Mögliche Krawalle

Polizei mit Großaufgebot bei zwei Demos in Berlin-Kreuzberg

Fanatische Islamisten und Rechtsextremisten wollen am Sonntag in Berlin demonstrieren. Es könnte zu Krawallen kommen.

Foto: dpa

Bis zu 1000 fanatische Islamisten auf der einen, eine noch unbekannte Anzahl von Rechtsextremisten auf der anderen Seite – zu dieser brisanten Konstellation könnte es an diesem Sonntag in Berlin-Kreuzberg kommen.

Sowohl die als radikalislamisch eingestufte Bewegung der Salafisten, als auch die NPD und die für provozierende Auftritte berüchtigte Splitterpartei Pro Deutschland haben Demonstrationen angemeldet. Die Berliner Polizei ist alarmiert, nicht zuletzt wegen der gewalttätigen Ausschreitungen, zu denen es im vergangenen Jahr bei einem Aufeinandertreffen der beiden Gruppen in Bonn gekommen ist. Ähnliche Exzesse will die Berliner Polizei nach Angaben eines Sprechers mit einem Großaufgebot "entschlossen verhindern".

Die Demonstrationen sollen gegen 10 Uhr beginnen. Vor einem Veranstaltungszentrum an der Markgrafenstraße wollen sich die Salafisten versammeln und in Sichtweite davon, an der Ecke Markgrafenstraße / Besselstraße die Anhänger von NPD und Pro Deutschland. Dazwischen werden die Einsatzkräfte der Polizei Stellung beziehen. Geplant sind angesichts der Brisanz der beiden Veranstaltungen zudem strenge Zugangskontrollen in einem weiten Bereich rund um die Kundgebungsorte.

Zutritt zu Räumen verweigert

Ursprünglich wollte sich die radikalislamische Gruppierung in dem Veranstaltungszentrum an der Markgrafenstraße treffen. Geplant waren Auftritte bekannter Salafisten, unter anderem des deutschen Konvertiten Piere Vogel, der sich in der Szene einen Namen als Hetzprediger gemacht hat. Zudem sollte für den "islamischen Kampf" in Syrien gesammelt werden.

Doch der Betreiber des Veranstaltungszentrums, in dem überwiegend türkische Hochzeiten und Familienfeiern stattfinden, verweigerte den Radikalen den Zutritt zu seinen Räumen. Daher verlegten sie ihre geplanten Aktionen auf die Straße vor dem Zentrum.

Salafisten-Veranstaltungen werden bei den Sicherheitsbehörden als risikobehaftet angesehen, weil viele Teilnehmer als unberechenbar gelten. Das wurde in erschreckendem Maße bei der Salafistenkundgebung in Bonn im Mai 2012 deutlich. Dort gingen einige völlig enthemmte Anhänger mit Messern nicht nur auf Gegendemonstranten, sondern auch auf Polizisten los.

Sorgen bereitet Staats- und Verfassungsschützern derzeit der rasante Anstieg von Anhängern der radikal-islamischen Strömung in der Hauptstadt. Im Jahr 2012 registrierte der Verfassungsschutz in Berlin 400 Salafisten, von denen 200 als gewaltbereit eingestuft werden. Gegenüber dem Vorjahr hat sich deren Zahl damit verdoppelt. Der Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda verwies darauf, dass auch Berlin "weiterhin im Zielspektrum des islamischen Terrorismus" liege.

Die Sympathisanten von Pro Deutschland wiederum haben schon wiederholt durch gezielte Provokationen für Aufsehen gesorgt. Im Sommer 2012 veranstaltete die Splitterpartei in Berlin eine "nationale Stadtrundfahrt". Dabei steuerte man mehrere Moscheen an, vor denen demonstrativ die umstrittenen Mohammed-Karikaturen gezeigt wurden.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.