Radrennen

13.000 Radler rollen beim Velothon durch Berlin

Bei der sechsten Auflage des Garmin Velothon sind Tausende Radsportler durch Berlin gefahren. 300.000 Zuschauer sorgten für eine besondere Stimmung. Ganz reibungslos verlief das Rennen aber nicht.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER / <219,4,191>© JÖRG KRAUTHÖFER

Zuschauer säumen die Absperrungen im Zielbereich. Laut trommeln sie mit flachen Händen gegen die Werbebanner, um die Stimmung anzukurbeln. Als das Veranstaltungsauto, das dem Feld vorausfährt, am Publikum vorbei kommt, drehen die Zuschauer richtig auf: Getragen vom Applaus und Jubelrufen fährt das Peloton über die Ziellinie.

Am Sonntag fand in Berlin bereits zum 6. Mal das Garmin Velothon statt. Mehr als 13.000 Teilnehmer starteten in diesem Jahr bei dem Radrennen – mit unterschiedlichen Ambitionen. Für die einen zählt der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“, andere wollen ihre persönliche Bestzeit knacken.

Die Teilnehmer können zwischen zwei Strecken von entweder 60 Kilometer oder 120 Kilometer wählen. Beide Strecken führen an Berliner Sehenswürdigkeiten wie dem Potsdamer Platz und der East Side Gallery vorbei. Die längere Fahrt führt zusätzlich über die Außenbezirke nach Brandenburg und spricht aufgrund seiner Distanz eher Fortgeschrittene an. Die Ziellinie befindet sich für beide Strecken auf der Straße des 17. Juni mit Blick aufs Brandenburger Tor.

Berlin beim Velothon auf dem Fahrrad genießen

„Ich bin ziemlich platt, aber glücklich“, sagt Maria Strobl. Sie sitzt gemeinsam mit ihrem Mann und einem alkoholfreiem Bier in der Hand auf einer Wiese im Zielbereich. Das Münchner Ehepaar ist bereits zum fünften Mal dabei. Wegen des schlechten Wetters hatten sie in diesem Jahr noch nicht so viel trainiert, machen aber auch eher wegen der Atmosphäre des Rennens mit.

Die beiden hatten sich für die 60 Kilometer lange Strecke entschieden und schwärmen von der Routenführung des Rennens. „Wann kann man schon mal die ganze Stadt auf dem Fahrrad genießen – ohne ein einziges Auto! Das macht einfach wahnsinnig Spaß“, sagt Siggi Strobl. Insgesamt acht Berliner Bezirke, sowie die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming, waren zwischenzeitlich für Autos nur schwer zu passieren.

Viele Autofahrer an den Straßensperrungen nahmen die Situation jedoch gelassen hin. „Wir haben erst von dem Rennen erfahren, als wir an der Absperrung hielten. Dafür haben wir jetzt quasi VIP-Plätze“, sagt Leberecht Lüttschwager. Er steht bereits seit einer Stunde an einer der Straßensperren und liest seitdem gemütlich hinterm Steuer Zeitung. Auf der Strecke selbst waren nur vereinzelt an größeren Knotenpunkten Zuschauergruppen, die das Rennen verfolgten.

Berliner Radrennen zieht ambitionierte Hobbyradler an

Das Rennen lockte vor allem ambitionierte Hobbyradler an den Start. Die beiden Arbeitskollegen Martin Damrath und Rainer Scholze trainieren gemeinsam in Hamburg und sind auch auf der Strecke fast die gesamte Zeit zusammen gefahren. Um wie sie in der B-Gruppe der 120 Kilometer-Starter mithalten zu können, muss man schon ein bisschen in die Pedale treten. Damrath schloss das Rennen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,5 Kilometer pro Stunde. Als Minimum fordert der Veranstalter 25 KIlometer pro Stunde. Scholze kam kurz hinter seinem Kollegen ins Ziel. Aus dem Stand schafft man das nicht. „In einem guten Jahr fahre ich an die 4000 Kilometer“, sagt Scholze. Damrath fährt an Sommertagen im Schnitt 250 bis 300 Kilometer pro Woche.

Direkt an der Ziellinie hat sich eine Gruppe in rot-grün leuchtenden Trikots versammelt. Das Team Wiesenhof Allstars hat in diesem Jahr schon einige Kilometer hinter sich. Insgesamt ging die Gruppe mit 14 Leuten an den Start, bestehend aus Freunden und Verwandten. Nun wartet der eine Teil des Teams auf den Rest, der noch den Schlenker nach Brandenburg mitgemacht hat und daher erst später ins Ziel kommt.

Frau stößt am Steglitzer Kreisel mit Fahrer zusammen

Die beiden Brüder Hans und Norbert Suda sind in diesem Jahr schon zum sechsten Mal mit dabei. „Am Start geht es schon ziemlich hoch her. Da muss man sich ein bisschen raushalten. Überhaupt muss man sich die ganze Strecke wirklich gut konzentrieren, denn bei so vielen Menschen kann immer mal jemand stürzen“, sagt Hans Suda. Zu einem Zwischenfall kam es am Steglitzer Kreisel als gegen 9.30 Uhr eine Frau die abgesperrte Rennstrecke betrat. Die 73-Jährige stieß mit einem Teilnehmer zusammen, wobei beide schwer verletzt ins Krankhaus gebracht werden mussten und dort stationär aufgenommen wurden. In Folge des Unfalls stürzten noch vier weitere Fahrer, die im Krankenhaus ambulant behandelt werden mussten. Neben diesem Vorfall, blieb das Rennen unfallfrei. „Für uns ist das einfach ein schönes Wochenende. Wir Frauen feuern an und genießen die Atmosphäre drum herum“, sagt Ute Suda.

Überhaupt ist die Atmosphäre rund um das Rennen sehr entspannt. Als Zuschauer beneidet man die Fahrer, die an diesem Tag schon einiges geleistet haben und erschöpft, aber glücklich grinsen. Mühelos schieben sie ihre federleichten, formschönen Rennräder durch den Zielbereich. Der blaue Himmel und strahlender Sonnenschein tun ihr Übriges, um für eine fröhliche Stimmung zu sorgen. Weiße Zelte sind aufgebaut. Es gibt Bier und Brezeln. Von Rädern bis zum Nahrungsergänzungsmittel gibt es alles zu kaufen, was das Radfahrerherz begehrt.

An einer Gravur-Station kann sich jeder Teilnehmer seine eigene Medaille abholen. Das Rennen ist je nach Können in unterschiedliche Startwellen gegliedert, sodass immer wieder Teilnehmergruppen ins Ziel kommen. Manche ziehen noch einmal richtig durch, andere wiederum trudeln locker aus oder bilden eine Menschenkette um Geschlossenheit zu symbolisieren.