Berlin-Besuch

Warum Hasselhoff an der Mauer demonstriert

Am Sonntag will David Hasselhoff in Berlin für den Erhalt der East Side Gallery protestieren. Der Besuch sorgt für weltweite Beachtung.

Sascha Disselkamp vom Sage-Club, der die erste große Demonstration an der East Side Gallery organisiert hat, kann es noch immer nicht ganz glauben, wie schnell plötzlich alles geht.

„Wenn mir jemand im Februar erzählt hätte, dass ich im März David Hasselhoff mit einer Limousine vom Flughafen abholen muss“, sagt er, „hätte ich ihn für verrückt erklärt.“ Aber genau das ist am Sonnabend passiert – und am Sonntag werden die beiden einen Spaziergang entlang der East Side Gallery machen.

Hasselhoffs Kampf für ein Mauerstück

Der Sänger hatte sich auf Twitter und in mehreren Interviews für den Erhalt des längsten Mauerstücks eingesetzt – und schließlich einen Berlin-Besuch angekündigt. Er will das Bündnis um Sascha Disselkamp unterstützen – bei seinem Kampf, dieses Mauerstück weiter zu erhalten und nicht für ein Hotel oder einige Wohnungen um mehr als 20 Meter zu durchbrechen.

Schließlich sei die Mauer erst dann wirklich ein Symbol für das Abgeschlossensein, sagen die Organisatoren, wenn sie keine Lücken hat. Außerdem zerstöre man damit auch ein Stück gewachsener Club-Kultur, für die dieser Teil Berlins inzwischen international bekannt ist. Deswegen engagiert sich unter anderem die Club Commission, denn Wohnungsbauten würden an dieser Stelle auch immer ein höheres Bedürfnis nach Ruhe und damit ein Clubsterben nach sich ziehen.

77.000 Unterschriften für Erhalt des Mauerstücks

Der unterstützende Besuch Hasselhoffs kommt damit also zur richtigen Zeit. Obwohl im Berliner Abgeordnetenhaus am 7. März mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen wurde, die Lücke in der East Side Gallery zu schließen, will man weiter über eine „alternative Erschließung der Grundstücke“ beraten – und damit die bestehenden Mauerlücken auch vergrößern.

Am Montag, 18. März, will sich das Forum StadtSpree noch einmal treffen, unter anderem auch mit einigen Bezirkspolitikern, um die Zukunft des Spreeufers mitzugestalten. Bisher haben sie fast 77.000 Unterschriften für ihre Petition für den Erhalt des Mauerstücks zusammengetragen.

„Nicht der richtige Rahmen“ für Hasselhoff-Auftritt

Doch entgegen der Hoffnung vieler Fans wird der berühmte US-Schauspieler („Knight Rider“, „Baywatch“) am Sonntag nicht vor der Mauer singen. „Wir haben uns überlegt“, sagt Sascha Disselkamp, „dass es nicht der richtige Rahmen dafür wäre.“ Er hätte sich vorstellen können, dass BossHoss oder Seeed hätten singen können, aber bei David Hasselhoff liege die Erinnerung an seinen Auftritt zum Mauerfall 1989 zu nahe.

„Wir haben ihn aber nach Berlin eingeladen, weil er sich so interessiert an der Geschichte der Stadt gezeigt hat.“ Hasselhoff habe vor und nach dem Mauerfall häufiger die Stadt besucht und sei erschüttert gewesen, wie viel von den Spuren der Teilung abgerissen wurde.

Club-Commission will „ein Stück Lebenskultur an der Spree erhalten“

Lutz Leichsenring von der Club-Commission sieht das ganz genauso, hofft aber zudem, dass mit Aktionen wie dieser auch ein Umdenken bei den Berliner Politikern einhergeht. „Uns geht es auch darum, dass hier an der Spree ein Stück Lebenskultur erhalten wird, die es sonst nirgendwo mehr in Berlin gibt.“ Er spricht Areale wie die Eisfabrik an oder das Haus, in dem jetzt der Club Kater Holzig untergebracht ist. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nehme diese Angelegenheit noch nicht ernst genug.

Dass dieses Thema bekannt gemacht wird, dabei habe David Hasselhoffs Ankündigung für den Besuch schon jetzt geholfen. Europaweit berichten Medien plötzlich über ein Berliner Lokal-Thema, und selbst die US-amerikanischen Medien schreiben jetzt von den Plänen, die East Side Gallery zu durchlöchern. Wenn diese Geschichte solche Wellen schlägt, so die Überlegung einiger Aktivisten, dann ist es vielleicht auch nicht nur die Aufgabe des Bezirks, sich dieses Problems anzunehmen.

Sascha Disselkamp jedenfalls betont, dass er nicht generell gegen Veränderung einer Stadt sei. „Ich habe in den über 30 Jahren, die ich in Berlin lebe, soviel Veränderung gesehen, dass mir der Satz ‚Das soll so bleiben‘ kaum mehr einfällt“, sagt er. Seine Kinder seien jetzt Anfang 20 und viel eher in dem Alter, diese Orte am Spreeufer für sich zu entdecken. „Ich sehe hier fast schon einen Generationenkonflikt, wenn jetzt ältere Menschen hierherkommen und sagen, das könne weg.“