Berliner S-Bahn

S85 soll wieder Grünau und Waidmannslust verbinden

Die Berliner S-Bahn will die Linie S85 wieder in Betrieb nehmen, die 2009 krisenbedingt eingestellt wurde. Nun müssen noch Senatsverwaltung und VBB zustimmen. Sie haben bereits zwei Mal nein gesagt.

Die Berliner S-Bahn startet einen neuerlichen Versuch, die seit Juli 2009 stillgelegte S85 zu reaktivieren. Ab Juni sollen wieder Züge auf direktem Wege zwischen Waidmannslust und Grünau fahren, bestätigte S-Bahn-Chef Peter Buchner der Berliner Morgenpost. Der genaue Termin für die Inbetriebnahme stehe noch nicht fest, sagte Buchner. Er hänge von der noch ausstehenden Zustimmung des Berliner Senats und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) ab. Im Gespräch ist dem Vernehmen nach der 10. Juni als Tag der Betriebsaufnahme.

Die S85 hat für die S-Bahn hohe Symbolkraft, ist sie doch die letzte Linie, die ihr für das Normalfahrplanangebot noch fehlt. Wie auf vielen anderen Verbindungen hatte die Bahn-Tochter im Juli 2009 den Zugverkehr auf der S85 eingestellt, weil sie wegen technischer Probleme und Wartungsmängel mehr als die Hälfte ihrer Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen musste. Nach einem mehr als 100 Millionen Euro teuren Sanierungsprogramm stehen ihr zwar noch immer nicht alle Triebwagen wieder zur Verfügung. Dennoch würden die Kapazitäten inzwischen auch für den Betrieb der S85 ausreichen. „Die dafür benötigten zwölf Züge stehen in Schöneweide bereit“, sagte Buchner. Voraussetzung für den Einsatz sei aber die Zustimmung durch den Besteller der Leistung, den Berliner Senat.

Die Senatsverkehrsverwaltung und der Verkehrsverbund hatten bereits zweimal – im Juni und im Dezember 2012 – die Wiederinbetriebnahme der S85 verhindert, weil aus ihrer Sicht auf den übrigen Linien noch keine ausreichende Stabilität im Zugverkehr herrscht. „Ich bin aber sehr optimistisch, dass es dieses Mal klappen wird“, sagte Buchner der Morgenpost. Es sei einmalig in Deutschland, dass ein Verkehrsunternehmen eine vom Aufgabenträger bestellte Leistung nicht erbringen dürfe. Der VBB will in der kommenden Woche über die Angebotserweiterung entscheiden.

Inbetriebnahme könnte geringere Strafzahlung bedeuten

Für die S-Bahn hat die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der S85 auch deshalb große Bedeutung, weil sie dafür einen jährlichen Strafabzug in Höhe von rund einer halben Million Euro hinnehmen muss. Bei der Berechnung der sogenannten Pönale durch den Senat schlagen Komplettausfälle stärker zu Buche als einzelne Fahrplan-Lücken und Zug-Verspätungen.

Auch nach einer Reaktivierung der S85 ist das S-Bahn-Angebot noch nicht ganz auf dem Niveau vor der Krise. Einen Einsatz der eigentlich bestellten Sechs-Wagen-Züge auf der Linie S45 soll es erst mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER geben. Derzeit fahren zwischen Südkreuz und Flughafen Schönefeld nur Züge mit vier Wagen. Auch auf den noch ausstehenden Einsatz von Verstärkern auf der Linie S1 (Wannsee-Oranienburg) will die S-Bahn weiter verzichten. Durch die anstehenden Bauarbeiten an den Yorckbrücken gebe es keinen Platz im Fahrplan für Zusatzzüge zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz, so Buchner.