Lehrermangel

Berliner Grüne fordern bessere Ausbildung für Quereinsteiger

3300 Quereinsteiger haben sich als Lehrer an Berlins Schulen beworben. Und die Stadt sucht weitere. Die Grünen wollen diese nun besonders fördern – durch Praktika und weniger Wochenstunden.

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Gegenwärtig finden regionale Einstellungscastings für Quereinsteiger statt. Ingesamt haben sich mehr als 3300 Akademiker für den Berliner Schuldienst beworben. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat Anfang des Jahres fast alle Unterrichtsfächer zu Mangelfächern erklärt, damit Hochschulabsolventen aus unterschiedlichen Studienrichtungen als Lehrer eingestellt werden können. Das ist zwar nur dann möglich, wenn sich nicht genug ausgebildete Pädagogen bewerben. Doch dieser Fall ist wahrscheinlich. In Berlin werden zum neuen Schuljahr mehr als 2000 Lehrer gebraucht.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Stefanie Remlinger, fordert nun eine bessere Berufsvorbereitung für Quereinsteiger. In einem Antrag an das Abgeordnetenhaus ruft sie den Senat auf, ein Konzept zur Neuordnung des berufsbegleitenden Vorbereitungsdienstes in den Lehrerberuf zu erarbeiten. „Quereinsteigern kommt in den Berliner Schulen eine wachsende Bedeutung zu“, begründet Remlinger ihren Antrag. Dem müsse Rechnung getragen werden. „Quereinsteiger brauchen eine größere Unterstützung, besonders in der Berufseinstiegsphase.“

Berlins Grüne wollen Quereinsteiger Praktika absolvieren lassen

Remlinger plädiert dafür, dass alle, die als Quereinsteiger in den Schuldienst einsteigen wollen, ein drei- bis vierwöchiges Vorpraktikum an einer Berliner Schule absolvieren können. Während dieses Praktikums sollten die künftigen Lehrer die Struktur des Berliner Schulsystems kennenlernen. Auch sollten sie pädagogisch-didaktische Grundinformationen bekommen, Einblick in die Rahmenlehrpläne erhalten und lernen, wie mit heterogenen Schülergruppen umzugehen ist.

Die Bildungsexpertin der Grünen fordert überdies, dass Quereinsteiger während des Vorbereitungsdienstes nur 16 Stunden pro Woche unterrichten sollen. Bisher sind es 19 Unterrichtsstunden, an Grundschulen sogar 21 Stunden pro Woche. Quereinsteiger sollten außerdem die Möglichkeit bekommen, bei gestandenen Kollegen zu hospitieren und auch Unterrichtsstunden unter Anleitung geben zu dürfen. Bei Referendaren werde das gemacht, bei Quereinsteigern bisher nicht, kritisiert Remlinger.

Die Zahl von Quereinsteigern an Schulen nimmt stetig zu. 2009/10 sind insgesamt nur 35 Quereinsteiger in den Berliner Schuldienst übernommen worden. In den folgenden beiden Jahren waren es 173 und allein im vergangenen Jahr 156 Quereinsteiger.

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