Fall Jonny K.

Anklage gegen fünften Schläger vom Alexanderplatz vorbereitet

Der Berliner Jonny K. starb einen Tag nach dem brutalen Angriff am Berliner Alexanderplatz. Fünf der sechs Verdächtigen sind gefasst, die Anklage wird vorbereitet. Einer ist noch immer untergetaucht.

Knapp fünf Monate nach der tödlichen Prügelattacke nahe dem Berliner Alexanderplatz soll jetzt ein fünfter Verdächtiger angeklagt werden. „Wir werden zeitnah Anklage erheben“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag.

Der 24-jährige Bilal K. war monatelang auf der Flucht, am Samstagabend kam er in Begleitung seines Anwalts aus der Türkei und stellte sich noch auf dem Flughafen Berlin-Tegel den deutschen Behörden. Ihm wurde ein Haftbefehl verkündet, Bilal K. sitzt nun in Untersuchungshaft. Der Hauptverdächtige, der 18-Jährige Onur U., ist weiter untergetaucht.

Jonny K. war im Oktober 2012 ohne Anlass brutal angegriffen worden. Der 20-Jährige starb einen Tag später an Gehirnblutungen. Die Attacke hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

Vier weitere mutmaßliche Schläger wurden bereits angeklagt – wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Körperverletzung mit Todesfolge. Für eine Mordanklage fehlte laut Staatsanwaltschaft der Tötungsvorsatz. Drei der Vier sind ebenfalls in U-Haft, einer ist gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Verfahren sollen verbunden werden

Die Staatsanwaltschaft will mit der neuen Anklage auch den Antrag stellen, das Verfahren gegen den 24-Jährigen mit dem der vier anderen zu verbinden.

Onur U. hatte sich ebenfalls in die Türkei abgesetzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die treibende Kraft der Attacke war. Nach ihm wird mit deutschem und europäischem Haftbefehl gefahndet.

Nach Angaben der Justizverwaltung von Senator Thomas Heilmann (CDU) geht die türkische Seite davon aus, dass der 18-Jährige türkischer Staatsbürger ist. Damit wird er nicht ausgeliefert. Ein Rechtshilfeersuchen der türkischen Behörden, in Berlin die Ermittlungsunterlagen zu sehen, werde geprüft und sei noch nicht entschieden, sagte Sprecherin Lisa Jani.

Anklage in der Türkei unwahrscheinlich

Unklar ist auch, ob gegen den mutmaßlichen Schläger ein Verfahren in der Türkei eröffnet werden soll. Bei einer dortigen Verurteilung könnte nach Einschätzung von Experten aber eine höhere Strafe drohen als in Deutschland, auch weil dort das Jugendstrafrecht nicht angewendet wird. In Deutschland sieht dieses eine Höchststrafe von zehn Jahren vor.

Indes will der Verein „I am Jonny“, den die Schwester des Opfers ins Leben gerufen hat, am 7. April an Jonny K. erinnern. An dem Tag wäre der junge Mann 21 Jahre alt geworden. Es soll ein Benefizkonzert im Admiralspalast geben.