Spree-Areal

Künstler und Hightech auf ehemaligem „Bar 25“-Gelände

Die Holzmarkt-Genossenschaft sichert sich mit ihrem Höchstgebot das Areal an der Spree. Morgenpost Online zeigt, was sie damit vorhaben.

Foto: Massimo Rodari

Dem alternativen Künstlerdorf mit angegliedertem IT-Gründerzentrum an der Holzmarktstraße steht nichts mehr im Weg. Die Holzmarkt-Genossenschaft hat sich das Gelände am Ufer der Spree per Kaufvertrag gesichert, wie die Genossenschaft am Dienstag mitteilte. Bei den Berliner Regierungsfraktionen SPD und CDU ist die Erleichterung groß: Schließlich hatte sich insbesondere die SPD auch intern heftig darüber gestritten, wie sie den Verkauf des früheren "Bar 25"-Grundstücks durch die Stadtreinigungsbetriebe (BSR) an den Meistbietenden verhindern könnte.

Doch zur Nagelprobe bei dem umstrittenen Grundstücksdeal kam es dann doch nicht. "Wir sind Höchstbieter, und der Vertrag wurde heute beurkundet", teilte die "Holzmarkt plus eG" auf ihrer Homepage am Dienstag mit. Dabei hatte es noch in der vergangenen Woche so ausgesehen, als würde nicht die von der Politik favorisierte Genossenschaft den Zuschlag erhalten, sondern der Unternehmer Abris Lelbach: Dieser hatte zunächst das höhere Gebot abgegeben. Die Initiative um die Macher der Szeneclubs "Bar 25" und Kater Holzig konnte dann jedoch mit Unterstützung der Stiftung Abendrot, einer Pensionskasse mit Sitz in der Schweiz, ihr Angebot noch einmal deutlich aufbessern.

BSR bestätigte Vertragsabschluss

Gekauft hat das Grundstück nun - in enger Abstimmung mit der Holzmarkt plus eG - eine Tochtergesellschaft der Stiftung. Die Stiftung legt die ihr anvertrauten Vorsorgegelder "nach ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien an - in Immobilien, in erneuerbare Energien und in Wertpapiere, die strengen Nachhaltigkeitskriterien genügen müssen", heißt es in einer Selbstdarstellung der Stiftung.

Die BSR bestätigte am Mittwoch den Vertragsabschluss. "Der endgültige Kauf steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates der BSR", so BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Dem Vernehmen nach lag das Angebot der Initiative für das rund 18.000 Quadratmeter große Areal jedoch bei mehr als zehn Millionen Euro.

Auf dem BSR-Grundstück wird nun die Genossenschaft zusammen mit der Initiative Eckwerk ein Studentenwohnheim, ein Clubrestaurant, ein Hotel und ein IT-Gründerzentrum schaffen. Eckwerk ist ein Zusammenschluss Berliner IT-Unternehmer, die auf nachhaltige innovative Geschäfts- und Beteiligungsmodelle setzen. Die Genossenschaftler wollen zudem einen Park, Veranstaltungsflächen und Platz für "urbane Landwirtschaft" schaffen. "Uniforme Glasfassaden gibt es schon genug an der Spree", so Juval Dieziger, ehemaliger Geschäftsführer der "Bar 25" und derzeitiger Betreiber des Kater Holzig. Die Genossenschaft wird den Beweis antreten müssen, dass ihre Pläne, an der Spree eine Symbiose aus alternativem Ökodorf, kreativem Künstlertreff und Hightech-Unternehmen zu schaffen, sich besser in den Kiez zwischen Kreuzberg und Friedrichshain einpasst als die unter dem Schlagwort "Mediaspree" bislang entstandenen Gebäude.

100-Millionen-Euro-Projekt

Denn nur mit temporären Holzbuden und Bauwagen soll das Areal künftig nicht bestückt werden: Auch die Genossenschaft will das Grundstück zum Teil massiv bebauen. Jedoch sollen die Eckwerk-Bürogebäude und die Studentenwohnungen, zum Teil bis zu elf Stockwerke hoch, allesamt hinter der S-Bahn-Trasse auf dem westlichen Grundstücksteil konzentriert werden. Auf dem größeren, östlichen Teilgrundstück der Spree sollen dagegen das Künstlerdorf mit Ateliers, Studios und kleinen Läden sowie ein Park und Gärten Platz finden.

"Bis zu 50 Prozent des bislang verschlossenen Areals sollen zu einem öffentlichen Park werden", so der Sprecher der Genossenschaft, Simon Wöhrl. Am östlichen Ende des Grundstücks ist zudem ein Hotel für die Gäste der deutschen Start-up-Unternehmen und des Künstlerdorfes geplant. Wie hoch dieses Gebäude werden soll, sei noch genauso offen wie die Gestaltung, so Wöhrl. Das Investitionsvolumen werde bis zu 100 Millionen Euro betragen.

BSR-Aufsichtsrat entscheidet am 17. Oktober

Mit der Vertragsunterzeichnung sind die Pläne des Elpro-Chefs Abris Lelbach wohl endgültig vom Tisch. Lelbach, der auch im Aufsichtsrat der BSR sitzt, wollte auf dem östlich der Stadtbahntrasse und an der Spree gelegenen Grundstück drei neungeschossige Gebäude und ein Hochhaus errichten. In denen sollten ein kleines Zentrum für Demenzkranke, Wohnungen für Behinderte sowie eine Kita entstehen. In den flacheren Gebäuden sollten Wohnungen "mit bezahlbaren Mieten" von um die neun oder zehn Euro je Quadratmeter entstehen.

Am 17. Oktober entscheidet der BSR-Aufsichtsrat unter Leitung von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD), ob der Verkauf vollzogen wird. Da aber das favorisierte Konzept zugleich auch das mit dem höchsten Gebot war, steht Nußbaums Unterschrift wohl nichts mehr im Wege.