Nach dem Tod eines zweieinhalb Jahre alten Jungen muss der Lebensgefährte der Mutter für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Das Berliner Landgericht sprach den 26-jährigen Mann am Montag des Totschlags schuldig. Er habe das Kind durch mehrere Faustschläge derart misshandelt, dass es vier Tage später im Krankenhaus starb, hieß es im Urteil.

Der arbeitslose Mann habe im Badezimmer seiner Wohnung in Berlin-Lichtenberg auf den Jungen eingeschlagen, „um in der Situation Ruhe zu schaffen“. Der Mann hatte einen Fausthieb zugegeben und erklärt, er sei überfordert gewesen.

Mit ihrem Urteil entsprachen die Richter im Wesentlichen dem Antrag der Anklägerin. Die Verteidigerin hatte auf einen Schuldspruch wegen Körperverletzung mit Todesfolge plädiert.

Eine „dramatische Überforderungssituation“ bestand aus Sicht der Richter jedoch nicht. Die Mutter sei nur kurze Zeit unterwegs gewesen. Der Angeklagte habe den Tod des Kindes zwar nicht gewollt, ihn aber billigend in Kauf genommen. Nach dem massiven Übergriff habe er zudem versucht, die Rettungsbemühungen der Mutter zu verhindern. Als die Frau nach Hause kam und sah, dass ihr Kind unter starken Schmerzen litt, habe sie gegen den Willen des Mannes Hilfe alarmieren müssen.

Notoperationen im Krankenhaus

Mirko B., seine damalige Lebensgefährtin Patricia F. und ihr Sohn Daniel lebten zu dritt in seiner Wohnung in Lichtenberg. Am Nachmittag des 3. September 2013 hatte ihm Patricia F. ihr Kind anvertraut, weil sie etwas erledigen musste.

Daniel habe an diesem Tag unter Bauchschmerzen geklagt, so Mirko B. vor Gericht. Er habe gedacht, es handele sich um eine Verstopfung und habe dem Kind Pflaumensaft zu trinken gegeben. Daniel habe wenig später gebrochen, immer noch über Bauchschmerzen geklagt und geweint.

Auch beim Duschen noch und als er dem Kind den Bauch massiert. „Ich war überfordert“, so der Angeklagte. „Ich habe ihm mit der Faust in den Bauch geschlagen. Ich wollte ihn aber auf keinen Fall töten!“ Er habe den Jungen „geliebt wie ein eigenes Kind“.

Als Patricia F. nach Hause kam, lag Daniel im Bett. Sie habe sofort gemerkt, dass mit dem Kind etwas nicht stimmte. „Sie wollte Daniel ins Krankenhaus bringen, aber ich habe gesagt, dass sie übertreibt“, so Mirko B. „Ich habe gesagt, sie solle den Jungen schlafen lassen.“ Als es dem Kind jedoch immer schlechter gegangen sei, habe sich die junge Frau gegen ihn durchgesetzt und die Rettungsstelle angerufen.

Ärzte schöpften sofort Verdacht

Zu diesem Zeitpunkt sei ihm schon klar gewesen, so der Angeklagte, „dass ich an dem schlimmen Zustand des Kindes Schuld sein könnte“. Die Ärzte im Krankenhaus Friedrichshain waren schon bei der ersten Untersuchung des Kindes misstrauisch geworden. Patricia F. soll ihnen als Erklärung für den Zustand des kleinen Daniel gesagt haben, er sei beim Spielen von einem Klettergerüst gestürzt. Das passte nicht zu den Verletzungen. Die Ärzte informierten die Polizei.

Daniel konnte trotz mehrerer Notoperationen nicht mehr gerettet werden. Er erlitt laut Anklagesatz „Hämatome im Gesichts- und Bauchbereich sowie eine Zerreißung des Darms“. Vier Tage nach seiner Einlieferung starb er. Am 11. September wurde Mirko B. festgenommen.

mim/dpa/sei