Bauprojekte

Warum das Spreeufer Berlins begehrtestes Pflaster ist

Während Investoren die Grundstücke bebauen wollen, kämpfen Strandbars um ihre Existenz. Morgenpost Online gibt einen Überblick.

Foto: Jens Kalaene / picture-alliance/ ZB

Grundstücke am Spreeufer in Friedrichshain und Kreuzberg sind begehrt wie nie zuvor. Investoren suchen eine sichere Kapitalanlage. Sie wollen Hotels, Wohnungen und Büros bauen. Kredite dafür sind günstig zu bekommen. "Betongold" heißt das Zauberwort. 2013 starten mehrere Bauprojekte. Andere werden fertig. Doch auch die Betreiber der Strandbars möchten sich auf den Flächen am Fluss behaupten. Sie sind zu jeder Jahreszeit eine Attraktion für Berliner und Touristen. Egal, was geplant wird: Für alle Vorhaben ist die politische Zustimmung aus dem von Grünen regierten Bezirk erforderlich.

Keine Hochhäuser, ein breiter Uferweg, eine Mischung in der Nutzung und eine verminderte Baudichte – das sind die Ziele, die Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) verfolgt. Fast täglich führt er Gespräche mit Planern und Investoren. Auch in der Bezirksverordneten-Versammlung, im Ausschuss für Stadtentwicklung, werden die Bauvorhaben vorgestellt und hinterfragt. Ein aktueller Überblick.

Auf dem BSR-Gelände an der Holzmarktstraße können die Betreiber des Clubs "Kater Holzig" ihre Pläne realisieren. Sie planen ein Künstlerdorf, ein Restaurant, ein Hotel und einen 5000 Quadratmeter großen öffentlichen Park. Im nördlichen Teil des Areals sollen Studentenwohnungen gebaut werden. Hochhäuser sind nicht geplant. Damit kehren die Macher der Bar 25 wieder auf ihr früheres Gelände zurück.

Andere Strandbars in der Umgebung müssen um ihre Existenz fürchten. Auf dem Gelände des "Magdalena", nahe der Schillingbrücke, ist ein Hotel geplant. Doch weil Investoren zögern oder abspringen, gibt es den Club immer noch, der früher "Maria am Ostbahnhof" und dann ADS hieß. Das Planungsverfahren für das Areal stehe am Anfang, sagt Bürgermeister Schulz. Ein Teil der Fläche werde voraussichtlich neu ausgeschrieben. Vor 2013 passiert nichts.

Das "Yaam" am Stralauer Platz hat aktuelle Existenzängste. Der spanische Investmentfonds, dem das Grundstück gehört, soll einen Käufer gefunden haben. Gespräche im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat es dazu schon gegeben. Jetzt sammelt der Club, der seit acht Jahren am Stralauer Platz zu Hause ist, Unterschriften für seinen Erhalt. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) möchte dem Investor ein Ersatzgrundstück anbieten. "Das wäre die einzige Möglichkeit, um eine Bebauung zu verhindern."

Das gilt auch für den "Oststrand" und die Bar "Strandgut" an der Mühlenstraße. Denn sie liegen an öffentlichen Parks, die in den vergangenen Jahren angelegt wurden. Der Bezirk will den Bebauungsplan für diese Grundstücke so ändern, dass künftig kein Hochhaus gebaut werden darf. Die Eigentümer, Stofanel und eine israelische Investorengruppe, seien dadurch aufgeschreckt, sagt Bürgermeister Schulz. Nun werde ein Grundstückstausch vorbereitet.

Im Umfeld des Postbahnhofs sind Büros und kulturelle Nutzung geplant. Die Post sucht einen Käufer für das Gelände. Doch weil sich sieben Jahre lang wenig getan hat, überarbeitet das Bezirksamt den Bebauungsplan für das Gelände an Mühlenstraße und Straße der Pariser Kommune. Auch die Post sei jetzt aufgeschreckt, sagt Bürgermeister Schulz. Es habe erste Gespräche gegeben. Bislang waren drei Hochhäuser geplant, eines davon mehr als 100 Meter hoch. Jetzt sollen keine Hochhäuser mehr möglich sein und nur eine geringere Bebauung, aber dafür mehr Wohnungen. "Vielleicht erzielen wir auf kooperative Weise ein Einvernehmen", sagt Schulz. "Sonst werden wir diese Ziele im Bebauungsplan durchsetzen."

Nahe der O2 World an der Mühlenstraße wächst das 54 Meter hohe Gebäude für die neue Mercedes-Vertriebszentrale. Ab Frühjahr 2013 sollen dort 1200 Mitarbeiter arbeiten. Das Unternehmen hat jetzt den Antrag für den Stern gestellt, der sich auf dem Dach drehen soll. "Wir werden damit leben müssen", sagt Bürgermeister Schulz. Westlich der Arena wird ein Parkhaus gebaut. Südöstlich der Arena ist ein Campus geplant mit einem Hotel und drei Bürobauten. Sie sollen 2014 fertig sein. 20.000 Quadratmeter sind bereits an die Firma Zalando vermietet. Nördlich von diesem Campus soll eine Shopping Mall gebaut werden. Es sei das städtebauliche Konzept, sagt Bürgermeister Schulz, dass das große Arena-Gebäude nicht allein stehe, sondern von anderen Bauten umgeben werde. Die Bebauung sei etwas zu massiv, so Schulz, "aber diesen Grundgedanken finde ich richtig."

Auf dem Osthafen-Gelände an der Stralauer Allee wächst die Coca-Cola-Zentrale. Das Unternehmen zieht voraussichtlich 2013 von der Friedrichstraße nach Friedrichshain. Sechs Geschosse wird der Neubau haben, den Hochtief derzeit errichtet. Außerdem ist das erste Wohngebäude im Osthafen geplant. Das Grundstück sei an einen Hamburger Investor verkauft, sagt Michael Reimann, zuständig für den Immobilienvertrieb bei der Behala. Knapp 60 Wohnungen seien geplant, das Gebäude werde etwa 24 Meter hoch. Noch gibt es vier freie Baufelder im Osthafen-Gelände. Man führe Gespräche mit Interessenten, so Reimann.

Am gegenüberliegenden Spreeufer in Treptow sollen Hochhäuser gebaut werden. Erst vor wenigen Wochen stellte die Firma Agromex ihre Pläne vor. Auf einem unbebauten Grundstück an der Fanny-Zobelstraße will sie zwei hohe schlanke Wohntürme von 110 und 99 Metern Höhe errichten sowie ein 63 Meter hohes Hotel.

Langfristig will die Firma Zapf ihr Gelände an der Köpenicker Straße aufgeben. Aber erst, wenn sie einen passenden Ersatzstandort gefunden hat. Jetzt wird das Bezirksamt einen Bebauungsplan für das Areal entwickeln. Wohnungsbau soll möglich sein, außerdem Gewerbe nahe der viel befahrenen Köpenicker Straße.

Für die alte Heeresbäckerei an der Köpenicker Straße sucht das Unternehmen Polaris nach Investoren. Die Leichtbauhalle am Ufer soll abgerissen und durch zwei Büro-Neubauten ersetzt werden. Man habe noch keinen Konsens über die Höhe dieser Gebäude erzielt, sagt Bürgermeister Schulz.

Das einstige Dämmisol-Grundstück nahe der Schillingbrücke, das der Behala gehörte, ist an einen Investor aus Baden-Württemberg verkauft. Das Gelände, auf dem der Viktoriaspeicher steht, ist seit 1966 als Industriegebiet festgeschrieben. Nun soll es mit einem neuen Bebauungsplan zum Mischgebiet entwickelt werden, in dem Wohnungen gebaut werden können. Doch das ist vorerst laut EU-Vorgabe nicht möglich, weil in unmittelbarer Nähe, auf der anderen Seite der Köpenicker Straße, ein Galvanik-Unternehmen arbeitet. Es gilt als Seveso-II-Betrieb. Dieses Unternehmen soll umgesiedelt werden. Der Investor des Behala-Grundstücks bereite dies vor, sagt Franz Schulz. "Das ist erfreulich." Denn in der Umgebung des Seveso-II-Betriebs, der Bestandsschutz hat, liegen mehrere Schulen und Kitas und viele Wohnhäuser.

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