Langer Winter

Schmutziges Berlin wird erst verspätet sauber

Erst jetzt, bei Plusgeraden kann die Berliner Stadtreinigung die Massen an Streugut entfernen. Es wurden bereits 31.000 Tonnen Dreck aufgekehrt, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

Foto: Arno Burgi / dpa

Der hartnäckige Winter bereitet in diesem Jahr auch der Berliner Stadtreinigung (BSR) viel Arbeit. Nachdem an Ostern immer noch Schnee lag, ist er mittlerweile weitestgehend weggeschmolzen. Nun kommen auch Dreck und vor allem die Massen an Streugut auf den Gehwegen und Straßen zum Vorschein. Fahrradfahrer und Autofahrer sind verärgert. Sie fragen sich, wann die Straßen endlich wieder sauber werden.

Die Berliner Stadtreinigung ist momentan mit 2100 Arbeitern im Einsatz. Erst jetzt, bei Plusgraden, können sie die Straßen vom Schmutz befreien. „Die Temperaturen im Minusbereich der letzten Wochen haben uns im Arbeiten eingeschränkt“, sagte Sabine Thümler, Sprecherin der BSR. „Da die Kehrtechnik der Wagen mit Wasser funktioniert, konnten die Reiniger immer erst ab neun oder zehn Uhr ausrücken – wenn überhaupt.“ Denn bei Frost gefriert das Reinigungswasser.

In der Hoffnung auf den nun einsetzenden Frühling sind die BSR-Mitarbeiter ununterbrochen dabei, die Stadt gründlich zu reinigen. Viele mit Besen. Sie seien unentwegt im Einsatz. „Auch wenn viele das vielleicht noch nicht bemerken: Die Straßen sind schon viel sauberer geworden in der letzten Woche“, so Thümler. Bis Ende April solle Berlin wieder glänzen.

Bereits Ende Februar rückte die Straßenreinigung aus und begann mit der Grundreinigung. Es gab Plusgrade, und man hätte meinen können, der Frühling sei im Anmarsch. „Dann kam aber wieder der Schnee und machte uns einen Strich durch die Rechnung“, sagte Thümler. „Alleine in diesem Jahr – das heißt seit Januar – wurden bereits 31.000 Tonnen von den Straßen gesammelt“, sagte die Sprecherin der BSR. Natürlich beziehe das sämtlichen Dreck mit ein, nicht nur Streugut: Zigaretten, Müll, Sand. „Zum Vergleich: Rund 65.000 Tonnen werden in der Regel jährlich gesammelt“, so die Sprecherin. Knapp über die Hälfte wurde also bereits in nur drei Monaten zusammengekehrt.

Die auffällig große Masse an Streugut würde aber nicht, wie vermutet, an den veränderten Wintergesetzen von vor zwei Jahren liegen. Dauerhafter Frost und der immer wieder auftretende Schneefall sorgten für unentwegtes Streuen auf den Straßen, so die BSR-Sprecherin.

Bis Pfingsten soll alles weg sein

Dieter Blümmel, der Sprecher des Verbands Haus und Grund, hat Nachsicht mit der BSR. „Der Schnee ist ja gerade erst weg, und die Stadt ist groß.“ Üblicherweise hieße es immer: Bis Ostern müsse alles weg sein. „In diesem Jahr muss man aber eine Ausnahme machen, da das Osterfest sehr früh und der Winter lang war.“ Einen Föhn, der einfach alles wegpuste, gebe es ja nicht. „Spätestens zu Pfingsten muss aber alles weg sein“, sagte er.

Auch David Eberhart vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen äußerte sich lobend zur Arbeit der BSR. „Wir haben keinen Grund zur Klage, sondern sogar zum Lob. Sowohl während des Winters als auch jetzt mit der Säuberung der Straßen sind wir sehr zufrieden. Vor allem unter Betracht des zähen Winters ging es in diesem Jahr erstaunlich geräuschloser zu als in den beiden Jahren zuvor.“ Nach dem erneuten Wintereinbruch sorgten die Mitarbeiter der Stadtreinigung dann wieder mit 480 Räum- und Streufahrzeugen für freie Straßen. Allein 18.000 Fußgängerüberwege mussten wochenlang von Schnee und Eis geräumt und gestreut werden. Die Frühschicht wurde vorgezogen und die Spätschicht verlängert. Auf der Stadtautobahn war der Winterdienst teilweise sogar rund um die Uhr im Einsatz.

Die Berliner Stadtreinigung kümmert sich bei ihrer Grundreinigung der Stadt nicht nur um den Dreck auf den Straßen, sondern auch um Hausfassaden und Papierkörbe. „Wir machen bis Ende April einen Rundumschlag: Die BSR kehrt nicht nur die Straßen. Die Mitarbeiter gehen von Hauswand zu Hauswand, putzen die Mülleimer und pflegen die Grünstreifen – alles, was zum Straßenbild dazugehört“, sagte die Sprecherin der Berliner Stadtreinigung.

Die Reinigung der gesamten Stadt wird aber noch einige Zeit dauern.