Gedenkfeier

Konzert im Admiralspalast erinnert an Jonny K.

Im Oktober 2012 wurde Jonny K. am Alexanderplatz totgeschlagen. Seine Schwester organisiert zu Ehren seines Geburtstages ein Benefizkonzert. Auftreten werden unter anderem Seeed und Glasperlenspiel.

Foto: Sergej Glanze

Am Sonntag wäre er 21 Jahre alt geworden. Doch Jonny K. kann seinen Geburtstag nicht mehr feiern. Er wurde erschlagen. Nachts, auf dem Alexanderplatz. Von Männern, die er vermutlich noch nie zuvor gesehen hatte. Eine große Geburtstagsparty wird es trotzdem geben. Am 7. April soll im Admiralspalast in Mitte ein Benefizkonzert stattfinden. In Erinnerung an Jonny K., Schüler, Sohn, Bruder.

Organisiert hat den besonderen Abend seine acht Jahre ältere Schwester Tina. Gemeinsam mit dem von ihr gegründeten Verein „I am Jonny“ lädt sie unter dem Motto „Stimmen für unseren Bruder“ ein, „ein Zeichen zu setzen“, wie sie sagt. Ein Zeichen gegen Gewalt, für mehr Toleranz und für ein friedliches Miteinander. Sie sagt: „Es ist Zeit aufzustehen.“

Die Veranstalter wollen „ein besseres Berlin“

Jonnys Stimme soll nicht verstummen. Deshalb sollen nun andere ihre eigene für den jungen Spandauer erheben. „Es soll eine Geburtstagsparty werden mit allem, was dazu gehört: guter Laune, Luftballons, einer Torte, Kerzen die ausgepustet werden“, heißt es auf der Vereinsseite. Die Macher um Tina K. wollen „ein besseres Berlin“ – „mit mehr Menschlichkeit, Toleranz, friedlichem Miteinander, Zivilcourage, Respekt, Verständnis, Gemeinsamkeit, Anerkennung und Solidarität“.

Tina K. hatte sich mit der Idee, eine Geburtstagsparty zu organisieren, schon vor einiger Zeit an die Verantwortlichen des Admiralspalastes gewendet. Man habe ihr gern mit Raum und Netzwerk geholfen, heißt es in der dortigen Pressestelle. Auftreten sollen am Sonntag unterschiedliche Künstler, angekündigt sind unter anderem die Blue Man Group, Seeed Vocalists, Glasperlenspiel, Elif und B-Tight Playaz. Sie alle treten unentgeltlich auf. Die Hoffnung sei, so Tina K., mit der Musik zu sensibilisieren und emotionalisieren. Es soll außerdem eine Tombola und kleine Geschenke für jeden Gast geben. Der Nettoerlös des Abends kommt laut Admiralspalast dem Verein „I am Jonny“ zugute. Mit dem Geld will Tina K. soziale Projekte wie Aufklärungsseminare oder Workshops in Schulen finanzieren.

Hauptverdächtiger noch flüchtig

Jonny K. war am 14. Oktober vergangenen Jahres mit Freunden unterwegs gewesen, als die Clique von mehreren jungen Männern angegriffen wurde. Jonny K. wollte einem Freund, der belästigt wurde, beistehen, sprach die Angreifer an, so heißt es, und wurde daraufhin so brutal verprügelt und getreten, dass er an den Folgen seiner Verletzungen starb. Bisher haben sich erst fünf der sechs Verdächtigen gestellt, zum Teil erst Monate nach der Tat. Der sechste, mutmaßliche Haupttäter versteckt sich noch immer in der Türkei. Der Prozess gegen die anderen soll am 13. Mai beginnen.

Auch mögliche Zeugen der Nacht waren zunächst zögerlich und meldeten sich erst, nachdem ein Belohnung ausgesetzt wurde. Doch die öffentliche Anteilnahme war anschließend groß, wochenlang wurden am Tatort zwischen Rotem Rathaus und Fernsehturm Kerzen, Blumen und Briefe niedergelegt. Der Tod von Jonny K. regte erneut die Diskussionen über die Sicherheit in der Stadt und den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern an – zumindest der Hauptverdächtige soll schon vorher bei der Polizei als gewalttätig aufgefallen sein. Zur Trauerfeier im Oktober kamen knapp 600 Menschen, der Verein Berliner helfen, eine Initiative der Berliner Morgenpost, hatte mit Spenden zur Finanzierung der buddhistischen Zeremonie – Jonnys Mutter stammt aus Thailand – beigetragen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Justizsenator Thomas Heilmann und der Präsident des Abgeordnetenhauses Ralf Wieland sprachen den Angehörigen damals persönlich ihr Beileid aus.

Jonny K. steht für viele Gewaltopfer in Deutschland

Über Berlins Grenzen hinweg kennt man seither Jonny K.’s Gesicht. Letztendlich steht sein Name nun auch als trauriges Beispiel für die vielen anonymen Gewaltopfer in Deutschland. Zu verdanken ist das dem Einsatz seiner Schwester Tina. Seit dem Tod ihres Bruders engagiert sie sich gegen Gewalt und für Zivilcourage, wurde für ihren Einsatz mit dem Bambi ausgezeichnet. Ihr sei wichtig, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, sagt sie. „Sie sollen sich stellen, um Verzeihung bitten und Reue zeigen.“

Die Geburtstagsparty für ihren toten Bruder wünsche sie sich einerseits als Anlass zum Gedenken, andererseits einfach als unvergesslichen Abend. Einen Abend, bei dem die Gäste Spaß haben, und von dem der Gedanke des friedlichen Miteinanders weitergetragen wird.

Benefizkonzert „Stimmen für unseren Bruder“ im Admiralspalast, Friedrichstraße 101 in Mitte. Einlass ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 18 Euro, ermäßigt 15 Euro. Das Konzert dauert etwa drei Stunden. Infos auch auf der Vereinsseite im Internet unter www.iamjonny.de