Kautionsbetrug

So zocken Betrüger Berliner Wohnungssuchende ab

Geld weg, und die Wohnung nur ein geplatztes Versprechen: Viele Berliner werden derzeit mit Traumangeboten von Wohnungen gelockt – und anschließend um ihre Anzahlung geprellt. Die Polizei warnt.

Foto: Bünck & Fehse

Traumwohnungen zu Schnäppchenpreisen – wer in Berlin auf Wohnungssuche ist, stößt vor allem im Internet auf solche Angebote. Doch dem Traum folgt häufig ein böses Erwachen. Denn hinter den vermeintlich verlockenden Angeboten steckt eine Betrugsmasche.

Die Verbraucherzentrale weist schon lange auf diese Machenschaften hin, inzwischen hat auch die Berliner Polizei einen auffällig starken Anstieg solcher Betrugsdelikte registriert. Den betont seriös auftretenden Anbietern gehe es darum, Interessenten zu Vorauszahlungen zu bewegen, die angebotenen Wohnungen stünden nicht zur Vermietung oder würden nicht existieren. Kautionsbetrug heißt das Delikt. Zahlen über die Dimensionen in der Hauptstadt gibt es nicht, denn die diversen Betrugsformen werden nicht separat erfasst.

Der Branchenführer „Immobilienscout24“ filtert nach Angaben eines Sprechers jede Woche 200 Angebote heraus, bei denen ein dringender Betrugsverdacht besteht. Vor allem Berlin werde bei den Tätern immer beliebter. Hauptgrund dafür sind nach Einschätzung der Verbraucherzentrale die rasant steigenden Preise auf dem Wohnungsmarkt. Je verzweifelter jemand eine Wohnung sucht, desto unvorsichtiger werde er häufig. Auch andere große Immobilienportale wie Immowelt und Immonet löschen Monat für Monat Hunderte betrügerische Angebote.

Ein Reihenhaus mit rund 110 Quadratmetern am Schlachtensee für weniger als 600 Euro, ein kleines Appartement in der Nähe des Gendarmenmarktes für 390 Euro – das sind nur zwei Beispiele für Angebote aus den vergangenen Wochen, hinter denen Experten die Betrugsabsicht erkennen.

Hoffnung auf Traumwohnung überwiegt häufig die Skepsis

Denn an den genannten Orten betragen die Mieten üblicherweise das Dreifache. Für das Reihenhaus interessierte sich ein Ehepaar mit zwei Kindern. Auf die Anfrage beim Anbieter meldete sich eine in England registrierte Agentur. Die teilte mit, das Haus gehöre einem Geschäftsmann, der nur selten in Berlin sei, eine Besichtigung sei nicht möglich, man werde den Interessenten per Mail den unterschriebenen Mietvertrag, eine Ausweiskopie des Besitzers und Schlüssel zusenden – nach Zahlung der Mietkaution plus Provision in Höhe von knapp 1200 Euro.

Das Ehepaar reagierte skeptisch, doch die Hoffnung auf ein Schnäppchen überwog. Aber: Das Objekt existierte nicht. Das Geld ist weg, denn auch die Agentur, über die die Anzeige geschaltet wurde, existiert ebenfalls nicht mehr.

Gefälschte Verträge, Ausweiskopien und verschickte Schlüssel gehören dem Landeskriminalamt zufolge zur Tarnung der Betrüger. Immer nennen die Betrüger Gründe, warum eine Besichtigung nicht möglich ist. Und immer wird den Interessenten eindringlich versichert, es müsse alles ganz schnell gehen.

Bei den Betrügern handelt es sich nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes vor allem um Banden aus Südosteuropa, die über Tarnfirmen in Großbritannien oder Irland agieren. Die Spur der Täter zu verfolgen, gestaltet sich als schwierig. „Von den namentlich bekannten Tätern, die bislang in Berlin auffällig wurden, konnte noch keiner gefasst werden“, räumt ein Ermittler ein. Auch die Chance, das bezahlte Geld zurückzuholen ist gleich Null. Polizei und Verbraucherschützer sehen nur eine Möglichkeit, sich zu schützen: Wenn eine Vorauszahlung gefordert wird: Finger weg.