Reif für den Oscar

Was Berlin zur neuen Film-Metropole macht

Die Filmstadt Berlin stellt Rekorde auf. In diesem Jahr wurden 50 Projekte mit 29,8 Millionen Euro gefördert. Jeder Euro bringt vier zurück.

Foto: Gero Breloer / dapd

Die Region Berlin-Brandenburg hat im vergangenen Jahr die führende Rolle für die Film- und Medienbranche ausgebaut. Die Region habe „die Erfolgsgeschichte fortgesetzt“, sagte der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD), am Mittwoch. Zusammen mit Brandenburgs Medienstaatssekretär Henning Heidemanns (parteilos) stellte Böhning den Tätigkeitsbericht des Medienboards Berlin-Brandenburg vor.

Über die Filmwirtschaft hinaus stelle Berlin derzeit das „digitale Zentrum Europas“ dar. Viele der Hightechfirmen werden für Animationen sogar von Hollywoodstudios beschäftigt. Insgesamt sind in der Region 300.000 Menschen in 37.000 Unternehmen der Medien-, Film- und Kreativbranche beschäftigt.

Die Unternehmen setzen jährlich rund 37 Milliarden Euro um. Das Medienboard reichte im vergangenen Jahr 29,8 Millionen Euro Fördergeld aus. Jeder Fördereuro führe zu vier Euro Zusatzausgaben in der Region, etwa durch die Buchung von Hotelzimmern oder Produktionsausgaben, so Geschäftsführerin Kirsten Niehuus.

Ein 100-Milllionen-Dollar-Film

Vor allem die Filmwirtschaft boomt. „Während andere Bundesländer hektisch aufrüsten, geht es in Berlin kontinuierlich voran“, sagte Niehuus. Berlin setze sich für hohe Filmstandards ein und präsentiere jährlich oscarreife Produktionen. Im kommenden Jahr geht für Deutschland Christian Petzolds „Barbara“ in das Rennen um den besten ausländischen Film, der in Brandenburg gedreht und auch vom Medienboard gefördert wurde.

Allein in Berlin hat es nach Angaben von Niehuus im vergangenen Jahr 2200 Drehtage für Film- und Fernsehproduktionen gegeben. „Es herrscht eine filmfreundliche Haltung in der Region, die Leute mosern darüber relativ wenig“, so Niehuus. „Die Filmwirtschaft hat sich als wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadtregion etabliert.“

Insgesamt förderte das Board im vergangenen Jahr 50 Filme, darunter das 100-Millionen-Dollar-Projekt „Wolkenatlas“ von Tom Tykwer. In dem Fantasyfilm wird das Schicksal von sechs Menschen über einen Zeitraum von 500 Jahren geschildert.

Spiele-Industrie stark gewachsen

Ebenfalls mit Geld unterstützt wurden das jüngste Filmprojekt des Regisseurs und Schauspielers Detlev Buck, „Rubbeldiekatz“, sowie Fernsehproduktionen wie „Die Rache der Wanderhure“ und „Der Turm“ nach Uwe Tellkamps gleichnamiger Romanvorlage.

Stark gewachsen ist nach Angaben des Geschäftsführers für Standortpflege, Elmar Giglinger, auch die digitale Spiele-Industrie. So entstand in Berlin vor drei Jahren der Spielentwickler „Wooga“, der mittlerweile 200 Mitarbeiter beschäftigt und weltweit zu den besten drei Unternehmen der Spielebranche zählt. „Die Unternehmen könnten schneller wachsen, wenn sie schnell genug qualifiziertes Personal einstellen könnten“, sagte Giglinger.

Das Board förderte im vergangenen Jahr 24 Projekte für „innovative audiovisuelle Inhalte“. Außerdem etablierten sich die Deutschen Gamestage und der Deutsche Computerspielpreis in der Stadt. Einzig auf dem Gebiet der Fernsehproduktion verläuft die Entwicklung nicht wie vom Medienboard gewünscht. „Der Weggang von Sat1 ist noch zu spüren“, sagte Giglinger. So habe die Region in der Folge die Produktion mehrerer täglicher Serien verloren. Darüber hinaus stelle das Fehlen eines großen Fernsehsenders einen Standortnachteil dar, so Giglinger.

Brandenburg will Förderung senken

Das Medienboard Berlin-Brandenburg soll Anlaufstelle für alle Medien- und Filmschaffenden in der Region sein. Es soll die bestehenden Unternehmen besser vernetzen und den Medienstandort attraktiv halten. „Berlin muss das einzigartige Umfeld, das Kreative aus der ganzen Welt anzieht, unbedingt erhalten“, sagte Giglinger. Während Berlin angekündigt hat, die Förderung des Boards in den nächsten Jahren zu erhöhen, will Brandenburg seinen Beitrag künftig um 400.000 Euro senken.

Staatssekretär Henning Heidemanns rechtfertigte die Etatkürzung am Mittwoch damit, dass die Medienszene von Einsparungen bislang ausgenommen war. Außerdem liege die Pro-Kopf-Förderung weiterhin knapp über der Berlins. Während Berlin 3,46 Euro pro Einwohner in die Medien- und Filmförderung stecke, seien es in Brandenburg 3,62 Euro. Bislang hatte sich Brandenburg mit knapp 7,7 Millionen Euro an der gemeinsamen Filmförderung beteiligt.

Aus Berlin kamen knapp zehn Millionen Euro – im Doppelhaushalt 2012/2013 sind dafür zusätzlich 1,2 Millionen Euro vorgesehen. „Wir glauben, dass sich diese Investitionen lohnen“, sage Böhning. Nachdem der Senat die Geschäfte des Medienboards in diesem Jahr von Sonderprüfern kontrollieren ließ, gab Böhning am Mittwoch Entwarnung. „Das Ergebnis war positiv, der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung entlastet“, sagte Böhning. Bei der Prüfung habe es sich um offene Fragen aus den Jahren 2001 und 2003 gehandelt. „Die Prüfer kamen zu dem Ergebnis, dass das interne Kontrollsystem ausreichend ist“, sagte Böhning.