Stauende

Berliner Avus ist bis Ende November fertig saniert

Abschied von Tempo 60: Die Bauarbeiten an der A115 werden ein Jahr früher als geplant fertig. Den Baufirmen winkt eine Millionen-Prämie.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlins Autofahrer können sich freuen. Trotz des ersten Wintereinbruchs kann die Sanierung der A115 (Avus) bis Ende November 2012 abgeschlossen werden. „Wir werden bis dahin auf jeden Fall fertig sein“, sagte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) Morgenpost Online.

Die Autobahn-Instandsetzung könne damit ein Jahr früher als geplant beendet werden. Einen konkreten Freigabe-Termin wollte Müller noch nicht nennen, weil dazu noch Abstimmungen mit dem Bundesverkehrsministerium laufen, wie er sagte. „Das wird aber definitiv ein Termin bis Ende November sein“, so Müller.

Zuvor waren Befürchtungen laut geworden, dass aufgrund der schon jetzt kalten Temperaturen insbesondere in den Nächten die Arbeiten nicht rechtzeitig beendet werden können. Dadurch würden die baubedingten Einschränkungen noch den gesamten Winter über bestehen bleiben.

Die Avus gehört seit Monaten zu den schlimmsten Staustellen Berlins

Das hätte für Zehntausende Autofahrer zusätzlichen Stress bedeutet – die Avus gehört schon seit Monaten zu den schlimmsten Staustellen in der Stadt. Verschärft hatte sich die Situation seit dem Sommer, als an zwei Bauabschnitten gleichzeitig gearbeitet wurde. Besonders stadteinwärts staute sich der Autoverkehr beinahe täglich oft viele Kilometer lang, weil seit dem 24. Juni 2012 zwischen den Anschlussstellen Spanische Allee und Hüttenweg in dieser Fahrtrichtung nur eine Fahrspur zur Verfügung steht.

Die Arbeiten zur Grunderneuerung des neun Kilometer langen Teilstücks der A115 waren im April 2011 begonnen worden. Die umfassende Sanierung der 1921 erbauten und damit ältesten Autobahn Deutschlands ließ sich nicht mehr länger verschieben. Die Avus war so marode, dass Autos dort schon lange nicht mehr schneller als 80 Stundenkilometer fahren durften. Im Bereich der Brücke über den Hüttenweg galt sogar ein Tempolimit von 60 Kilometern pro Stunde, weil sich das Bauwerk langsam absenkte.

90.000 Autofahrer nutzen die Autobahn täglich

Die Brücke aus den 60er-Jahren musste abgerissen und komplett neu gebaut werden. Bei drei weiteren Brücken an der Strecke (Havelchaussee, Fischerhüttenweg, Am Jagen) war dagegen eine Betonsanierung möglich. Für die 90.000 Pkw- und 4500 Lkw-Fahrer, die die fast schnurgerade Strecke durch den Grunewald täglich als schnelle Verbindung in die Stadt nutzen, sollen nun noch in diesem Monat bessere Zeiten anbrechen.

Ursprünglich sollte die in vier Abschnitte unterteilte Sanierung der A115 zwischen Autobahn-Dreieck Funkturm und der Anschlussstelle Spanische Allee bis November 2013 dauern. Das dies nun deutlich schneller geht, liegt auch an dem recht milden Winter im vergangenen Jahr. Dadurch gab es kaum Stillstand auf den Baustellen.

Laut Müller habe auch die Senatsverkehrsverwaltung ihren Beitrag dazu geleistet, weil sie eine „gute Planung und Projektkoordination“ geleistet hat. Die zeitgleiche Arbeit an zwei Autobahn-Abschnitten in den vergangenen Monaten war Teil eines Beschleunigungsprogramms der Baufirmen, um das Projekt früher als geplant zu beenden.

Ausgelobte Millionen-Prämie zahlt sich aus

Zudem hatten die Baufirmen einen kräftigen Anreiz zum schnellen Arbeiten erhalten. Bis zu fünf Prozent der Baukosten von 20 Millionen Euro hatte der Bund als Finanzier des Projekts als Prämie ausgelobt, wenn die Avus-Sanierung mehr als zwei Monate früher als geplant abgeschlossen wird.

Eine Million Euro zusätzlich wird die Arbeitsgemeinschaft um die Unternehmen Oevermann und Landwehrbau deshalb für ihre Arbeit erhalten. Wären die Arbeiten später als geplant fertiggestellt worden, wäre eine Strafzahlung fällig gewesen.

Land prüft Prämien auch bei weiteren Großprojekten

Diese Bonus-Malus-Regelung für Großprojekte wird in Berlin zum ersten Mal praktiziert. Nach den positiven Erfahrungen bei der Avus-Sanierung will das Land in Zukunft auch bei vergleichbaren Projekten dafür sorgen, dass die ausführenden Firmen finanzielle Anreize für die pünktliche Fertigstellung bekommen, hatte bereits Lutz Adam, Abteilungsleiter für Tiefbau in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, angekündigt.

In Absprache mit dem Bund soll zum Beispiel auch für den Ausbau des nördlichen Autobahnrings eine Prämie ausgelobt werden. Dort wird die A10 im Norden Berlins bis 2014 von derzeit zwei auf drei Spuren pro Richtung erweitert. Bei Gesamtkosten von 60 bis 65 Millionen Euro könnte der Bonus für die Baufirmen dann sogar bei mehr als drei Millionen Euro liegen.

Auch nach Abschluss der aktuellen Bauarbeiten ist die Avus jedoch noch nicht komplett saniert. So sind ab 2015 Arbeiten am Kreuz Zehlendorf geplant. Anschließend will die Senatsverkehrsverwaltung den Autobahnabschnitt zwischen der Anschlussstelle Spanische Allee und der Landesgrenze zu Brandenburg in Angriff nehmen. Die von Schlaglöchern gezeichnete A114 (Pankow-Zubringer) wird nach aktueller Planung ab 2016 saniert.