, den Fuhrpark umzustellen. Innensenator Frank Henkel (CDU) hat den Auftrag erhalten, den Anteil von Elektrofahrzeugen im behördlichen Einsatz auf bis zu zehn Prozent hochzuschrauben. Das würde bedeuten, dass in den nächsten Jahren mehr als 400 E-Autos in Dienst gestellt werden müssten. Einen zehn-prozentigen Anteil an den öffentlichen Fuhrparks hat auch die Nationale Plattform Elektromobilität, ein Zusammenschluss von Politik, Autokonzernen und Mobilitätsanbietern als Ziel für die Fahrzeugflotten von Bund und Ländern vorgegeben.

Grenzwert überschritten

Der Plan der Koalitionsparteien SPD und CDU, den Fuhrpark umweltfreundlich zu machen, ist an den Dienstwagen der Berliner Spitzenpolitiker bislang nur begrenzt abzulesen, obwohl Dreckschleudern und Benzinfresser ausgemustert wurden. Das geht relativ leicht, weil die Limousinen meist nur für ein Jahr geleast werden. Dennoch verfehlen viele Politiker-Autos den Grenzwert von 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, den die EU ab 2015 den Herstellern als durchschnittlichen Grenzwert für den Ausstoß des Klimagases in ihren Fahrzeugen vorschreibt.

Weit vorne rollt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Dessen gepanzerter Audi A8 L 4.0 TFSI quattro Security schluckt offiziell fast elf Liter Superbenzin auf 100 Kilometer und bläst 257 Gramm CO2 in die Luft. Der Innensenator, der ebenfalls besonders geschützt unterwegs ist, kommt mit seinem BMW 730Ld auf 148 Gramm CO2 und einen Verbrauch von 5,6 Litern Diesel. Auch Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD) übersteigt mit seinem Audi A6 3.0 TDI quattro die 150-Gramm-Marke.

Es gibt auch bessere Beispiele

Das gilt auch für den BMW530d, in dem sich Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) chauffieren lässt. Die meisten Dienstwagen der Senatoren, Staatssekretäre und Fraktionschefs emittieren zwischen 123 und 132 Gramm CO2. Ausreißer nach unten sind die Daimler E 300 Blue Tec Hybrid, die der Fraktionschef der Linken, Udo Wolf und Innenstaatssekretär Andreas Statzkowski nutzen. Noch ökologischer verhalten sich aber die jeweils doppelt besetzten Fraktionsführungen von Grünen und Piraten – die verzichten auf ein Dienstwagen.

Die Zeiten, in denen das Land Berlin seinen Politikern und Beamten Dienstfahrräder bereit stellte, sind zumindest im Verantwortungsbereich des Senats vorbei. Laut Staatssekretär Krömer gibt es das nur noch bei der Polizei, die 455 Dienstfahrräder im Einsatz hat. Drei davon sind Elektro-Räder. 20 weitere Fahrräder werden derzeit beschafft.