Polizei-Großeinsatz

Salafisten-Demo in Berlin dauerte nur eine Minute

Die befürchteten Zusammenstöße von islamischen Salafisten und rechtsgerichteten Demonstranten sind am Sonntag in Berlin ausgeblieben.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Ein Großaufgebot von Polizisten hat eine geplante Veranstaltung von Salafisten in Berlin-Kreuzberg abgesichert. Die radikalen Islamisten hatten an der Markgrafenstraße Räume anmieten wollen, um eine Sitzung unter dem Motto „Pro Syrien“ abhalten zu wollen. Diese waren ihnen letztlich aber verwehrt worden.

Wenig später verlegten die Salafisten ihre Veranstaltung nach Neukölln. Bis zum Abend blieb es friedlich, 200 Aktivisten waren angereist. Ob die angemeldete Demo in Kreuzberg lediglich eine Finte war, um die Polizei zu narren, muss nun geklärt werden.

Die Situation war als brisant eingestuft worden, weil Angehörige von „Pro Deutschland“ an beinah der gleichen Stelle demonstrieren wollten. Eine ebenfalls von der NPD angekündigten Versammlung unweit der beiden Gruppen wurde kurz vor Beginn abgesagt. Die Salafisten hatten ihre Aktion mit mindestens 1000 Personen angekündigt, die Polizei war von 500 Teilnehmern ausgegangen und selbst mit 550 Einsatzkräften am Ort.

Gitter trennten die Kontrahenten. Bereitschaftspolizisten durchsuchten eintreffende Salafisten mit Metalldetektoren. Veranstaltungen von und mit Salafisten werden von der Polizei als riskant eingestuft, weil viele der Teilnehmer als unberechenbar gelten.

Das wurde bei einer Demonstration der Salafisten im Mai 2012 in Bonn deutlich. Dort gingen Salafisten-Anhänger hemmungslos mit Messern auf Gegendemonstranten und Polizisten los.

An der Markgrafenstraße verkündete einer der Rädelsführer um 11.05 Uhr den Beginn der Veranstaltung, um sie eine Minute später für beendet zu erklären. Unweit des Jüdischen Museums skandierten die weniger als zehn Pro-Deutschland-Aktivisten Parolen.

Kurze Zeit später löste sich die Gruppe der Salafisten auf. Wenig später wurde klar, dass die Veranstalter andere Räume in einem Versammlungsgebäude an der Ziegrastraße in Neukölln unweit des Hotels „Estrel“ angemietet hatten.

Nach und nach machten sich die Islamisten auf den Weg zur Sonnenallee, die meisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auch die Bereitschaftspolizei verlegte ihre Einheiten zu dem Ort in Neukölln. Dort trafen Fahrzeuge aus Berlin, Dortmund und Hamburg ein. Rädelsführer fotografierten Reporter und Polizeibeamte, bis auf kleinere Wortgefechte blieb die Lage ruhig.