Kommentar

Preiserhöhungen sind das falsche Signal an die Fahrgäste

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die S-Bahn erhöhen die Ticketpreise schon wieder. Wenn die Unternehmen ihre Kunden halten wollen, sollten sie schleunigst die Qualität bei Bus und Bahn verbessern.

Die Energiekosten steigen, egal ob für Benzin, Diesel oder Strom. Nicht nur jeder Haushalt, auch die Verkehrsunternehmen in Deutschland müssen mehr Geld für Energie ausgeben, erst recht nach diesem langen Winter.

Darüber hinaus müssen diese Unternehmen für ihre Bus- und Bahnfahrer, für die Mitarbeiter in der Verwaltung zusätzliche Finanzmittel aufbringen, denn die Menschen wollen mehr Geld verdienen, in vielen Branchen sind schon höhere Gehaltsabschlüsse vereinbart worden.

Die Folge: Die Ausgaben der Verkehrsunternehmen, also auch die der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der S-Bahn, wachsen und wachsen. Um dies auszugleichen, hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg jetzt beschlossen, dass die Fahrpreise steigen. Innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal – und zwar deutlich.

Der öffentliche Personennahverkehr muss attraktiv bleiben

Der Schritt mag aus Sicht von BVG und S-Bahn, selbst aus der Perspektive des Berliner Senats verständlich sein, er ist jedoch das falsche Signal an die Fahrgäste.

Denn die Verkehrsunternehmen wollen doch, dass die Menschen in Berlin und Brandenburg umsteigen, dass sie ihr Auto am Stadtrand stehen lassen und mit der S-Bahn weiter in die Innenstadt fahren. Oder dass sie in Berlin sich gar kein Auto mehr anschaffen, sondern ihre Wege mit Bus oder U-Bahn, im Sommer auch schon mal mit Rad oder zu Fuß zurücklegen.

Doch das Konzept kann nur aufgehen, wenn der öffentliche Personennahverkehr attraktiv ist. Wenn die S-Bahn, die U-Bahn und die Busse pünktlich kommen. Wenn die Züge und Fahrzeuge sauber und sicher sind. Wenn genug Wagen eingesetzt werden, sodass man sich nicht zu Berufszeiten in die U- oder S-Bahn quetschen oder nicht stundenlang auf einen Bus warten muss, bis dann vier Busse nahezu zeitgleich eintreffen.

Mit dem Fahrrad kommt man auch gut durch die Stadt

Das alles ist aber in Berlin noch lange nicht Realität – die S-Bahn steckt immer noch in der Krise und kommt nicht zu den angekündigten Zeiten, Züge fallen gleich ganz aus, erst recht zur kalten Jahreszeit. Die Busse stecken trotz Busspur häufig im Stau, auf den wichtigen Innenstadtstrecken sind die Fahrzeuge oft überfüllt. Über die Sauberkeit in U-Bahnen mag man kaum noch reden.

Deshalb fragt sich jetzt so mancher Berliner, warum er auch diese neue Preisrunde mitmachen soll. Mit dem Fahrrad kommt man auch gut durch die Stadt, zumal der Senat immer mehr Fahrradspuren anlegen will. Oder mit dem Auto.

Sicherlich verbringen diejenigen, die um 8 Uhr oder 8.30 Uhr zur Arbeit müssen, viel Zeit im Berufsverkehr, aber dafür hat man ein Auto für sich, ist zeitlich flexibel. Und das Fahrzeug ist so sauber, wie man persönlich es will. Angesichts der steigenden Fahrpreise braucht sich kein politisch Verantwortlicher mehr zu wundern, dass die Nachfrage nach Carsharing in Berlin boomt.

Wer auf die BVG angewiesen ist, der wird die Preiserhöhung deutlich spüren – selbst dann, wenn er schon eine Jahreskarte nutzt. Und seine Geduld gegenüber den Problemen bei der BVG, erst recht bei der S-Bahn wird weiter abnehmen. Wenn die Verkehrsunternehmen diese, ihre treuen Kunden halten wollen, sollten sie schleunigst die Qualität – von Pünktlichkeit über Service – verbessern.