ADAC-Studie

Auf der Berliner Stadtautobahn droht der Dauerstau

Die Verkehrsbelastung ist schon jetzt in den Tunneln Britz und Rudow hoch. Nach der BER-Eröffnung könnte es noch schlimmer kommen.

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Der ADAC warnt vor einem drohenden Verkehrskollaps auf Deutschlands Autobahnen. Auf einigen Abschnitten werde es bis zum Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg der Staugefahr wegen Überlastung geben. Das geht aus einer vom ADAC am Donnerstag vorgestellten Studie hervor. Auch Berlin wird von dieser Entwicklung betroffen sein.

Autofahrer auf der chronisch überlasteten Stadtautobahn werden in Zukunft noch mehr als bisher unter Staus leiden, prognostiziert der Verkehrsclub. Das gelte auch für einige Stellen auf dem Autobahnring südlich von Berlin. 2025 fallen der Studie zufolge besonders an den Autobahnkreuzen im Süden Berlins Richtung Leipzig und Dresden viele Abschnitte in die Verkehrskategorien „mangelhaft“ bis „unzureichend“.

Dabei kommt es schon jetzt an mehr als 200 Tagen im Jahr zu Beeinträchtigungen in den Autobahntunneln im Süden der Stadt. Das geht aus der Antwort des Verkehrsstaatssekretärs Christian Gaebler (SPD) auf eine Anfrage der Grünen hervor. Demnach kommt es an 241 Tagen im Britzer Tunnel zu Behinderungen oder Sperrungen. In den Tunneln Rudower Höhe und Alt-Glienicke wurden an 300 Tagen entsprechende Beeinträchtigungen registriert, die dann den Verkehr in den anliegenden Wohnquartieren belasten. „Das Verkehrsaufkommen der Berliner Stadtautobahn kann bei der Sperrung einer oder beider Fahrtrichtungen nicht vollständig durch das umliegende Stadtstraßennetz aufgenommen werden“, erklärt der Verkehrsstaatssekretär.

Nach Eröffnung des neuen Großflughafens BER in Schönefeld befürchten die Grünen eine zusätzliche Belastung auf der südlichen Stadtautobahn. „Nach der Inbetriebnahme des BER wird es durchaus zu noch mehr Verkehr auf dieser Autobahn vom und zum Flughafen kommen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Harald Moritz. „Weiteren erheblichen Zuwachs wird die nun baureife A-100-Verlängerung nach Treptow dem Britzer Tunnel bescheren, weil die Senatsverwaltung darüber die Innenstadt umfahren lassen will.“

Staus mit Gesamtlänge von 450.000 Kilometern

Die Senatsverkehrsverwaltung versucht diese Bedenken zu zerstreuen. „Wir sind mit dem Bund in Gesprächen, die Tunnelrichtlinie zu lockern, damit es nach der Flughafeneröffnung nicht zu mehr Sperrungen kommt“, sagte eine Sprecherin. Außerdem gehe man davon aus, dass jeder zweite Flughafenpassagier öffentliche Verkehrsmittel benutzen werde.

Bundesweit wird laut ADAC-Studie vor allem der Süden Deutschlands unter dem steigenden Verkehr leiden. Doch auch in Niedersachsen werde sich die Zahl der überlasteten Autobahnabschnitte mehr als verdoppeln, heißt es. Zusätzliche Überlastungen wird es auch in Sachsen-Anhalt auf der A2 zwischen Braunschweig und Magdeburg geben – einem Autobahnabschnitt, der auf dem Weg nach Berlin liegt. In Sachsen sieht die Prognose für die A4 zwischen Dresden und Chemnitz mehr Staus voraus. Das betrifft auch Teile der Autobahn A12 von Berlin durch Brandenburg nach Frankfurt (Oder).

2011 wurden auf den Autobahnen laut ADAC 189.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 450.000 Kilometern gezählt – das entspricht 70.000 Kilometern mehr als die durchschnittliche Entfernung des Mondes von der Erde (380.000 Kilometer). Von den knapp 13.000 Kilometern Autobahn in Deutschland seien 1600 Kilometer (13 Prozent) chronisch überlastet. Bis 2025 steige die Länge der überlasteten Abschnitte auf 2000 Kilometer an, heißt es in der Untersuchung des Instituts Intraplan Consult. Der ADAC fordert deshalb einen stärkeren Ausbau der problematischen Autobahnen.