Olympische Spiele

Wowereit - Berlin wird sich um Olympia bewerben

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit will eine Bewerbung der Hauptstadt für die Ausrichtung der Olympischen Spiele abgeben. Bedingung: Politik und Stadt müssten an einem Strang ziehen.

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Ist Berlin reif für Olympia? Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagt Ja. „Wir haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass Berlin Olympische Spiele kann und dazu bereit ist“, sagte er am Freitag der Berliner Morgenpost. Nun will er für die Stadt den Hut in den Ring werfen.

„Wir werden die Bewerbung abgeben“, erklärte er in einem Interview mit dem Berliner Rundfunk. Dies sei nur im „Schulterschluss mit dem Sport und der Bundespolitik“ möglich. Die Senatssportverwaltung werde eine Stellungnahme zur Olympia-Bewerbung ausarbeiten, der Senat werde diese Stellungnahme beschließen, erläuterte der amtierende Senatssprecher Bernhard Schodrowski das weitere Vorgehen. Nach Morgenpost-Informationen soll das noch vor der Sommerpause geschehen.

Wowereit wies auf die Schwierigkeiten bei Bewerbungen hin, wie es die Diskussion über die Vergabepraxis im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) derzeit zeige. „Es kostet viel Geld, und wir brauchen natürlich auch eine Akzeptanz in der Bevölkerung. Alles muss zusammenpassen“, betonte der 60-Jährige und fügte hinzu: „Wir werden in einer Stadt wie Berlin nie erreichen, dass alle jubeln, wenn man sagt, man macht Olympische Spiele.“ Allerdings sei Berlin auch sportbegeistert. Das hätten vor allem die Ausrichtung der Fußball-WM 2006 und der Leichtathletik-WM 2009 gezeigt.

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Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) reagierte man gelassen auf die Ankündigung aus Berlin. „Wir haben den möglichen Kandidaten Berlin und Hamburg Fragenkataloge zugeschickt. Wir haben gebeten, diese bis zum 31. August auszufüllen. Parallel sondieren wir die internationale Lage“, sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue. Offen ist noch, für welches Jahr Deutschland sich bewerben will. Für die Spiele 2024 müsste bereits im Herbst dieses Jahres entschieden werden, welcher Vorschlag der Mitgliederversammlung des DOSB am 6. Dezember zur Entscheidung vorgelegt wird. Die endgültige Bewerbung müsste dann im Herbst 2015 beim IOC eingereicht werden. Sollte man sich darauf verständigen, erst für 2028 mit einer deutschen Bewerbung ins Rennen zu gehen, hätte man mehr Zeit.

Die Stadt muss darlegen, wie Berlin von Olympia profitieren kann

Mit dem Fragenkatalog will der Sportbund die Rahmenbedingungen in den beiden Städten ausloten. Der Katalog besteht aus 13 Fragen. Der DOSB will zum Beispiel wissen, warum sich die Stadt bewerben will und wie ein olympisches Programm mit etwa 35 Wettkampf- und 30 Trainingsstätten nachhaltig in die Entwicklung der Stadt passen würde. Diesen Fragenkatalog werde der Senat fristgerecht beantworten, hieß es gestern aus Senatskreisen. Sportsenator Frank Henkel (CDU) äußerte sich am Freitag nur sehr knapp zu Wowereits Vorstoß: „Die große Sympathie des Sportsenators für Olympia in Berlin ist hinlänglich bekannt. Daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht. Alles Weitere wird im Senat entschieden.“

Henkel hatte allerdings auch bereits klargestellt, dass es „eine Entscheidung pro Olympia gegen die Bevölkerung nicht geben wird“. Die Frage, ob und vor allem wie die Akzeptanz der Stadtgesellschaft hergestellt werden kann, beschäftigt derzeit viele Politiker und Akteure. Die Fraktionschefs von CDU und Grünen, Florian Graf und Ramona Pop, fordern, einen Diskurs über Olympische Spiele zum Modellfall einer neuen Bürgerbeteiligung zu machen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh sprach sich für eine Bürgerbefragung aus, die allerdings derzeit in der Verfassung nicht vorgesehen ist.

BUND mahnt Konzept an

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) diskutiert schon länger, unter welchen Umständen man eine Bewerbung mittragen würde. Olympische Spiele in Berlin machten nach Ansicht von BUND-Landesgeschäftsführers Tilmann Heuser nur Sinn, wenn sie ökologisch, sozial und wirtschaftlich vertretbar, also nachhaltig sind. Die endgültige Entscheidung müsse den Berlinern überlassen bleiben. Ein Volksentscheid sei aber erst möglich, wenn ein Konzept vorliegt. Das sei bis Ende August, wenn der DOSB-Fragenkatalog beantwortet sein muss, nicht zu schaffen. Dennoch müsse grundsätzlich beantwortet werden, welche Neubauten oder temporären Erweiterungen von Sportstätten, Verkehrsanbindungen und Unterbringungsmöglichkeiten nötig wären. Heuser hält die Umweltauswirkungen für überschaubar, da die Sport- und Trainingsstätten sowie die Infrastruktur im Nahverkehr „grundsätzlich vorhanden“ seien.