Schulabschluss

Das Abitur soll in Berlin wie in Bayern werden

Die Kultusminister haben sich auf bundesweite Abitur-Standards geeinigt. In Berlin gibt es schon seit vier Jahren eine zentrale Prüfung.

Foto: Felix Kaestle / dapd

Die Bundesländer haben sich auf einheitliche Abitur-Standards geeinigt und damit festgelegt, was die Abiturienten in den wichtigsten Fächern können müssen. Die Beschlüsse der Kultusminister bedeuten kein Zentralabitur, aber gleichschwere Abschlussprüfungen in allen Bundesländern. Die Minister verwiesen darauf, ein Einheitsabitur wie etwa in Frankreich werde damit nicht angestrebt.

Von 2014/15 an sollen die Prüfungen in den vier Kernfächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch gleichschwer sein, so der Beschluss der Minister. Vom Schuljahr 2016/17 an soll es dann einen zentralen Aufgabenpool für die Kernfächer geben, aus dem sich die Länder bedienen können – inklusive eines „Beipackzettels“ für die Benotung. Zudem könnten Schüler dadurch leichter von einem Bundesland ins andere wechseln. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) mit Sitz in Berlin wurde beauftragt, einen entsprechenden Aufgabenkatalog zusammenzustellen.

Hohe Standards in Süddeutschland

Was die einheitlichen Leistungsanforderungen für Berlin bedeuten, ist noch nicht klar, zumal nicht abzusehen ist, ob das IQB sich bei den Aufgaben an den hohen Standards orientiert, die in den südlichen Bundesländern gelten oder an den niedrigeren Anforderungen der nördlichen Bundesländer. Petra Stanat, Leiterin des IQB, sagte dazu lediglich: „Die Kultusminister der Länder werden unsere Vorschläge diskutieren und sich dann darüber einigen.“

Die Berliner Bildungsverwaltung begrüßte den Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK). „Die einheitlichen Standards sind eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen KMK-Prüfungsgrundlagen und bedeuten eine Modernisierung der Prüfungsanforderungen“, sagte Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD). „Aufgabenformate werden lebensnäher gestaltet“, so Rackles.

Berlin bietet aber schon jetzt als einziges Bundesland zusammen mit Brandenburg ein länderübergreifendes Zentralabitur an. Seit dem Schuljahr 2009/2010 werden in Berlin und Brandenburg gemeinsame Abituraufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik entwickelt. Im Schuljahr 2012/2013 kommen zentrale Aufgaben in Biologie und Geografie hinzu. Für das Schuljahr 2014/2015 ist das auch für die Fächer Physik, Chemie und Geschichte geplant.

Vergleichbar ohne identisch zu sein

Auch Bildungsforscher Dieter Lenzen bezeichnete die Einführung einheitlicher Abitur-Standards als einen Schritt in die richtige Richtung. Er sagte, dass mit vergleichbar schweren Abiturprüfungen das Problem des ungerechten Zugangs zu Studienplätzen angegangen werden könne. Positiv sei auch, dass mit den neuen Standards die Lehrpläne modernisiert werden müssten. Als Vorsitzender des Aktionsrates Bildung, dem angesehene Bildungsforscher angehören und der von der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft finanziert wird, hat Lenzen sogar weiterführende Forderungen. Der Aktionsrat hat sich für ein gemeinsames Kernabitur aller Bundesländer stark gemacht. Alle Abiturienten bundesweit sollen demnach an einem Tag mit denselben Aufgaben in Deutsch, Mathematik und Englisch geprüft werden.

Ein derartiges Zentralabitur streben die Kultusminister allerdings nicht an. Petra Stanat, Institutsleiterin des IQB, dazu: „Es wäre ein guter Weg, wenn wir es hinbekommen, die Abiturprüfungen vergleichbar zu machen, ohne identische Prüfungsaufgaben für alle einsetzen zu müssen.“

Paul Schuknecht, Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Schulleiter, sagte, dass die Berliner Abiturienten keine Angst vor einheitlichen Prüfungsaufgaben haben müssen. „In Berlin haben wir seit vier Jahren ein Zentralabitur. Die Leistungen der Schüler haben sich damit verbessert.“ Schuknecht betonte allerdings, dass einheitliche Abiturstandards nur ein Baustein für einen gerechteren Zugang zur Universität seien. „Gerechter wäre es, wenn alle Schüler gleiche Ausgangsbedingungen hätten“, sagte er. Das deutsche Schulsystem sei viel zu selektiv.

Mittlerer Schulabschluss nötig?

Gunilla Neukirchen von der Vereinigung der Berliner Schulleiter hält die Weiterentwicklung einheitlicher Prüfungsanforderungen ebenfalls für sinnvoll. Angesichts der unterschiedlichen Schulsysteme in den einzelnen Bundesländern sei aber fraglich, wie die Standards erreicht werden sollen. „In Berlin müssen wir angesichts bundesweiter Abiturstandards erneut darüber diskutieren, ob der Mittlere Schulabschluss am Gymnasium nötig ist“, sagte Neukirchen. Das sei eine zusätzliche Anstrengung, die für die Gymnasiasten in den anderen Bundesländern entfalle. „Das ist ein Wettbewerbsnachteil.“

Elternsprecher Günter Peiritsch sprach sich ebenfalls für einheitliche Abiturstandards aus. „Auf diese Weise wird Qualität festgelegt“, sagte er. An diesen Maßstäben müssten sich dann auch die Berliner Oberschulen messen lassen.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.