Verkehr

Mehr als 300 Ampeln in Berlin sind fußgängerfeindlich

Zu langes Warten, zu kurze Grün-Phasen, gefährliche Kreuzungen: Die Naturschutzorganisation BUND zieht eine Negativ-Bilanz für Berlins Ampeln.

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Lange Wartezeiten und kurze Grünphasen, gefährliche Abbieger und schlechte Abstimmung: Nach der vorläufigen Auswertung Ende August hat der Berliner Landesverband der Naturschutzorganisation BUND jetzt seine endgültige Bilanz zur Fußgängerfreundlichkeit der Berliner Ampeln vorgelegt. Und erneut fällt das Ergebnis negativ aus.

Wie der BUND mitteilte, gingen seit der Zwischenbilanz noch einmal 200 Meldungen von Fußgängern ein, die sich über Ampelschaltungen und Gefahrenpunkte beschwerten. Insgesamt zählte die Organisation fast 500 Meldungen. Sie betrafen 345 Problemstellen im Berliner Straßennetz.

Am häufigsten beschwerten sich Fußgänger über den Antonplatz in Weißensee und die Kreuzung Yorckstraße/Mansteinstraße/Goebenstraße in Schöneberg. Das Ärgernis dort: Durch kurze Grünphasen und die schlecht abgestimmte Schaltung können Fußgänger die Straßen selbst im Sprinttempo nicht in einem Zug überqueren.

Wie schon im August, häuften sich auch in der weiteren Befragung Meldungen zur Kreuzung Frankfurter Allee/Jungstraße in Friedrichshain, wo Fußgänger bis zu zwei Minuten warten müssen, bis die Ampel für sie auf Grün springt. Wer dann nicht schnell genug ist, braucht so schlimmstenfalls sogar vier Minuten, um die Frankfurter Allee zu überqueren. Neu in der Liste der am häufigsten bemängelten Ampelschaltungen ist die Berliner Allee in Weißensee. An einer Tram-Haltestelle müssen die Fußgänger dort den Angaben zufolge drei nicht synchronisierte Ampeln überqueren.

Neue Ampeln im Test

Außer fußgängerfeindlichen Schaltungen werden auch Gefahrenpunkte bemängelt, an denen Autofahrer zweispurig abbiegen dürfen, während die Ampel für Fußgänger und Radfahrer Grün zeigt. „Diese Gefahr ließe sich leicht durch aufgemalte Pfeilen auf der Fahrbahn entschärfen“, sagte BUND-Verkehrsexperte Martin Schlegel. Insgesamt seien 13 solcher Kreuzungen gemeldet worden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung startet, wie berichtet, in Kürze einen Modellversuch mit neuen, innovativen Ampelanlagen für Fußgänger. Am 22. November beginnt das Pilotprojekt mit Blink- und sogenannten Countdown-Ampeln. Am Stuttgarter Platz, an der Französischen Straße und Lietzenburger Straße werden Anlagen erprobt, die zunächst rot blinken, bevor sie endgültig auf rot springen. An der Straße des 17. Juni, der Paulstraße und Holzmarktstraße blinken die Ampeln vor Beginn der Rotphase grün.

Voraussichtlich vom kommenden Jahr an sollen als dritte Variante Countdown-Ampeln getestet werden, die die Sekunden bis zum Umschalten auf Rot herunterzählen. BUND-Experte Schlegel sieht das Pilotprojekt kritisch. „Die Maßnahmen werden die Probleme der Fußgänger kaum lösen, sondern führen eher zu mehr Stress“, sagte er. „Um die Ampelanlagen fußgängerfreundlicher zu machen und die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zu korrigieren, braucht die Verkehrslenkung mehr Mittel für den Umbau von Kreuzungen und die Neuprogrammierung der Ampelschaltungen.“ Vorrang sollte laut Schlegel ein Programm zur Verhinderung des Doppelabbiegens haben.

Die komplette Liste der Problemstellen finden Sie >>> hier <<<.