Koordinationsstelle

Berlins Verkehrssenator erklärt Baustellen zur Chefsache

Bislang sprechen die Bezirke Bauvorhaben kaum miteinander ab. Deshalb kommt es immer wieder zum Verkehrschaos. Das soll sich ändern.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Rund 100.000 Baustellen, das hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ermittelt, sorgen in diesem Jahr für zahlreiche Staustellen auf den 5700 Kilometer langen Hauptstraßennetz Berlins. Weil die Bauvorhaben in den unterschiedlichen Bezirken bislang kaum miteinander abgesprochen sind, kommt es immer wieder zu erheblichen Verkehrsstörungen.

Verkehrssenator Michael Müller (SPD) will diesen Missstand jetzt beseitigen. „Wir planen die Einrichtung einer zentralen Koordination auf Landesebene“, sagte der Senator Morgenpost Online. Diese solle bei der Verkehrslenkung angesiedelt sein und gemeinsam mit den Bezirken Anträge annehmen und genehmigen. „Bisher sind dafür allein die Bezirke zuständig, die ihrer Aufgabe aber leider nicht ausreichend nachkommen. Deshalb suchen jetzt wir nach Lösungen“, so Müller weiter.

Die Versorgungsunternehmen, egal ob Vattenfall, Gasag, Telekom oder Wasserbetriebe, müssten sich darauf einstellen, dass sie ihre Bauvorhaben künftig viel früher anmelden müssten. „Wir sind gerade dabei, ein entsprechendes Abfragesystem zu entwickeln mit der Zielsetzung einer verbindlichen Rückmeldepflicht. Eine Ausnahme von dieser langfristigen Meldepflicht gibt es nur bei Havarien“, kündigte Müller an. Die Baustellenkoordinierung auf Landesebene werde ein Schwerpunkt seiner Arbeit im Jahr 2013 sein.

Senat will auch bei der BVG genauer hinschauen

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssten künftig damit rechnen, dass die Verwaltung genauer hinschaut. Man werde genau nachfragen, warum etwa die Abdichtungsarbeiten am U-Bahn-Tunnel unter dem Mehringdamm in Kreuzberg längst nicht mehr im kommunizierten Zeitplan liegen und auch die Arbeiten an der Verlängerung der Straßenbahnlinie über die Invalidenstraße bis zum Hauptbahnhof den abgesprochenen Terminrahmen nicht erfüllen.

Rund um den Hauptbahnhof geht es schon seit Langem nur noch im Kriechgang vorwärts. Seit Juni 2011 ist die Invalidenstraße nur noch einspurig befahrbar. Die Arbeiten sollen noch bis Mitte kommenden Jahres andauern. Verschärft hat sich die Situation direkt am Hauptbahnhof, weil die Bahn vor vier Wochen mit den Arbeiten für den neuen unterirdischen S-21-Bahnhof am Hauptbahnhof begonnen hat. Für diese Arbeiten wurde das Friedrich-List-Ufer gesperrt, mehrere Buslinien mussten umgeleitet werden. Die neue Staustelle soll 30 Monate bestehen bleiben.

Senator Müller dämpft die Erwartungen

„Natürlich werden wir trotz allem Bemühen langwierige Staustellen nicht vermeiden können, sonst könnten wir gar nicht mehr bauen in Berlin“, warnte Müller vor übertriebenen Erwartungen. Es werde auch weiterhin Baustellen im Straßennetz geben müssen. Der Ausbau der Infrastruktur und die Sanierung des Straßenlandes seien notwendige Aufgaben.

„Unter den Linden beispielsweise haben wir mit dem Bau der U 5 und dem Bau des Humboldtforums so eine Situation, wo noch auf Jahre hinaus mit Staus gerechnet werden muss. Aber das sind wichtige Projekte für Berlin. Gerade der Bereich Historische Mitte wird übrigens auch intensiv koordiniert, weil dort so viel auf einmal gebaut wird“, so Müller. Hätte man die verschiedenen Bauvorhaben zeitlich versetzt in Angriff genommen, hätte das kaum zu einer stärkeren Entlastung geführt, dafür aber die Historische Mitte noch im kommenden Jahrzehnt zur Baustelle gemacht.

>> Mehr zu dem Thema - Morgenpost Online hat ein Interview mit Verkehrssenator Michael Müller geführt.