Kinderschutz

Immer mehr Berliner Eltern bekommen Hilfe bei Kindererziehung

21.400 Hilfen wurden im vergangenen Jahr in Berlin genehmigt - ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zu 2012. Besonders viele Fälle werden in Marzahn-Hellersdorf registriert.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Die Zahl der Eltern, die Hilfe bei der Kindererziehung bekommen, ist in Berlin deutlich angestiegen. Unterstützt werden die Eltern zum Beispiel mit Psychotherapien, Familienhelfern oder der Unterbringung von Heranwachsenden in Heimen und betreuten Wohngruppen.

Im vergangenen Jahr wurden diese Hilfen rund 21.400 Mal genehmigt. Das ist ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zu 2012, wie die Senatsverwaltung für Jugend am Wochenende mitteilte. Die Hilfezahlen sind damit seit 2005 um ein Drittel gestiegen.

Ein Grund sei eine gesteigerte Sensibilität nach Fällen wie dem toten Kevin aus Bremen, sagte Sprecher Ilja Koschembar. Die Leiche des Jungen war 2006 im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters gefunden worden. „Es gibt einen verschärften Blick für den Kinderschutz“, erklärte auch Winfried Flemming vom Referat für Erziehungshilfen. Erzieher, Jugendämter und Ärzte hätten heute etwa Checkbögen, um Misshandlungen schneller zu bemerken.

Alleinerziehende überfordert

Mehr Sensibilität beobachtet auch Michael Piekara vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) in Berlin. Das Werk kümmert sich um Heime, Wohngruppen oder schickt Sozialarbeiter. „Ich denke, die Belastungssituation vieler Familien ist wahrscheinlich größer geworden“, sagte Piekara.

Heute arbeiteten öfter beide Elternteile, manche Alleinerziehenden seien überfordert. Behörden reagierten schneller auf Krisensituationen, etwa bei Misshandlungen.

Betroffene suchten auch selbst eher Unterstützung. Überforderte Eltern haben einen Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung, die sie beim Jugendamt beantragen können. Bezahlt werden sie von den Bezirken, geleistet werden sie von Trägern wie dem EJF. Die Zusammenarbeit klappe gut, sagte Piekara. Bei Jugendämtern gebe es aber öfter Personalengpässe. Die Mitarbeiter bearbeiteten dann eher schwierige Fälle.

Die Berliner Bezirke zahlten an die Träger im vergangenen Jahr rund 441 Millionen Euro. Vor allem ambulante Hilfen werden mehr in Anspruch genommen. Dazu zählen Lerntherapien oder Betreuungshelfer. Zwischen den einzelnen Bezirken gibt es dabei Unterschiede. Gemessen an den Einwohnern bekommen Menschen in Marzahn-Hellersdorf die meiste Unterstützung, Familien in Steglitz-Zehlendorf am wenigsten.