Umzug

„Maison de France“ am Kudamm schließt nach 63 Jahren

Nach 63 Jahren am Kurfürstendamm zieht das französische Kulturzentrum „Maison de France“ nun um. Das Haus soll verkauft werden. Was aus dem "Cinema Paris“ wird, ist noch ungewiss.

Foto: ISABELLE WIRTH / AFP

Das französische Kulturzentrum „Maison de France“ soll seinen Standort am Kurfürstendamm 211 nach mehr als sechs Jahrzehnten aufgeben und geschlossen werden. Am Montag habe der französische Botschafter Maurice Gourdault-Montagne die Mitarbeiter über seine Pläne informiert, das Haus zu verkaufen, sagte Nathalie Lakotta, seit 20 Jahren Mitarbeiterin am Institut Français Berlin und Mitglied im Betriebsrat. Künftiger Sitz der Kultureinrichtung soll das Gebäude der französischen Botschaft am Pariser Platz/Wilhelmstraße sein.

Mit der Verkaufssumme wolle der Botschafter die Büros renovieren und für die Arbeit des Instituts vorbereiten, sagte Nathalie Lakotta. Das bedeute für die Mitarbeiter vor allem weniger Platz, auch die Bibliothek werde es nicht mehr geben. „Was aus dem Kino wird, wissen wir noch nicht“, sagte die Mitarbeiterin. Auch die Zukunft der Brasserie, die erst im Oktober 2012 eröffnet wurde, sei ungewiss.

Mitarbeiter protestierten gegen den Umzug

Die französische Botschaft bestätigte den geplanten Verkauf des 1991 erworbenen Hauses am Kurfürstendamm. Im Zusammenhang mit den Haushaltsanstrengungen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen sei Frankreich veranlasst, einen beträchtlichen Teil seines Immobilienbesitzes im Inland wie im Ausland zu verkaufen, hieß es in der Begründung. Die Verlagerung der Aktivitäten an die Wilhelmstraße werde weder Auswirkungen auf den Personalbestand noch auf den Status des „Institut Français“ haben, einzig der Standort ändere sich.

Die Mitarbeiter des Kulturinstituts protestieren dennoch gegen die Schließung und den Umzug in das Botschaftsgebäude. Seit 1950 sei das „Maison de France“ Symbol der deutsch-französischen Freundschaft und Sinnbild der französischen Kultur in Berlin, erklären sie ihren Standpunkt. „In dem Jahr, in dem wir den 50. Jahrestag des Élysée-Vertrages und das deutsch-französische Jahr feiern, scheint es unangemessen und undenkbar, dieses schöne und geschichtsträchtige Gebäude, welches das kulturelle Leben in Berlin so stark geprägt hat, zu veräußern“, heißt es in ihrem Schreiben. Sie befürchten einen Verlust ihres Publikums und ihrer Identität und auf lange Sicht eine endgültige Schließung.

Im „Maison de France“ werden seit der Gründung 1950 nicht nur Sprachkurse angeboten. Filme, Theatervorstellungen und Lesungen ergänzen das Programm. 1984 wurde im Ostteil der Stadt das Centre Culturel Français Unter den Linden eröffnet. Es war das einzige westliche Kulturzentrum in der DDR. Nach der Wende wurde dieser Standort aufgegeben.