Alex-Schläger

Festnahme im Fall Jonny K. - Schwester ist erleichtert

Mit Bilal K. hat der fünfte Tatverdächtige gestellt. Die Schwester des zu Tode geprügelten Jonny K. hofft nun, dass auch der noch flüchtige Onur U. in absehbarer Zeit nach Berlin zurückkommt.

Foto: Karlheinz Schindler / picture alliance / ZB

Für Jonny K.s Schwester Tina war die Festnahme des mit Haftbefehl gesuchten Bilal K. eine gute Nachricht. „Ich bin froh, dass der Mann sich endlich gestellt hat nach so langer Zeit und nicht weiter versteckt hält“, sagte Tina K. am Sonntag der Berliner Morgenpost. Am Vorabend war der mutmaßliche Alex-Schläger am Flughafen Tegel verhaftet worden. Nur der als Haupttäter der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K. geltende Onur U. (19) ist noch auf der Flucht. Er hält sich in der Türkei auf. Vier Beschuldigte sind in Untersuchungshaft, der fünfte unter Auflagen bis Prozessbeginn auf freiem Fuß.

Rückblick: Bereits zwei Tage nach der Tat hatten Staatsanwaltschaft und Polizei die ungewöhnlich hohe Belohnung von 15.000 Euro für die Aufklärung des Verbrechens ausgelobt – wegen der „Brutalität des Verbrechens“. Anhand von Videos und Fotos aus einem benachbarten Lokal hatten die Ermittler rasch sechs Verdächtige identifiziert. Am 23. Oktober wurde der erste, Osman A. (19), festgenommen. Nur einen Tag später stellten sich zwei 19 und 21 Jahre Komplizen der Polizei in Begleitung ihrer Rechtsanwälte. Ende November schließlich stellte sich auch ein vierter Tatverdächtiger im Beisein seines Anwalts. Zwei Verdächtige aber setzten sich ins Ausland ab.

Zwischenzeitlich löste die Entscheidung eines Haftrichters, den Vollzug für einen der mutmaßlichen Täter auszusetzen, auf Kritik in der Öffentlichkeit. Von „Kuscheljustiz“ gegen Straftäter war die Rede. Die Staatsanwaltschaft legte umgehend Beschwerde ein – mit Erfolg. Nach der Beschwerdeentscheidung hatte sich der Beschuldigte wieder bei den Ermittlern gestellt. Gegen einen weiteren Verdächtigen, Memet E., liegt ein zwar Haftbefehl vor, er muss aber nicht in Haft. Grund: Er habe lediglich auf den Freund von Jonny K. eingeschlagen.

Verein „I am Jonny“ lädt zum Benefizkonzert

Am Sonnabend stellte sich nun mit Bilal K. der fünfte Tatverdächtige der Justiz. Der tragische Tod des erst 20 Jahre alten Jonny K. hatte nicht nur Berlin, sondern das ganze Land erschüttert. Wochenlang glich der Tatort an der Rathausstraße am Alexanderplatz einem Blumenmeer, mit Kerzen und Bildern des Verstorbenen. Sehr viele junge Menschen pilgerten zu einer Mahnwache an den Tatort. Auf einer bewegenden Trauerfeier nahmen Hunderte Berliner Abschied von Jonny K. Die Schwester des Toten, Tina K., ging während dieser Zeit an die Öffentlichkeit mit dem Ziel, etwas gegen die sinnlose Gewalt zu unternehmen. Sie trat in Talkshows auf, mahnte und erinnerte. An der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf hielt sie einen Vortrag. Für ihr Engagement wurde sie mit dem Medienpreis Bambi ausgezeichnet und von vielen Lesern dieser Zeitung als „Berlinerin des Jahres“ vorgeschlagen. Ihren Plan, einen Verein zu gründen, setzte sie später um.

„I am Jonny“, nennt sie den Verein, mit dem sie sich vor allem an Jugendliche wendet, die genug haben von sinnloser Gewalt. Am 7. April 2013 wäre Jonny 21 Jahre alt geworden. Dann lädt der Verein zu einem Benefizkonzert in den Admiralspalast. Infos: www.iamjonny.de