Sammelunterkunft

50 Flüchtlinge beziehen neues Heim in Berlin-Adlershof

Das Berolina Airport Hotel in Adlershof soll insgesamt 210 Flüchtlingen ein Zuhause bieten. Anwohner heißen die Bewohner willkommen, doch Neonazis machen Stimmung gegen das Heim.

Foto: Christian Ditsch / Christian-Ditsch.de

Ein sechsgeschossiger Bau am Adlergestell, Ecke Radickestraße, nahe dem S-Bahnhof Adlershof. Tosender Autolärm von der sechsspurigen Straße. Männer, die mit Sack und Pack die Stufen am Eingang emporsteigen, Frauen, die Kinder im Arm nach oben tragen.

Das Berolina Airport Hotel mit der gelb leuchtenden Fassade ist seit Mittwoch ein Heim für Flüchtlinge. Mehr als 50 sind eingezogen. 210 Plätze sind im Gebäude eingerichtet worden – bis zum Ende der Woche ist es voraussichtlich voll belegt.

In Adlershof sorgt das neue Heim für Asylbewerber für Unruhe. Anwohnerinitiativen riefen am Mittwoch um 17 Uhr zu einer Kundgebung in der Nähe des S-Bahnhofs Adlershof, um die Fremden willkommen zu heißen. Neonazis hatten für die gleiche Zeit eine Demonstration angemeldet, die gegen die Unterkunft gerichtet war.

„Beide Veranstaltungen laufen ohne Störungen und Ausschreitungen“, teilte ein Polizeisprecher gegen 18 Uhr mit. Etwa 80 Teilnehmer hätten sich bei der Willkommenskundgebung eingefunden, etwa 20 bei der Demonstration gegen das Heim.

Neonazis machten im Internet mobil

Neonazis hatten im Vorfeld auch im Internet mobil gemacht, unter dem Slogan „Nein zum Heim“. Ein Polizeiwagen war schon seit dem Morgen in der Nähe des Hotels postiert. In der Unterkunft werden Familien wohnen, die aus den vier Erstaufnahmeeinrichtungen in Berlin kommen. „Es gibt zwei in Spandau, eine in Charlottenburg-Wilmersdorf und eine in Lichtenberg“, sagte Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso).

„Aus diesen Heimen werden die Bewohner zusammengezogen, die schon mehr als drei Monate dort wohnen, damit Platz ist für Neuankömmlinge.“ Weil viele Details geklärt werden mussten, habe man den Einzugstermin in Adlershof vom 2. auf den 4. Juni verschoben.

Zimmer mit Dusche und Toilette

In der Hotellobby sitzen am Mittwochnachmittag die Neuankömmlinge neben Kinderwagen, Koffern und vielen blauen Müllsäcken, in denen sie ihre Habseligkeiten verstaut haben. Die Menschen stammen aus Syrien, Afghanistan, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Vietnam. Redselig sind sie nicht – nur froh, angekommen zu sein. Er stamme aus Nigeria, sagt einer der Flüchtlinge. Zimmer mit Dusche und Toilette stehen für die Asylbewerber bereit – soviel Luxus ist für viele ungewohnt. Sie werden sich in der neuen Unterkunft auch das Essen selbst zubereiten können und nicht mehr auf eine Gemeinschaftsverpflegung angewiesen sein.

In der Lobby haben sich auch einige Adlershofer eingefunden. Der Bezirksverordnete Hans Erxleben (Linke) hat Kuchen mitgebracht. Karl-Heinz Gromoll, 89 Jahre alt, der in unmittelbarer Nähe wohnt, kümmert sich um die Neuankömmlinge. Auch Yves Müller, Mitarbeiter vom Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick, ist gekommen.

In Adlershof gebe es einen Nährboden für rechtsgerichtete Strömungen, sagt der 31 Jahre alte Historiker. Dennoch wolle man eine Willkommenskultur gegenüber den Asylbewerbern durchsetzen. Anwohner, Kirchengemeinden, Bürgervereine und weitere Institutionen haben einen Runden Tisch gebildet, der regelmäßig tagt, und Vorschläge entwickelt, wie sie den Flüchtlingen helfen wollen. Ein regelmäßiger Deutschkurs soll organisiert werden. Beabsichtigt sei, den Neuankömmlingen gespendete Fahrräder zur Verfügung zu stellen, und im Sommer ein Willkommensfest zu veranstalten.

Hotel soll bis 2019 die Flüchtlinge beherbergen

Die Flüchtlingsfamilien reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Adlershof, haben dafür ein Ticket und eine Wegbeschreibung bekommen. Die Sammelunterkunft in Adlershof werde vom Internationalen Bund e.V. betrieben, sagte Lageso-Sprecherin Silvia Kostner. Das einstige Hotel soll bis Ende Mai 2019 Flüchtlinge beherbergen. Um die Sicherheit der Heimbewohner zu gewährleisten, arbeite man eng mit dem zuständigen Polizeiabschnitt zusammen. Ein Sicherheitsdienst sei für das Gelände beauftragt. Vorwürfe der Initiative „Uffmucken Schöneweide“, dass Lageso wolle keine Willkommenskundgebung und habe deshalb den Einzugstermin verschoben, wies Sprecherin Kostner zurück. „Das hatte organisatorische Gründe. Stimmen von Anwohnern, die die Flüchtlinge begrüßen, sind uns immer willkommen.“

Die Verwandlung des Hotels zur Sammelunterkunft ist nicht geräuschlos vor sich gegangen. „Wegen des Brandschutzes musste eine Treppe als zweiter Fluchtweg gebaut werden“, sagt der Bezirksverordnete Hans Erxleben. Lärm entsteht auch dadurch, weil derzeit die Betonfläche im Hof des Hotels aufgehackt wird. Wo bisher Autos parkten, soll ein Spielplatz entstehen. Denn etwa die Hälfte der Bewohner in der Flüchtlingsunterkunft werden Kinder sein.

Trotz des Lärms interessieren sich immer mehr Anwohner für die Flüchtlinge und fragen, wie sie helfen können – das jedenfalls erzählt der 89 Jahre alte Karl-Heinz Gromoll in der Lobby des Hotels. Er gehört dem Runden Tisch an, der sich für die Belange der Flüchtlinge engagiert. Etwa 9000 Flüchtlinge hat Berlin bis Ende April bereits aufgenommen.

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