Lärmschutz

Die „Insel der Jugend“ will auch ohne laute Musik überleben

Wegen Lärmschutz-Auflagen gibt es auf der Insel der Jugend in Treptow Familienfeste statt Open-Air-Festivals. Der Klub trotzdem überleben.

Foto: Iris Jungels

Kaum noch Lärm, keine laute Musik mehr, die Bewohner aus der Umgebung stören könnte – der Klub Insel Berlin auf der Insel der Jugend in Alt-Treptow hat sein Programm in den vergangenen Monaten grundlegend geändert. Notgedrungen, denn Anwohner der Halbinsel Stralau, die zu Friedrichshain-Kreuzberg gehört, hatten sich beim Bezirksamt Treptow-Köpenick beschwert.

Auch Mitarbeiter des benachbarten Mädchenwohnheims auf der Insel, nahe dem Treptower Park, wandten sich an die Behörde. Ein von ihr in der Nähe des Klubs aufgestelltes Messgerät registrierte Lärmwerte oberhalb der Richtwerte, was zu Auflagen für den Klub führte. Seither gibt es keine Open-Air-Musikfestivals mehr. Sie waren jahrelang das Markenzeichen der Jugendeinrichtung. Dennoch will der Klub bleiben, irgendwie überleben, so ist der Plan von Klubchef André Szatkowski.

Was André Szatkowski Kopfzerbrechen bereitet, hat den Bewohnern auf Alt-Stralau in diesem Sommer große Erleichterung beschert. Sie konnten an Wochenenden wieder auf dem Balkon oder auf der Terrasse sitzen und den Blick auf die Spree genießen, ohne dass die Musik von der Insel her über das Wasser schallte. Die Lärmschutzauflagen „haben sich in dieser Saison sehr positiv ausgewirkt“, sagte Rüdiger Lange.

Konzerte, die in der „Insel Berlin“ stattfanden, habe man noch gehört, wenn die Fenster des Klubs geöffnet waren. „Diese Saison war deutlich besser als der Sommer des Jahres 2011.“ Das ist auch ein Ergebnis des Mediationsverfahrens, an dem sich Einwohner der Halbinsel Stralau, die Bezirksämter Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg beteiligen, außerdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Polizei und die Wasserschutzpolizei.

Grenzen der Zumutbarkeit

Der Stralauer Anwohner Rüdiger Lange sagt, er habe das Mediationsverfahrens finanziert und bezahle mehrere Tausend Euro dafür. In der kommenden Woche wird es im Rahmen dieses Verfahrens eine Diskussion darüber geben, inwieweit Feste und Veranstaltungen im Umfeld von Stralau Tradition haben, etwa aus der Zeit der Berliner Gewerbeausstellung Ende des 19. Jahrhunderts. „Ich bin dankbar, dass sich der Bezirk auf dieses Thema einlässt“, sagte Lange. In einer Mediationsvereinbarung sollen gemeinsame Ziele der Anwohner und Behörden bezüglich des Lärmschutzes festgeschrieben werden, „was man als Grenzen der Zumutbarkeit ansehen kann“, sagte Lange.

Er hofft, dass auch eine Höchstzahl an Tagen mit hoher Lärmbelastung festgelegt werden kann. „Damit es nicht so eine Explosion gibt wie 2011, als im Sommer an 30 Tagen Feste und Konzerte stattfinden konnten.“ Es habe fast an jedem Sommerwochenende eine Veranstaltung gegeben. Für viele Bewohner der Halbinsel bedeutete das, dass sie ihre Terrassen und Balkons nicht nutzen konnten, weil die Musik zu laut war. Doch auch in Zukunft wird es Konzerte, Partys und Feste im Treptower Park und seinem Umfeld geben. „Das macht Berlin aus“, sagte Treptow-Köpenick Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD).

In der „Insel Berlin“ hat man unterdessen neue Schwerpunkte gesetzt. Zu Halloween waren „Kürbisschnitzen“ und ein Kostümpreis angesagt, am Martinstag lud der Klub zum Laternenbasteln und Laternenfest ein. An den Adventssonntagen wird es Lagerfeuer geben, mit Kinderpunsch und Glühwein. „Das neue Winterangebot für Familien, Natur- und Party-Freunde soll helfen, den Wegfall der Festival-Einnahmen im Sommer auszugleichen“, sagte Klubchef Szatkowski, „ und das Haus auch in der kalten Jahreszeit mit einem attraktiven Programm zu füllen.“ Der Club gibt Winterrabatte für Vereine oder Firmen, die die Räume für einen Workshop, eine Party oder die Weihnachtsfeier mieten möchten.

Kulturhaus für viele Aktivitäten

Die Musikfans können sich auf Indoor-Veranstaltungen freuen, etwa der Konzertreihe „Königin der Nacht“, das Funky-Adventskonzert“ und die „Mermaids-Silvesterparty“. Doch dabei soll es nicht bleiben. Klubchef Szatkowski hofft, „dass bis zur Sommersaison 2013 alle Streitigkeiten mit dem Bezirksamt Treptow-Köpenick beigelegt werden können.“ Ziel sei es, dem Publikum wieder Musik- und Kulturfestivals im Sommergarten anzubieten. „Der Klub kann auch in Zukunft Open-Air-Veranstaltungen anbieten“, sagte Baustadtrat Hölmer.

„Es gibt kein Problem, wenn er sich an die Grenzen hält, die für den Schallschutz vorgegeben sind.“ Das bedeutet, dass keine Verstärker eingesetzt werden dürften. Es habe eine Reihe von Gesprächen des Umweltamtes mit dem Klub gegeben. Die großen Freiluft-Konzerte wie in früheren Jahren könnten nur noch genehmigt werden, wenn es bauliche Veränderungen gebe, also der Klub zum Beispiel eine Schallschutzwand errichten würde. „Aber das ist städtebaulich nicht sinnvoll.“ Mit dieser Situation, so Hölmer, werde man wohl „vorerst leben müssen“.

Seit fast drei Jahren betreibt André Szatkowski mit seinem Verein Kulturalarm den Club Insel Berlin. Es sei ein generationsübergreifendes Kulturhaus, mit etwa 60.000 Besuchern im Jahr. Der Verein habe in den vergangenen Jahren rund 120.000 Euro in die Instandhaltung und Renovierung des Klub-Gebäudes investiert, sagte Szatkowski.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat in diesem Jahr auch ein Kulturprojekt auf dem einstigen Spreepark-Gelände abgelehnt. Ein Berliner Eventmanager möchte dort eine Sommerbühne für Theater, Kino und Konzerte unter freiem Himmel eröffnen, die von Anfang Juni bis Ende August täglich öffnet. Sie ist für 250 bis 300 Zuschauer geplant. Doch sobald die Gästezahl höher als 200 liegt, sagte Baustadtrat Hölmer, sei ein umfangreiches Genehmigungsverfahren mit entsprechende Planungen notwendig.